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Formel 1

Die Regenmacher

Von Alexander Mey
Sebastian Vettel und Mark Webber droht auf dem Nürburgring ein Regenrennen
© Getty

Beim Deutschland-GP auf dem Nürburgring (So., 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) droht Regen. Gut oder schlecht für die Ambitionen von Sebastian Vettel auf einen Heimsieg? Und was ist, wenn es trocken bleibt?

Zwischen 75 und 85 Prozent sagen die einen, zwischen 52 und 68 Prozent sagen die anderen. Egal, welchen Wetterbericht man sich für den Rennsonntag auf dem Nürburgring ansieht: Die Wahrscheinlichkeit, dass es nass wird, ist hoch.

Es wird regnen, die Frage ist nur, wann genau und wo genau. Wer sich ein bisschen in der Eifel auskennt, kennt das Problem. Und er weiß auch, dass selbst modernster Wetterradar die Bedingungen zum Rennstart um 14 Uhr nicht besser vorhersagen kann als jeder Eifel-Bauer.

Fahrer stellen sich auf Regen-Lotterie ein

Kein Wunder, dass sich die Fahrer vorsichtshalber auf eine Lotterie einstellen. "Mit dem Wetter hier weiß man nie. Es ist Regen vorhergesagt, aber wir müssen abwarten und sehen, wie es wird", sagte Sebastian Vettel. Michael Schumacher ergänzte: "Wir sind gerüstet. Aber es wird davon abhängen, wie viel Regen kommen wird. Das wird den Unterschied machen."

Die deutschen Aushängeschilder wissen, wovon sie reden, schließlich haben sie schon genug Rennen auf dem Ring bestritten, um zu wissen, wie verrückt das Wetter spielen kann. Nicht umsonst sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner auf die Frage des deutschen TV-Senders "Sky" nach dem Wetterbericht: "Sagt Ihr es mir, Ihr seid doch hier zu Hause."

Webber will ersten Sieg seit einem Jahr

Naturgemäß gibt es im Feld Fahrer, die sich eher ein Regenrennen wünschen als andere. Vorausgesetzt, es gibt keine Wolkenbrüche, sondern einen mäßig nassen Grand Prix, dann stehen Namen wie Lewis Hamilton und Fernando Alonso, aber auch Vettel und Schumacher ganz oben auf der Liste der Favoriten. Sie alle haben schon großartige Regenrennen gewonnen.

Auf der anderen Seite gibt es Piloten wie Mark Webber oder Felipe Massa, die sicher lieber ein Rennen im Trockenen hätten.

Aus Webbers Sicht ist das mehr als verständlich, schließlich hat er mit seiner Pole-Position gezeigt, dass er den Speed hat, um seinen ersten Saisonsieg aus eigener Kraft nach Hause zu fahren. "Mein letzter Sieg ist fast ein Jahr her. Dieses Gefühl würde ich sehr gerne schon bald wieder haben. Ich werde alles dafür tun", sagte Webber.

Vettel: Angriff oder Verteidigung?

Dazu würde im Ernstfall auch wieder ein Zweikampf mit Teamkollege Vettel gehören. Nur diesmal könnte der Quali-Dritte Vettel von hinten drücken. Würde er auf Anweisung des Teams zurückstecken? "Das käme auf die Situation an. Wäre wie in Silverstone der Führende weit vor uns, dann sähe ich keinen Sinn darin, etwas Dummes zu versuchen", gab sich Vettel diplomatisch.

Im Hinterkopf hat er natürlich immer seine haushohe WM-Führung. Er muss nicht unbedingt gewinnen, auch wenn ihm der Heimsieg in der Sammlung noch fehlt. "Natürlich ist es wichtig, das Rennen zu beenden, aber zunächst einmal will ich es vor so vielen Fans genießen", sagte Vettel.

Hamilton und Alonso siegfähig

Neben Webber könnten Vettel vor allem Hamilton und Alonso die große Party vermasseln, denn diese vier Piloten fuhren das ganze Wochenende über in ihrer eigenen Liga. Die Zeitabstände waren so knapp, dass auf die Renndistanz alle gewinnen können.

Die Rundenzeiten auf den Long-Runs deuteten auf einen möglichen leichten Vorteil von Red Bull hin, aber Ferrari und McLaren waren dicht dran. Und beide haben in dieser Saison schon mehrfach gezeigt, wie gefährlich sie den Bullen im Rennen werden können.

Pirelli hofft auf Strategie-Coup

Vorausgesetzt, es bleibt wider Erwarten trocken, dann wird viel auf reinen Speed und weniger auf Strategie ankommen, als in dieser Saison üblich. Denn die Pirelli-Reifen halten bei der Kälte in der Eifel sehr lange. Eine Einstopp-Strategie ist wahrscheinlich.

Aber Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery hat auch eine interessante Alternative im Kopf: "Da die weichen Reifen bis zu 1,5 Sekunden pro Runde schneller sind als die härteren, würde ich gerne die Taktik sehen, zwei Stints auf weichen Reifen zu fahren und erst drei oder vier Runden vor Schluss auf die Medium-Mischung zu wechseln."

Heidfeld wünscht sich Trockenrennen

Wem ein solcher Coup helfen würde, ist schwer zu sagen. Am ehesten wohl denjenigen, die dadurch versuchen, von weiter hinten nach vorne zu kommen. Jenson Button wäre so ein Kandidat, aber auch Schumacher oder Nick Heidfeld.

Der Lotus-Renault-Pilot wünscht sich übrigens ein Trockenrennen, obwohl er im Nassen in der Vergangenheit oft sehr gut unterwegs war. Aber er sagt: "Wir wissen, dass unser Auto im Trockenen gut funktioniert."

Genauso wie der Force India von Adrian Sutil, den der fünfte Deutsche in den Top 11 sogar auf Startplatz acht stellte. Im Trockenen ist er wohl ein solider Punktekandidat.

Doch wie alle Nürburgring-erprobten Deutschen ist auch er ein Regenspezialist. Je höher also die Regenwahrscheinlichkeit ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit für ein deutsches Ausrufezeichen. Die Frage ist nur: Von wem?

Stand in der Fahrer und Konstrukteurs-WM

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