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Formel 1

Vettel: "Zu dicht auf die Pelle"

Von Alexander Mey
Red Bull und Ferrari waren die erfolgreichsten Teams der letzten Rennen
© Getty

Der Deutschland-Grand-Prix auf dem Nürburgring am kommenden Sonntag markiert die Halbzeit der Formel-1-Saison 2011. Sebastian Vettel ist klar auf Titelkurs, aber wie sieht das Kräfteverhältnis der Teams aus? Das Power-Ranking vor dem 10. von 19 Rennen.

Neun Rennen vor dem Deutschland-GP, neun Rennen danach. Dank der Absage des Bahrain-GP markiert in dieser Saison das Rennen auf dem Nürburgring die Halbzeit.

Sebastian Vettel hat in der Fahrerwertung 80 Punkte Vorsprung auf Mark Webber und ist auf dem besten Weg, seinen WM-Titel zu verteidigen. Was jetzt noch fehlt, ist der erste Heimsieg seiner Karriere am kommenden Wochenende.

Vettel und Red Bull haben die erste Saisonhälfte klar dominiert - zumindest nach Punkten, denn die einzelnen Rennen waren dank der verschiedenen Strategien mit den neuen Pirelli-Reifen meistens extrem spannend.

Wie sieht die Rangfolge der Teams hinter den Bullen aus, welche Teams sind auf dem aufsteigenden, welche auf dem absteigenden Ast? Das Power-Ranking von SPOX.

Platz 1: Red Bull (WM-Platz 1, 328 Punkte, 6 Siege)

Die Zahlen sprechen für sich. Red Bull hat vor allem im Qualifying klar das schnellste Auto. Die Folge: Alle neun Pole-Positions der Saison gingen an die Bullen, sieben an Vettel und zwei an Webber. Die Regeländerung, dass die Benzineinspritzung, das so genannte Engine Mapping, zwischen Qualifying und Rennen nicht mehr verändert werden darf, hat Vettel und Co. auch nur unwesentlich eingebremst.

Im Rennen ist die Lage anders. Um die meisten seiner sechs Siege musste Vettel hart kämpfen, in Barcelona und Monaco bis zur Ziellinie. Dreimal verlor er die Führung, die er bisher in jedem Rennen inne hatte, weil der Red Bull im Gegensatz zum härtesten Gegner im Rennen nicht mehr zulegen konnte.

Eine Schwäche, vor der Vettel trotz seines gewaltigen Vorsprungs in der WM warnt: "Das ist eine wichtige Phase in der WM. Wir müssen hart weiterarbeiten, sonst rücken die anderen uns für unseren Geschmack zu dicht auf die Pelle."

Platz 2: Ferrari (WM-Platz 3, 164 Punkte, 1 Sieg)

Die erste Abweichung vom WM-Stand. Sicher hat Fernando Alonso bei seinem ersten Saisonsieg in Silverstone das zwischenzeitliche Verbot des Zwischengases in die Karten gespielt, weil Ferrari davon in der ersten Saisonhälfte weniger profitiert hat als Red Bull und McLaren.

Damit allein den Aufschwung der Roten zu erklären, wäre aber viel zu einfach. Ferrari hat dank gewohnt großen Einsatzes von Mensch und Material das Auto in den letzten Wochen grundlegend verbessert.

"Es gab definitiv entscheidende Verbesserungen am Auto, die es viel besser fahrbar machen", sagt Alonso. "Es klebt in schnellen Kurven viel besser auf der Straße, was bedeutet, dass wir unseren großen Rückstand im Bereich aerodynamischer Grip wettgemacht haben."

Ein neuer Heckflügel sorgt für mehr Top-Speed, eine neue Motorabdeckung für mehr Abtrieb und eine neue Hinterradaufhängung für einen besseren Umgang mit den Reifen. All das spricht dafür, dass Ferrari ab jetzt dauerhaft Druck auf Red Bull machen wird.

