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Formel 1

Bahrain-Proteste: Polizei setzt Tränengas ein

SID
"Blutige Formel 1": Unter diesem Slogan protestiert die Opposition seit Tagen gegen den Bahrain-GP
© getty

Mit Tränengas und Blendgranaten ist die Polizei gegen Demonstranten in Bahrain vorgegangen, die gegen die Austragung des Formel-1-Rennens am Sonntag (14 Uhr im LIVE-TICKER) protestiert hatten. Oppositionelle führten die Proteste in dem totalitären Golf-Staat an. Derweil hat F-1-Boss Bernie Ecclestone (82) auf bizarre Art und Weise Kontakt zu Oppositionellen aufgenommen. Und FIA-Präsident Jean Todt träumt von der heilenden Wirkung der Formel 1.

Mit Tränengas gegen die Demonstranten: Mit Tränengas und Blendgranaten ist die Polizei gegen Demonstranten in Bahrain vorgegangen, die gegen die Austragung des Formel-1-Rennens am Sonntag protestiert hatten. "Nein zur Blut-Formel-1" und "Euer Rennen ist ein Verbrechen" hatten die Oppositionellen skandiert und Molotowcocktails auf die Polizisten geworfen. Die Polizei nahm sechs Personen wegen Brandstiftung und Verkehrsbehinderung fest.

Ferrari verhängt Ausgangssperre: Ferrari hat auf die angespannte Sicherheitslage in Bahrain reagiert und alle Teammitglieder aufgefordert, die Straßen von Manama zu meiden. Besuche von Restaurants und Bars hat der Formel-1-Rennstall aus Italien untersagt. Die Raucher der Scuderia dürfen höchstens für eine Zigarette vor die Tür. Das berichtet das Online-Portal "Speedweek".

Gelassenheit bei deutschen Piloten: Nico Hülkenberg und Adrian Sutil gehen gelassen in das umstrittenste Rennen der Formel-1-Saison. "Wir können hier nichts beeinflussen. Die FIA hat den Kalender gemacht und sagt, wir sind sicher. Und dann fahren wir", sagte Sauber-Pilot Hülkenberg, "ich konzentriere mich auf meinen Job und auf das, was vor mir liegt."

Auch Sutil macht sich trotz der angespannten politischen Lage in dem autoritären Golf-Staat keine Sorgen. "Ich habe mich nur wenig damit beschäftigt. Aber von mehreren Seiten habe ich gehört, dass sich die Lage verbessert hat", sagte der Force-India-Fahrer, "aber natürlich nimmt man die erhöhte Polizeipräsenz war."

Ecclestone, der "Ahnungslose": Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hat seine Ankündigung wahr gemacht und kurz vor dem Großen Preis von Bahrain Kontakt zu Oppositionellen in dem autoritären Golf-Staat aufgenommen. In einem Brief wandte sich der Brite an örtliche Aktivisten und kritisierte indirekt das Regime in Bahrain für Menschenrechtsverletzungen.

"Es ist eine große Schande, dass ich davon nicht schon vor September 2012 erfahren habe, als der Formel-1-Kalender erstellt wurde. Jetzt ist es zu spät, um noch Änderungen an dem Kalender vorzunehmen", zitiert die Tageszeitung "Die Welt" aus dem Schreiben.

Allerdings ist seit langem bekannt, dass die Herrscherfamilie Al-Khalifa in Bahrain teils mit großer Gewalt gegen Demonstranten vorgeht. Auch führende Menschenrechtsorganisationen hatten den Formel-1-Boss immer wieder auf die Menschenrechtsverletzungen in dem Königreich am Persischen Golf aufmerksam gemacht und eine Absage des Rennens gefordert. Seit zwei Jahren kämpfen Oppositionelle der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung für mehr Rechte in Bahrain, das seit Jahrhunderten von der Herrscherfamilie Al-Khalifa regiert wird - einer sunnitischen Dynastie.

80 Menschen sind in dem kleinen Land seit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings Anfang 2011 ums Leben gekommen. Allein in diesem Monat sollen bisher rund 100 Aktivisten eingesperrt und 30 verletzt worden sein.

2011 war das Rennen in Bahrain abgesagt worden, nachdem die aufkommenden Unruhen von Truppen aus dem benachbarten Saudi-Arabien blutig niedergeschlagen worden waren. 2012 fand das Rennen trotz heftiger Proteste statt.

Die größten Proteste seit Jahren: Oppositionelle in Bahrain haben vor Beginn des Formel-1-Rennens in dem autoritären Golf-Staat zu den größten Protesten seit langem aufgerufen. "Wir sind nicht gegen den Grand Prix, aber wir wollen, dass die Welt unsere Forderungen hört - Demokratie, Achtung der Menschenrechte und eine gewählte Regierung", sagte Khalil al-Marzooq, einer der Führer der wichtigsten Oppositionspartei von Bahrain (Al-Wefaq). Unter dem Motto "Vulkan des Zorns" wolle man ab Freitag, dem Beginn des freien Trainings (9 Uhr im LIVE-TICKER), gegen die "Unterdrückung der Menschen" in Bahrain demonstrieren.

Al-Marzooq beschwor friedliche Proteste gegen das Regime, konnte eine Eskalation aber nicht ausschließen: "Gewalt erzeugt Gegengewalt."

Unter der Woche kam es in Manama immer wieder zu Demonstrationen, Autoreifen wurden in Brand gesteckt, Molotow-Cocktails flogen, die Polizei setzte Tränengas ein. Die Protestanten trugen Plakate, auf den das Gesicht von Ecclestone mit einem großen X versehen war. Die Regierung kündigte "angemessene" Maßnahmen zur Gefahrenabwehr an.

Todt beschwört heilende Wirkung: Warme Worte, aber keine Taten: FIA-Präsident Jean Todt sieht keine Veranlassung, den Großen Preis von Bahrain abzusagen. Stattdessen erklärte der Franzose in einem offenen Brief, dass "die Formel 1 einen positiven und heilenden Effekt in Situationen haben kann, in denen Konflikte, soziale Unruhen und Spannungen Leid verursachen".

Das Schreiben hatte Todt an das Bahrain Center for Human Rights, die Bahrain Press Association, die Bahrain Youth Society for Human Rights und die Campaign Against Arms Trade geschickt. Die Organisationen hatten vom Automobil-Weltverband eine Absage des Rennens wie 2011 gefordert. Todt selbst wird in Bahrain, wo es in den letzten Tagen vermehrt zu Protesten und Festnahmen gekommen war, nicht vor Ort sein.

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