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Formel 1

Totales Chaos "am Arsch der Welt"

Von Alexander Mey
Korea International Circuit: Alle Kurven der neuen Strecke
© spox

19 Strecken stehen im Rennkalender der Saison 2010. Darunter eine völlig neue in Südkorea und einige umgebaute, zum Beispiel in Bahrain oder Silverstone. SPOX stellt vor jedem Rennen den Kurs detailliert mit Grafik, Fakten und Video vor. Darunter eine Runde im Red-Bull-Simulator mit Sebastian Vettel. Strecken-Check, Teil 17: Südkorea.

Streckendaten:

  • Name: Korea International Circuit
  • Ort: Yeongam
  • Länge: 5,621 Kilometer
  • Runden: 55
  • Renndistanz: 309,155 Kilometer
  • Kurven: 7 Rechtkurven, 11 Linkskurven

Eine Yeongam-Runde mit Vettel und Webber

 

Darauf kommt es an:

Was soll das nur für ein Wochenende werden? In Südkorea herrscht Augenzeugen-Berichten zufolge das blanke Chaos. Der Schweizer "Blick" schreibt von der "Formel 1 am Arsch der Welt". Der Kurs an sich ist zwar bis auf einige Schönheitsfehler fertig, aber rundherum gibt es nichts. Nur Baustelle.

Eigentlich soll der Südkorea-GP ein halbes Stadtrennen sein, nur es stehen noch keine Häuser. Die Teams hausen teilweise in Stundenhotels, in denen Porno-Streifen in den Regalen auf dem Flur stehen und sich zwielichtige Gestalten herumtreiben.

Auch die TV-Bilder vom Wochenende werden trostlos sein. Aber immerhin wird es welche geben - zumindest vom Training. Denn erst dort wird man sehen, ob der Asphalt, der erst vor zehn Tagen frisch verlegt wurde, die Belastungen der Formel 1 aushält. Tut er das nicht, werden die Unterböden der Autos durch ihren enormen Sog schlimmstenfalls ganze Asphaltbrocken herausreißen. Dann müsste der GP doch noch abgesagt werden - wie in Belgien 1985 schon einmal geschehen.

Normalerweise muss frischer Asphalt mehrere Monate aushärten, bevor man darauf fahren kann. Aber Streckendesigner Hermann Tilke beruhigt: "Es wird keine Probleme mit dem Asphalt geben. Das sagen unsere Erfahrungswerte." Er werde halten, aber extrem rutschig sein, weil er im ersten halben Jahr noch Öle ausschwitzt. Entsprechend schwierig werden Überholmanöver neben der Ideallinie werden. Außerdem wird der Reifenverschleiß deshalb sehr hoch sein.

Gehen wir einfach mal davon aus, dass alles irgendwie gut geht und wir am Sonntag ein Rennen sehen. Deshalb noch ein paar Worte zum Sportlichen.

Der Kurs wird linksherum gefahren, besteht im ersten Sektor aus zwei langen Geraden, von denen die erste mit 1,2 Kilometern sogar die längste im Rennkalender ist. Da sich danach der Charakter des Kurses aber komplett ändert, indem es durch viele langsame, mittelschnelle und schnelle Kurven geht, werden die Teams mit relativ viel Abtrieb fahren. Bridgestone hat aus Sicherheitsgründen die weiche und die harte Reifenmischung dabei.

Wetter-Prognose:

  • Freitag, leicht bewölkt, 17-24 Grad, 10 Prozent Regen-Risiko
  • Samstag, leicht bewölkt, 23-24 Grad, 10 Prozent Regen-Risiko
  • Sonntag, leicht bewölkt, 21-23 Grad, 20 Prozent Regen-Risiko

Die Favoriten:

Red Bull: Auf einer neuen Strecke mit so vielen Unwägbarkeiten einen klaren Favoriten zu bestimmen, ist unmöglich. Aber man kann nach Indizien gehen, die theoretisch auf der Strecke für das eine oder andere Team sprechen müssten.