Platz 3: McLaren (WM-Platz 2, 218 Punkte, 2 Siege)

McLaren stagniert ausgerechnet seit dem furiosen Sieg von Jenson Button in Kanada. Das Team musste gewaltige Anstrengungen unternehmen, um nach missratenen Wintertests das Auto konkurrenzfähig zu machen. Das hat beeindruckend gut funktioniert, aber zuletzt schien McLaren im direkten Vergleich mit Ferrari die Puste auszugehen.

In Silverstone machte das Zwischengas-Verbot Lewis Hamilton und Button das Leben schwer, aber auch fehlender Top-Speed auf den Geraden ist ein für McLaren ungewohntes Problem. Um das zu beheben, testete das Team zuletzt eine neue Heckflügel-Variante.

Zu den technischen Hürden kamen auch noch die anhaltenden Querelen um Hamilton, die dessen Selbstbewusstsein offensichtlich etwas angekratzt haben. Außerdem hat er große Probleme mit dem Verschleiß der Pirelli-Reifen.

Alles in allem keine schöne Situation. "Wir haben in diesem Jahr zwei Rennen gewonnen, aber das ist nicht gut genug. Wir waren oft Zweiter und Dritter, aber das gefällt niemandem wirklich. Wenn man dann auch noch Fünfter oder Sechster wird, ist es umso schmerzhafter", lautet das unerwartet harte Zwischenfazit von Teamchef Martin Whitmarsh.

Doch die Geschichte zeigt: Gerade McLaren darf man nie abschreiben. Kein anderes Team kann sich in kurzer Zeit so stark verbessern.

Platz 4: Mercedes (WM-Platz 4, 68 Punkte)

In Silverstone hat Mercedes in der Konstrukteurs-WM Lotus-Renault überholt und steht nun dort, wo man hingehört. Vor allem der Qualifying-Speed ist deutlich besser als der der direkten Konkurrenz um Platz vier.

Silverstone hat außerdem Anzeichen dafür gezeigt, dass auch der Speed im Rennen besser geworden ist. Ein neues Auspuff-System nach Red-Bull-Vorbild sorgt für mehr Anpressdruck. Außerdem hat Mercedes offenbar endlich das Dauerproblem mit den Reifen in den Griff bekommen.

"Neben den Verbesserungen wegen des Auspuffs haben wir Verbesserungen im Umgang mit den Reifen erzielt", bestätigt Schumacher den Eindruck, dass sich der enorme Verschleiß der Hinterreifen, der die Silberpfeile immer wieder in den Rennen zurückgeworfen hat, langsam bessert.

Das gilt bisher nur für Rennen, in denen es nicht allzu heiß ist, aber das sind ja für den Nürburgring in der Regel keine schlechten Nachrichten. Die echte Nagelprobe folgt im gewöhnlich heißen Ungarn.

Platz 5: Lotus-Renault (WM-Platz 5, 65 Punkte)

Das Spitzenteam mit dem klarsten Abwärtstrend in den letzten Rennen. Teils katastrophale Qualifying-Ergebnisse haben dafür gesorgt, dass in den Rennen nicht mehr als ein paar WM-Pünktchen drin waren.

Das Problem ist, dass Lotus-Renault ein Privatteam ist und das Entwicklungstempo der direkten Konkurrenz nicht ganz mitgehen kann. Erst am Nürburgring wartet der Rennstall mit zahlreichen Neuerungen auf, die wieder einen Schritt nach vorne bringen sollen.

An erster Stelle steht dabei die Abkehr von der Revolution. Der nach vorne austretende Auspuff könnte Geschichte sein, sollte das neue Modell die Tests am Freitag bestehen.

Bei Lotus-Renault haben aber auch die Fahrer eine Bringschuld. Witali Petrow konnte seine Galaform vom Saisonbeginn nicht ganz halten, erfüllt aber immer noch die Erwartungen. Heidfeld ist dagegen vor allem im Qualifying nicht gut genug. Da muss mehr kommen, damit seine Aufholjagden im Rennen wieder weiter vorne enden als auf Platz acht oder zehn.

Seine Kampfansage lautet: "Wir müssen Mercedes einen Kampf um Platz vier in der WM liefern. Ich weiß, dass wir dazu das Potenzial haben."

Plätze 6-12: Die Überraschung der Saison

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