Formel 1

Sebastian Vettel: "Mir geht dabei keiner ab"

Von Alexander Maack
Sebastian Vettel will für Red Bull auf dem Nürburgring seinen nächsten Sieg einfahren
© getty

Nach dem Ausfall beim Rennen in Silverstone strebt Sebastian Vettel ausgerechnet bei seinem Heimspiel die Revanche an. Der Weltmeister könnte auf dem legendären Nürburgring den 30. Grand Prix seiner Formel-1-Karriere gewinnen, doch drei Serien sprechen gegen ihn und für die erstarkten Mercedes von Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Lebensgefahr soll durch die neuen Pirelli-Reifen nicht mehr bestehen.

Der Frust über den Ausfall mit Getriebeschaden in England saß bei Vettel unter der Woche tief. Weil Vizeweltmeister Fernando Alonso den Abstand in der Fahrer-WM auf 21 Punkte verkürzte, setzte der seit Mittwoch 26 Jahre alte Dreifachweltmeister sein Team prompt unter Druck.

"Ich will, dass sich jeder ordentlich auf seine Aufgaben vorbereitet, dass sie fit zur Arbeit erscheinen, sich nicht irgendwie ablenken lassen, und dass wir hier nichts dem Zufall überlassen", sagte Vettel im "FAZ"-Interview: "Wenn es dann Grund zum Feiern gibt, können wir es auch mal krachen lassen, das haben sich dann alle verdient."

In Deutschland hat es aber noch nie gekracht. Bei fünf Grands Prix gewann Vettel kein einziges Mal. Noch nie hat ein deutscher Fahrer den Deutschland-GP auf dem Nürburgring gewonnen. Michael und Ralf Schumacher gewannen zwar zwischen 1995 und 2006 als einzige einheimische Piloten auf der Strecke, allerdings hieß das Rennen Großer Preis von Europa.

Vettel: "Es gibt keinen Fluch"

Ein schlechtes Omen? "Es gibt keinen Fluch. Im Gegenteil: Es gibt eher so etwas wie einen Heimvorteil", machte sich Vettel in der "Sport Bild" Mut: "Man nimmt sich immer vor, sein Heimrennen zu gewinnen. Das versuche ich natürlich auch in dieser Saison." Geht der Plan auf, beendet er mit dem 30. Sieg seiner Karriere gleich zwei weitere Negativserien: Der 26-Jährige hat noch nie im Juli und seit dem Italien-GP 2011 in Monza vor fast 22 Monaten nicht mehr in Europa gewonnen.

Was für Vettel spricht: Fiel der Heppenheimer in seinen drei Weltmeisterjahren mit technischem Defekt aus, landete er beim nächsten Rennen immer auf dem Podest. Psychologische Kriegsführung benötigt der Weltmeister deshalb im Gegensatz zur Konkurrenz nicht. "Diese Spielchen sind einfach nicht für mich gemacht, mir geht dabei keiner ab, wenn ich zurückschieße. Mir ist so etwas ziemlich wurscht, ich gebe meine Antwort lieber auf der Strecke", sagte der Heppenheimer der "FAZ".

Pirelli liefert neue Reifen

Auch das Aufregerthema des letzten Wochenendes lässt Vettel kalt. "Ich denke, Pirelli hat kein Interesse daran, die Verhältnisse zu verschieben", erklärte der 26-Jährige. Statt des in diesem Jahr eingeführten Gürtels aus Stahl wird nach den geplatzten Reifen in Silverstone nun wie 2012 wieder Kevlar eingesetzt. Das Material ist wesentlich reißfester und erhitzt sich zudem nicht so leicht wie das Metall.

"Hoffen wir, dass es für uns bedeutet, dass wir ein sicheres Rennen fahren können", gab sich Fernando Alonso zurückhaltend und erteilte einem Boykott aus Sicherheitsbedenken eine Absage: "Wir müssen fahren. Für unser Team, für unsere Sponsoren, für die Fans." Dass es wieder Probleme gibt - unwahrscheinlich. Auf dem 5,148 Kilometer langen Kurs in der Eifel wirken weniger Seitenkräfte auf die Pneus, weil nur drei Kurven mit über 250 Stundenkilometern durchfahren werden.

Horner: Mercedes ist WM-Kandidat

Von dieser Streckencharakteristik könnte Mercedes profitieren. Ein halbes Jahr hat die Truppe aus Brackley gebraucht, um aus einem Rennstall im hintersten Mittelfeld wieder einen Titelanwärter zu formen. "Ganz sicher werden sie bis zum Ende des Jahres eine Rolle spielen - genau wie Ferrari und Lotus", lobte Red-Bull-Teamchef Christian Horner unter der Woche.

In den drei Rennen seit dem illegalen Reifentest in Barcelona haben Nico Rosberg und Lewis Hamilton zusammen 99 Punkte eingefahren. Red Bull mit 88 und Ferrari mit nur 51 Zählern konnten nicht mithalten, sodass die Silberpfeile plötzlich Zweiter der Konstrukteurs-WM sind. "Ich will Sebastian und Red Bull einfach Rennen für Rennen nerven - indem ich vor ihnen ins Ziel komme", erklärte Rosberg.

Der 28-Jährige verwies jedoch gegenüber dem "Express" den immer noch hemmenden Reifenverschleiß: "Da sind wir noch nicht die Besten. Ich konnte nur gewinnen, weil Sebastian Vettel ausgefallen ist." Allerdings vergaß der Wiesbadener dabei seinen eigenen Teamkollegen.

Ferrari: Mercedes hat Reifenprobleme gelöst

Lewis Hamilton hatte in Großbritannien nicht nur die Pole geholt, er baute auch schnell seinen Abstand zum Zweitplatzierten aus, sodass Vettel ihn nicht mit DRS-Unterstützung überholen konnte. Erst als Hamiltons Reifen platzte, ging Vettel vorbei. "Sie haben ihr Problem mit dem Reifenverschleiß gelöst", konstatierte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.

Mercedes' Qualifying-Stärke ist auf dem neuen Nürburgring jedoch fast hinderlich. Nur drei von 17 Rennen gewann der Pilot, der ganz vorn startete. Beim letzten Rennen in der Eifel 2011 triumphierte Hamilton von Startplatz zwei. Ein weiterer Erfolg scheint aufgrund der aktuellen Situation nicht unwahrscheinlich, obwohl das von Motorsportdirektor Toto Wolff gewünschte Regenwetter am Samstag und Sonntag aktuell vollkommen unwahrscheinlich ist.

Die Formel-1-Termine 2013 im Überblick

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