Im Fall von Red Bull ist es neben der Galaform von Sebastian Vettel in den letzten Rennen der Streckenverlauf in den Sektoren zwei und drei. Dort reihen sich sehr viele Kurven aneinander, die dem Auto bestens liegen sollten. In diesen Sektoren müssen Vettel und Webber im Qualifying mehr Zeit herausholen als sie auf den ellenlangen Geraden im ersten Abschnitt verlieren werden.

Noch ein Punkt, der für Red Bull sprechen könnte, ist der hohe Abtrieb, den das Auto generiert. Auf rutschigem Asphalt ist das sicher kein Nachteil. Karun Chandhok, der in einem Red Bull schon einmal einige Demo-Runden auf dem Kurs drehen durfte, ist sich jedenfalls sicher: "Das ist ein Red-Bull-Kurs."

McLaren: Sie werden hinter vorgehaltener Hand ganz hoch gehandelt. Das Auto hat seit Japan ein völlig neues Heck, das wegen des Regens und des Unfalls von Lewis Hamilton im Training aber nicht im Rennen eingesetzt werden konnte.

Funktioniert das Heck in den Kurven und spielt McLaren zusätzlich seinen Top-Speed auf den langen Geraden aus, ist mit Hamilton und Jenson Button im Kampf um den Sieg zu rechnen.

Ferrari: Für die Roten spricht vor allem der überragende Lauf von Fernando Alonso. Er hat in den letzten Rennen sogar noch mehr beeindruckt als Vettel.

Das Auto sollte ihm zumindest keine Steine in den Weg legen, denn der Ferrari funktioniert auf den unterschiedlichsten Strecken sehr gut. Es gibt keinen Grund, warum das in Südkorea nicht so sein sollte. Besser als in Suzuka, wo Alonso immerhin Dritter wurde, sollte es auf jeden Fall gehen.

Mercedes: Nach dem guten Wochenende in Suzuka wollen die Silbernen in Südkorea gleich noch einmal nachlegen. Die Strecke kennt niemand, von daher ist auch für Nico Rosberg und Michael Schumacher alles drin. Nur die Entwicklung am Auto ist bekanntlich schon seit einigen Rennen gestoppt.

Williams: Der Geheimtipp im vorderen Mittelfeld. Gut möglich, dass Rubens Barrichello und Nico Hülkenberg Renault und vielleicht sogar Mercedes im Kampf um den Titel "Best of the Rest" ärgern.

Zeitplan:

  • Freitag, 3 Uhr: 1. Training
  • Freitag, 7 Uhr: 2. Training
  • Samstag, 4 Uhr: 3. Training
  • Samstag, 7 Uhr: Qualifying
  • Sonntag, 8 Uhr: Rennen

Das sagen die Beteiligten:

Sebastian Vettel (Red Bull): "Ich bin sehr gespannt. Es wird sicherlich interessant sein, nach Südkorea zu kommen."

Fernando Alonso (Ferrari): "Mit der neuen Strecke haben wir uns bereits intensiv im Simulator beschäftigt. Die beiden ersten Sektoren sind sehr schnell und es gibt einige lange Geraden. Der dritte Sektor erinnert mich etwas an den Schlussabschnitt von Abu Dhabi. Uns ist klar, dass wir uns steigern müssen. Ein weiterer fünfter Startplatz wäre sicher keine Hilfe. In Korea müssen wir attackieren, um die Lücke zu Webber zu schließen."

Lewis Hamilton (McLaren): "Ich habe die Strecke im Simulator ausprobiert und meine ersten Eindrücke waren extrem positiv. Die Strecke sollte unserem Auto liegen. Im ersten Sektor kommt es auf Top-Speed und gute Bremsen an - beides gilt als Stärke unseres Autos. Insgesamt sehe ich den Kurs als echte Fahrerstrecke. "

Michael Schumacher (Mercedes): "Endlich kommen wir dieses Jahr mal auf eine Strecke, die nicht nur für mich, sondern für alle Fahrer neu ist. Es wird sicherlich interessant sein, nach Südkorea zu kommen, und auch wenn die Strecke gerade rechtzeitig fertig wurde, bin ich doch überzeugt davon, dass alles gut sein wird. Ich mag neue Rennen sehr, ich finde, sie sind für uns alle immer wieder eine Bereicherung."

Rennen in Südkorea findet auf jeden Fall statt

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