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Formel 1

Vettel: Ein Meilenstein im Feindesland?

Von Alexander Maack
Sebastian Vettel konnte bereits zweimal das Rennen in Monza gewinnen
© getty

Beim Großen Preis von Italien (alle Sessions im LIVE-TICKER) könnte Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel den 32. GP-Sieg seiner Karriere feiern und dadurch mit Fernando Alonso gleichziehen. Die Italiener haben die WM fast abgeschrieben und sich auf das eigene Heimspiel in Monza konzentriert. Doch auch Mercedes und Lotus wollen auf der Highspeed-Strecke wieder ganz nach vorn.

Die Ansprüche des Teams haben sich geändert. Teamchef Stefano Domenicali gab zuletzt ein neues Mindestziel für die Saison 2013 aus: Wenn es schon wieder nicht mit der ersten Fahrer-WM seit 2007 und dem ersten Konstrukteurstitel seit 2008 klappt, dann soll wenigstens ein Sieg beim Heimrennen auf dem 5,793 Kilometer langen Autodromo di Monza her.

Seit Michael Schumacher 2006 vor Ferrari-Heimkulisse triumphierte und anschließend seinen ersten Rücktritt erklärte, gelang allerdings nur noch einmal der Triumph. Fernando Alonso wurde 2010 knapp vor Jenson Button Erster. Sonst hagelte es dritte Plätze. Nur 2008 stand kein Ferrari-Pilot auf dem untersten Podestplatz.

Alonso hofft deshalb auf ein Erfolgserlebnis - nicht nur für sich: "Für uns ist Monza das wichtigste Rennen des Jahres", so der Spanier. "Wir fahren zu Hause, werden von den Tifosi unterstützt. Der Geschichte zeigt, dass Ferrari in Monza immer stark ist. Deshalb wollen wir am Sonntag ein gute Leistung zeigen und hoffen, dass die Leute das Rennen genießen können."

Vettel nur noch knapp hinter Alonso

Allerdings schickt sich Sebastian Vettel an, seinen Dauerrivalen in einer weiteren Kategorie abzulösen. In Belgien gewann er sein 31. Formel-1-Rennen. Alonso hat aktuell 32 Siege auf dem Konto. Gewinnt Vettel auch in Monza, zieht er mit Alonso gleich, obwohl er sechs Jahre jünger ist.

Selbst wenn die Scuderia ihre eigene Qualifying-Schwäche nicht abstellen kann, bietet die schnellste Strecke der Formel 1 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 240 Stundenkilometern noch mehr Überholmöglichkeiten als Spa. Dort arbeitete sich Fernando Alonso immerhin von Startplatz neun auf zwei vor.

Für das Heimrennen musste die Entwicklungsabteilung in Maranello noch härter arbeiten. "Ich sporne sie bis zum letzten Moment an, damit sie sogar die kleinste Entwicklung auf die Strecke bringen", erklärt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Ein paar Hundertstel pro Runde sollen Fernando Alonso den Sieg und den Vorsprung vor Sebastian Vettel retten.

Überrascht Red Bull wieder?

Die Streckencharakteristik könnte Red Bull ohnehin schaden. Schon Spa galt eigentlich nie als Paradekurs der Brausetruppe. Trotzdem gewann Sebastian Vettel souverän. Dabei profitierte er allerdings vor allem im zweiten Abschnitt der Strecke vom extremen Abtrieb des RB9, weil beim Belgien-GP noch acht Kurven mit mehr als 250 Stundenkilometern durchfahren wurden.

Monza kommt zwar insgesamt noch schneller daher, charakterisiert sich jedoch anders. Angst oder gar Abneigung empfindet Vettel dennoch nicht. Im Gegenteil: "Diese Strecke bringt bei mir immer ganz besondere Erinnerungen zurück", so der WM-Führende. "Speziell von meinem Sieg 2008 mit Toro Rosso. Das Gefühl, zum ersten Mal ganz oben auf dem Podium zu stehen ist einfach unbeschreiblich."

Um auch 2013 wieder ganz oben zu stehen, muss für Vettel jedoch einiges richtig laufen. Speziell angesichts der speziellen Streckencharakteristik. "In Monza erreichen die Piloten nur in der Curva Grande und der Curva del Serriglio ähnliche Geschwindigkeiten."Die Strecke besteht eigentlich nur aus Geraden und Schikanen", erklärt der deutsche Dreifachweltmeister den Unterschied zu Spa. Neben den Schikanen gibt es nur vier weitere Kurven.

