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Formel 1

CVC rückt ab: Ecclestone gerät unter Druck

SID
Es ist mehr als fraglich, wie lange sich der 82-Jährige noch an der Spitze der Formel 1 halten kann
© getty

Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone gerät nach der Anklageerhebung wegen Untreue und Bestechung immer mehr unter Druck. Neben Mercedes rückt auch sein Arbeitgeber ab. Sylvia Schenk, Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Agentur Transparency International, hat die Silberpfeile derweil zum Handeln aufgefordert.

"Der Vorstand wird die Entwicklung der Situation weiterhin entsprechend beobachten", teilte das Investmentunternehmen CVC mit, dessen Geschäftsführer Ecclestone ist. Der Hauptaktionär der Formel 1 vermied in der lediglich vier Sätze langen Mitteilung allerdings ein klares Bekenntnis zu Ecclestone.

Ist Ecclestone noch tragbar?

Derweil hat unter den Teams, Sponsoren und weiteren Teilhabern der Rennserie die Diskussion darüber begonnen, ob Ecclestone wegen seines drohenden Gerichtsverfahrens noch tragbar ist. Vor allem die großen Sponsoren haben strenge Compliance-Regeln, die einer Zusammenarbeit mit Straftätern klare Grenzen setzen.

"Compliance ist für Daimler von zentraler Bedeutung", teilte der Konzern mit: "Wir befürworten die Aufklärung der Vorwürfe gegen den CEO der Formel 1." Man werde über das weitere Vorgehen mit den anderen Partnern der Formel 1 beraten und sich "danach wieder äußern".

Bereits Ende Mai hatte Christine Hohmann-Dennhardt, Daimlers Konzern-Vorstand für Integrität und Recht, eine Art Ausstiegsklausel im Vertrag mit Ecclestone bestätigt. "Das geht bis zum Kündigungsrecht", sagte die ehemalige Bundesverfassungsrichterin: "Die Vertragsklauseln würden wir auch nutzen, wenn es nötig ist - man muss das abwarten."

Ecclestone schließt Rücktritt kategorisch aus

Trotz Anklage wegen Anstiftung zur Untreue und Bestechung schließt Ecclestone (82) einen Rücktritt aber weiter kategorisch aus. "Ich werde das tun, was ich immer gemacht habe: Weiter arbeiten und meinen Job tun. Für mich ändert sich durch diese Sache nichts", sagte Ecclestone.

Ecclestone soll dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld im Zuge des Verkaufs einer Formel-1-Beteiligung der BayernLB an den britischen Investor CVC gezahlt haben. Der mittlerweile zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Gribkowsky hat Ecclestone schwer belastet. Ecclestone bestreitet die Vorwürfe und behauptet, von Gribkowsky erpresst worden zu sein.

Ecclestone droht im Falle einer Verurteilung eine Haftstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren. Bereits vor längerer Zeit soll CVC einen Headhunter beauftragt haben, einen potenziellen Nachfolger für Ecclestone zu finden.

Auch Schenk macht Druck

Auch Sylvia Schenk, Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Agentur Transparency International, hat Mercedes in der Schmiergeld-Affäre zum Handeln aufgefordert. "Natürlich müssen diese Regeln nun auch Anwendung finden", sagte Schenk, angesprochen auf die strengen Compliance-Regeln des Unternehmens, die einer Zusammenarbeit mit potenziellen Straftätern klare Grenzen setzen.

"Aber Daimler hat ja bereits erklärt, dass sie Konsequenzen erwarten, sollte es zur Anklageerhebung oder zur Verurteilung kommen", sagte Schenk, "Daimler wird sich das weitere Vorgehen jetzt ganz genau überlegen."

"Die Formel 1 ist undurchsichtig"

Insgesamt hat die renommierte Korruptions-Bekämpferin die Rennserie als "intransparent" gegeißelt. "Die Verträge innerhalb der Formel 1 sind undurchsichtig und bei Ecclestone monopolisiert. Die Teams werden in Extra-Deals gegeneinander ausgespielt, so organisiert man heutzutage kein Unternehmen mehr", sagte Schenk.

"Interessant ist doch besonders die Frage, warum sich Ecclestone angeblich erpressen lässt und 40 Millionen zahlt. Das ist auch für ihn kein Trinkgeld", sagte Schenk, "welche Ängste hatte er? Seine Steuerprobleme in England scheinen ja recht massiv zu sein. Sollte es zum Prozess kommen, dürfte dieser Fakt auch für Aufsehen sorgen. Es wird sicher schwer für ihn, da wieder herauszukommen."

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