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Formel 1

Nico Rosberg erbt Sebastian Vettels Tagessieg

Von Alexander Maack
Nico Rosberg (h.) übernimmt die Spitze im Ranking. Sebastian Vettel schafft es nicht in die Top Ten
© getty

Auch in der Formel-1-Saison 2013 bewertet SPOX-Redakteur Alexander Maack nach jedem Grand Prix die fahrerischen Leistungen der Piloten und stellt sein persönliches Driver-Ranking auf. Teil 2: Malaysia-GP.

2012 trug das Driver-Ranking zum zweiten WM-Lauf den Titel "Mahnung an Sebastian Vettel". In diesem Jahr hat der Ausgang des Großen Preises von Malaysia mehr Verlierer als Gewinner hervorgebracht. Mark Webber, Sebastian Vettel, Lewis Hamilton, Nico Rosberg - die vier Erstplatzierten waren nach dem Rennen eher unzufrieden über den Rennausgang. Freude? Kruzzeitig, bis Vettel von seinem Team zusammengestaucht wurde.

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Für den Heppenheimer hat sein Überholmanöver in diesem Jahr Nachwirkungen im Driver-Ranking: Er wird deutlichst zurückgestuft. Dafür holt Nico Rosberg den Tagessieg, streicht 25 Punkte ein und übernimmt zusammen mit Kimi Räikkönen die Führung in der Gesamtwertung. Insgesamt schaffen es drei Deutsche und drei Franzosen in die Top Ten, weil Marussia-Rookie Jules Bianchi sich im zweiten Einsatz zum zweiten Mal Punkte holt.

Meine Wertung für den Malaysia-GP:

Platz 1, Nico Rosberg: Der Silberpfeil-Pilot war gegen Ende des Rennens deutlich schneller als sein eigener Teamkollege Lewis Hamilton. Trotzdem musste er sich auf Anordnung von Teamchef Ross Brawn mit Platz vier begnügen. Die Art und Weise, wie Rosberg die Teamorder hinnahm, beweist menschliche Größe, zudem fuhr Rosberg stark und lag zwischenzeitlich sogar als Vierter unter zwei Sekunden hinter dem Führenden.

Was Rosberg von seinem Teamkollegen Hamilton abhob: Er schonte dabei das Auto und verbrauchte weniger Sprit. Im Gegensatz zu Hamilton musste er laut eigener Aussage kein Benzin sparen. Im Qualifying war der gebürtige Wiesbadener zwar langsamer als der Brite, was aber an der Behinderung durch Kimi Räikkönen gelegen haben dürfte, weshalb es keinen Punktabzug für Rosberg gibt.

Platz 2, Mark Webber: Der Australier wurde von Sebastian Vettel überholt. Unfair. Deswegen steht er im Driver Ranking wesentlich weiter vorn. Webber hatte sich an die Anweisung seines Renningenieurs Simon Rennie gehalten und fuhr langsamer.

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Webber kontrollierte das Rennen, wie er es schon nach dem gut getimten Wechsel von Intermediate- auf Trockenreifen tat. Deshalb verneinte das Team Vettels Forderung, per Stallorder vorbeigelassen zu werden. Aus 0,5 Sekunden Vorsprung zum Zeitpunkt des Funkspruchs machte Webber innerhalb von vier Runden 1,9. Und zwar trotz der Tatsache, dass der Deutsche sein Tempo nicht verringerte. Webbers Rundenzeiten waren denen Vettels mindestens ebenbürtig. Seine Leistung nach dem Start - entgegen aller Vorurteile - stark. Er hatte den Sieg verdient, den Vettel ihm schließlich nahm.

Platz 3, Jenson Button: Lange Zeit lag der Brite auf Rang fünf und konnte sich ohne größere Probleme gegen Felipe Massa im Ferrari behaupten. Auch wenn der McLaren aktuell nicht zu den schnellsten Autos im Feld gehört, macht Button das Beste daraus.

In Malaysia wäre sogar ein Podestplatz möglich gewesen, hätte sein Team ihm beim zweiten Stopp nicht zu früh das Kommando zum Losfahren gegeben. Das rechte Vorderrad löste sich noch in der Boxengasse, Button blieb stehen und ließ sich von seinen Mechanikern zurückschieben. Ein unnötiger Zeitverlust, der den Überraschungscoup durch die Strategie mit drei statt vier Stopps zunichtemachte.

Platz 4, Nico Hülkenberg: Der Emmericher zählte wieder zu den Pechvögeln des Wochenendes. Sein zwölfter Startplatz resultierte nur aus dem Ausfall des Regenradars am Sauber-Kommandostand. Seine erste Runde absolvierte Hülkenberg auf gebrauchten Reifen, nachdem der Regen einsetzte, hatte er keine Chance mehr, sich zu verbessern.

Er steckte bei seinem ersten Renneinsatz für die Schweizer zuvor rundenlang im Verkehr fest und musste zusätzlich mit einem leicht beschädigten Heckflügel fahren. Der rundenlange Kampf gegen Kimi Räikkönen im stärkeren Lotus rechtfertigt Hülkenbergs fünften Platz im Driver-Ranking. Beide Piloten zeigten, was hartes und gleichzeitig faires Racing bedeutet.