"Eine Reise zu den Wurzeln"

Trotz des Vollgasanteils von 74 Prozent fordert der Italien-GP von den Fahrern dabei aber dauerhafte Konzentration. Am Ende der Start-Ziel-Geraden sind die Autos etwa 340 km/h schnell. Innerhalb von einer Sekunde bewegt sich das Auto also 94 Meter nach vorn. Wer bei den harten Verzögerungen auf etwa 60 Stundenkilometer vor den Schikanen zu spät auf der Bremse ist, rauscht unweigerlich geradeaus.

"Der Streckenverlauf und die Atmosphäre sind etwas ganz Besonderes. Es ist wie eine Reise zurück zu den Wurzeln der Formel 1", sagt Lewis Hamilton, der im Vorjahr im McLaren überlegen gewann. Obwohl der Engländer zuletzt in Spa zum fünften Mal seit seinem Wechsel zu Mercedes von der Pole-Position startete und zum vierten Mal nicht als Erster ins Ziel kam, herrscht bei den Silberpfeilen weiter Optimismus. "Ich hoffe, dass wir dort wie in Belgien ein weiteres starkes Mannschaftsergebnis einfahren können", so Nico Rosberg.

Das größte Argument dafür ist nicht etwa der oft kolportierte starke Mercedes-Motor - durch die jahrelange Angleichung der Achtzylinder gibt es keine gravierenden Unterschiede mehr. Stattdessen kann Mercedes abermals von der guten Traktion des W04 profitieren. Schon in Barcelona und Monaco waren Hamilton und Rosberg nach den engen Kurven nicht zu überholen, weil sie sich bei der Beschleunigung entscheidende Meter an Vorsprung erarbeiteten.

"Ihre Kombination aus Speed und Konstanz hat Mercedes auf den zweiten Platz in der Konstrukteurswertung gebracht und unser klares Ziel lautet, diese Position in den kommenden Rennen zu festigen", verspricht Motorsportdirektor Toto Wolff. Die Probleme aus Spa, als das Auto im Rennen zu wenig Topspeed ermöglichte, sollen vergessen sein: "Mit Hilfe der gelernten Lektionen vom vergangenen Rennwochenende hoffen wir, dass wir unsere Renn-Pace in Italien weiter verbessern können."

Verlängerter Lotus bringt mehr Stabilität

Nach dem Ausfall in Spa will allerdings auch Kimi Räikkönen wieder ein Wort mitreden. Lotus hat deshalb die wohl radikalste Fahrzeugentwicklung 2013 im Gepäck. Nachdem die Zeit für die Umstellung auf einen wesentlich längeren Radstand vor dem letzten Rennen nicht ausreichte, sollen der Iceman und Teamkollege Romain Grosjean damit in Monza siegfähig sein.

"Wenig Abtrieb war nicht wirklich das Beste für unser Auto, aber in der Fabrik wurde hart daran gearbeitet, mit einigen Änderungen am Auto mehr Geschwindigkeit und Stabilität für uns rauszuholen", erklärt Räikkönen, der noch nie beim Italien-GP siegreich war: "Nur weil ich da noch nicht gewonnen habe, heißt das nicht, dass ich dort auch künftig keinen Sieg oder ein gutes Ergebnis hinbekomme."

Kontrollverlust durch Aerodynamik

Dabei gilt allerdings Vorsicht: Die mit eigens entwickelten Teilen auf geringstmöglichen Luftwiderstand ausgelegten Autos sind auf der Hinterachse sehr nervös.

Besonders in den beiden Lesmo-Kurven und der Parabolica vor der Start und Ziel droht ein plötzlicher Kontrollverlust. "Wenn du den kleinsten Fehler machst, dann geht's direkt in Kiesbett, bevor du es überhaupt merkst", sagt Vettel.

Allerdings bieten die extra angefertigten Low-Downforce-Konfigurationen auch Chancen für Außenseiter. So überraschte Sergio Perez 2012 im Sauber mit seinem Ritt auf Platz zwei. In diesem Jahr sind Toro Rosso mit dem designierten Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo und Force India mit Adrian Sutil die Geheimtipps.

Der Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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