Cookie-Einstellungen
Formel 1

Hamilton zu Unrecht am Pranger

SID
Lewis Hamilton liegt nach seinem Unfall in Singapur nur noch auf Rang drei der Fahrer-WM
© Getty

Auch in der Formel-1-Saison 2010 beurteilt SPOX-Redakteur Alexander Mey nach jedem Rennwochenende in seinem Driver-Ranking die Leistungen aller Fahrer - unabhängig von der Stärke ihrer Autos. Ausgabe 15: Der Singapur-GP.

Auf so einem schweren Kurs wie dem in Singapur trennt sich die Spreu vom Weizen. Da erstaunt es nicht sonderlich, dass zum großen Teil die besten Fahrer des Jahres im Ranking vorne sind. Bis auf Lewis Hamilton nach seiner zweiten Nullnummer in Folge.

Meine Wertung für den Singapur-GP:

Platz 1, Fernando Alonso: Wer sonst? Er ist im Moment eindeutig der Mann der Stunde. Bei dem Lauf, den der Spanier hat, muss es den anderen WM-Kandidaten himmelangst werden. Sahnestück seines Wochenendes war das Qualifying. Die Pole-Position hat ihm letztlich den Sieg gebracht. Im Rennen 61 Runden lang dem Dauerdruck von Vettel standzuhalten und keinen Fehler zu machen, ist auch nicht von schlechten Eltern. Übrigens: Mit den Ergebnissen Erster, Dritter, Erster ist Alonso nun offiziell der Singapur-Spezialist.

Platz 2, Sebastian Vettel: Hätte er die Pole-Position geholt, dann hätte er das Rennen und auch das Ranking gewonnen. Im Training war er haushoch überlegen, im Rennen fuhr er zusammen mit Alonso in einer eigenen Liga. Unfassbar, wie viel schneller als Teamkollege Webber er war. Aber leider gab es Q3 am Samstag, in dem er die perfekte Runde einfach nicht zusammen gebracht hat. Das war es dann mit dem Sieg.

Platz 3, Nico Rosberg: Ich sollte mir den Text zu Rosberg für das Ranking eigentlich irgendwo abspeichern, denn ich habe ohnehin immer das Gleiche zu sagen. Rosberg ist besser als sein Mercedes, er ist deutlich besser als Schumacher, er ist unglaublich konstant. Interessant ist, dass er aber auch zunehmend genervt davon ist, trotz seiner großartigen Leistungen nicht aufs Podium zu kommen. Das hatte er bei Williams schon oft genug.

Platz 4, Mark Webber: Sein Speed war im Vergleich zu Vettel unterirdisch. Das hat er erfrischend ehrlich zugegeben. Aber man muss ihm wirklich zugute halten, dass er aus dem Wochenende das Beste herausgeholt hat, was für ihn möglich war. Bei der Kollision mit Hamilton hatte er Glück, laut Bridgestone haben fünf Millimeter gefehlt, dann wäre sein Reifen von der Felge gesprungen. Aber sein mutiger früher Boxenstopp und einige gute Überholmanöver haben gezeigt, dass Webber bereit ist, wie ein Löwe um den WM-Titel zu kämpfen.

Platz 5, Jenson Button: Ein extrem unauffälliges Wochenende des Champions, aber besser, als ich gedacht habe. Er konnte das Tempo von Hamilton im Qualifying mitgehen und sah im Training sogar souveräner aus. Erst im Rennen konnte er seinen Teamkollegen dann nicht mehr halten. Trotzdem: Grundsolider Punktesammler, der Weltmeister.

Platz 6, Rubens Barrichello: Der wievielte Frühling von Rekord-Rubinho ist das eigentlich? Toll, was er aus dem Williams herausholt. Seit einiger Zeit mal wieder ein Wochenende, an dem er seinen aufstrebenden Teamkollegen Hülkenberg sicher im Griff hatte. Das lag aber auch an der Erfahrung auf der Strecke.

Platz 7, Felipe Massa: Nach dem großen Pech im Qualifying ist der achte Platz im Rennen von ganz hinten ein Erfolg. Aber er hat natürlich auch immens von den Safety-Car-Phasen und den Strafen gegen Sutil und Hülkenberg profitiert. In einem regulären Rennen wäre es mit WM-Punkten schwierig geworden. Mit Überholmanövern hat er sich zurückgehalten. Trotzdem: Vorwerfen kann man Massa eigentlich nichts.

Platz 8, Lewis Hamilton: Ich gebe ihm trotz seines Unfalls Punkte, weil ich im Gegensatz zu einigen Experten nicht der Meinung bin, dass nur Hamilton schuld am Crash mit Webber war. Klar zieht Hamilton knallhart nach innen und lässt Webber kaum Platz. Aber auf der anderen Seite war er auch deutlich vorne. Webber hätte den Crash vermeiden können, wenn er damit gerechnet hätte, dass Hamilton das durchzieht. Und damit muss man bei dem Engländer immer rechnen. Webber hat also den Crash billigend in Kauf genommen - ähnlich übrigens wie damals in der Türkei den Crash mit Vettel. Die Bewertung der Stewards als normaler Rennunfall ist meiner Meinung nach okay. Abgesehen von einigen kleineren Fehlern im Training ist Hamilton ansonsten ein gewohnt gutes Wochenende gefahren.

Platz 9, Timo Glock: Der Showman des Rennens und deshalb für mich ein klarer Punkte-Kandidat. Sein Qualifying war schon super, als er mit Platz 18 vor beiden Lotus stand. Wie er dann aber im Rennen in einem Virgin Sutil im Force India, Hülkenberg im Williams und Massa im Ferrari hinter sich gehalten hat, war große Klasse. Da hat man mal gesehen, was für ein Potenzial Glock eigentlich hat. Ich wünsche ihm von Herzen ein besseres Cockpit.

Platz 10, Robert Kubica: Eigentlich kein besonders beeindruckendes Wochenende von ihm - gemessen an dem, was er sonst in diesem Jahr geleistet hat. Aber den letzten Punkt gibt es für die letzten Runden, in denen er durch das Feld gerauscht ist wie das heiße Messer durch die Butter. Da waren einige starke Überholmanöver dabei.

Härtefall 1, Michael Schumacher: Sein Wochenende hat mir eigentlich ganz gut gefallen - bis zum Rennstart. Im Training war er sehr fleißig und hatte spürbar Lust auf den neuen Kurs. Dann der Einzug in Q3. Alles gut eigentlich. Aber im Rennen war er dann ziemlich wild unterwegs. Erst beim leichten Crash mit Kobayashi, der ihn den Frontflügel kostete, dann beim Crash mit Heidfeld. Auch ein normaler Rennunfall, aber tendenziell mit Schuld bei Schumacher.

Härtefall 2, Nick Heidfeld: Sein Comeback war in Ordnung, mehr nicht. Viele hatten viel von ihm erwartet, und im Training sah es auch noch danach aus, als könnte er mit Kobayashi auf Anhieb mithalten. Doch das Qualifying war eine Enttäuschung, ebenso wie später das Rennen. Heidfeld wird noch kommen, aber Singapur war nichts.

Meine Punkte für das Singapur-Wochenende:

WM-Stand: Ein lupenreiner Fünfkampf

Werbung
Werbung