Platz 5, Lewis Hamilton: Dem Briten war sein erster Podestplatz für Mercedes fast peinlich. Damit hatte er Recht. Hamilton überzog im Kampf mit Sebastian Vettel rundenlang das Tempo, sodass er später Benzin sparen musste. Den deutlich schnelleren Rosberg hielt nur die von Ross Brawn ausgesprochene Teamorder zurück. Hamilton lieferte nach seinem starken dritten Startplatz ein schlechteres Rennen als sein Silberpfeil-Kollege, weshalb es für ihn nur zu Rang fünf im Ranking reicht.

Platz 6, Jules Bianchi: Wieder zeigt der französische Rookie in Marussia-Diensten ein starkes Wochenende. Bianchi scheiterte in seinem unterlegenen Auto nur um 0,503 Sekunden an der Qualifikation zu Q2. Er hatte 0,803 Sekunden Vorsprung auf Charles Pic im konkurrierenden Caterham. Der Vorsprung auf den eigenen Teamkollegen Max Chilton betrug 1,238 Sekunden. Auch im Rennen überzeugte Bianchi. Der Vorsprung auf Pic war mit 25 Sekunden am Ende deutlich.

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Platz 7, Romain Grosjean: Die Kritik am französischen Teamkollegen von Kimi Räikkönen war im vergangenen Jahr deutlich. Immer wieder fiel der Franzose durch zu großes Risiko auf und löste mehrere Startkollisionen aus. Mittlerweile hat er offensichtlich dazugelernt. Obwohl ihm das Auto weniger liegt als dem Iceman und er im Gegensatz zum Teamkollegen nicht die Neuentwicklungen an seinen E31 montiert bekam, schloss er das Rennen auf Platz sieben ab. Vor dem Finnen, der nach dem Qualifying eine Strafe kassiert hatte, weil er Rosberg behinderte und sich damit selbst um ein besseres Ergebnis brachte.

Platz 8, Felipe Massa: Vier Mal hintereinander hat der Brasilianer seinen Ferrari-Stallgefährten Fernando Alonso im Qualifying bezwungen. Trotzdem fehlte im Rennen an diesem Wochenende wieder das entscheidende Quäntchen für eine echte Topplatzierung. Beim Start musste Massa sowohl Alonso als auch Webber und Button passieren lassen. Anschließend konnte er Hülkenberg nicht überholen. Immerhin: In der 53. Runde kassierte der Brasilianer Grosjean noch.

Platz 9, Jean-Eric Vergne: Eine gute Leistung krönte der Toro-Rosso-Piloten mit seinem ersten WM-Punkt in diesem Jahr. Dabei hatte im Qualifying und im Rennen Pech. Vergne startete nur von Rang 17. Er schied in Q1 aus, weil er im Verkehr hängen geblieben war. Im Rennen arbeitete er sich sukzessive nach vorne, obwohl er beim Boxenstopp viel Zeit verloren hatte. Das Team hatte ihn zu früh losfahren lassen. Vergne kollidierte mit dem einbiegenden Charles Pic, woraufhin die Mechaniker noch die Nase des Autos wechseln musste.

Platz 10, Adrian Sutil: Nach seinen Führungsrunden beim Saisonauftakt fuhr der gebürtige Starnberger in Malaysia ein vergleichsweise unauffälliges Rennen. Den guten neunten Startplatz konnte der Starnberger allerdings nicht in Punkte umwandeln. Bei beiden Boxenstopps streikte die Technik. Erst löste sich das linke Hinterrad nicht, dann wollte sich das vordere Rad auf derselben Seite nicht befestigen lassen. Das enttäuschende Ende: Sutil stellte sein Auto als Zwanzigster in der Box ab. Ohne die Probleme wäre er ein sicherer Punktekandidat gewesen.

Härtefall, Sebastian Vettel: Es gibt nach diesem Wochenende wohl zwei Arten, Sebastian Vettel zu beurteilen: Entweder der Weltmeister gehört für sein Überholmanöver auf Platz eins oder er bekommt einen deutlichen Punktabzug. Meiner Meinung nach ist letzteres angebracht. Das Manöver gegen Webber war vielleicht toll anzuschauen, es war aber kreuzgefährlich. Webber war schon auf der Innenbahn, als Vettel sich dort mit DRS-Unterstützung vorbeizwängen wollte.

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Von Abdrängen kann also keine Rede sein. Nur das Ausweichmanöver des Australiers verhinderte die Kollision unter den Red Bulls. Wenn man bedenkt, dass sich Vettel durch den verfrühten Wechsel auf Trockenreifen selbst in diese Lage brachte, kann man verstehen, warum sein gesamtes Team den Heppenheimer während und nach dem Rennen deutlich kritisierte. Ohne den verfrühten Reifenwechsel und das daraus folgende Manöver, hätte Vettel sich wohl den Tagessieg geholt.

Anmerkung: Ursprünglich war bei der Argumentation zu Mark Webbers zweitem Platz eine falsche Angabe zur Rundenzeit angegeben. Diese wurde entfernt.

Meine Punkte für das Kuala-Lumpur-Wochenende:

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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