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Formel 1

"Siege sind besser als Sex"

Von Interview: Harry Miltner
John Button feierte gemeinsam mit Sohn Jenson den Sieg in Melbourne
© xpb

Jenson Button bestreitet bereits seine zehnte Formel-1-Saison. 2004 und 2006 war er schon einmal auf dem Weg an die Spitze, doch erst 2009 bei Brawn GP hat er endgültig den Durchbruch zum Siegfahrer geschafft. Dazwischen lagen viele schwere Jahre, durch die ihn sein Vater John Button immer begleitet hat.

Gemeinsam haben die beiden nicht nur ihre Hingabe an den Motorsport - John Button war ein erfolgreiche Rallyecross-Fahrer. Beide gelten auch als Partylöwen und Lebemänner. Wie der Vater, so der Sohne.

Im SPOX-Interview lässt John Button nach den beiden Siegen seines Sohnes den Gefühlen freien Lauf und blickt noch einmal auf die Anfänge der Formel-1-Karriere von Jenson zurück.

Driver-Ranking: Button ist reif für den Titel

SPOX: Zweites Rennen, zweiter Sieg. Das WM-Märchen von Brawn GP und damit auch Ihrem Sohn Jenson geht weiter.

John Button: Ja, ist das nicht großartig? Jenson hat sich auf diese Saison in Ruhe vorbereitet, obwohl lange nicht feststand, wie es nun eigentlich weitergehen würde. Die Jungs haben unglaublich hart gearbeitet und sind nun dafür belohnt worden.

SPOX: Die Wintermonate mit dem Honda-Ausstieg und der Käufersuche waren sicher sehr anstrengend.

Button: Das muss man sich mal vorstellen - wenige Wochen vor Saisonbeginn war nicht einmal sicher, ob er überhaupt starten kann. Und nun führt er überlegen in der WM-Wertung. Es ist wirklich wie ein Märchen.

SPOX: 2006 gewann Jenson am Hungaroring auch im strömenden Regen erstmals in der Königsklasse - und das nach über 100 Starts.

Button: Anscheinend tut ihm das britische Wetter gut (lacht). Damals wurde er oft von den britischen Journalisten gehänselt, dass er als potenzieller Weltmeister so lange für den ersten Sieg gebraucht hat. Heute loben ihn die gleichen Journalisten in den Himmel. Ich war natürlich überglücklich.

SPOX: Wie ging es Ihnen diesmal bei den beiden Erfolgen?

Button: Es war alles sehr emotional, und ich musste vor allem in Australien schon die Tränen zurückhalten. Das Gefühl während der Siegerehrung war unbeschreiblich. Wir mussten so lange darauf warten. Ein Sieg von Jenson in der Formel 1 ist für mich besser als Sex!

SPOX: Angeblich waren Sie sehr nervös.

Button: Ja schon. Ich wusste, dass der Wagen sehr gut ist und auch, dass Jenson sich in Topform befindet. Normalerweise tut es eine Flasche Rotwein auch, aber diesmal brauchte ich wirklich Beruhigungspillen.

SPOX: Die Karriere Ihres Sohnes begann eigentlich eher zufällig, nicht wahr?

Button: Zufällig würde ich nicht sagen, aber ein paar gute Freunde hatten schon Einfluss. Jenson fuhr Kart, und jeder Rennfahrer-Vater denkt, er hat ein Supertalent als Sohn. Ich wollte einfach realistisch sein. Ich dachte gar nicht daran, ihn in einen Rennwagen zu stecken, aber meine Bekannten aus meiner aktiven Zeit drängten mich dazu. Daher fragte ich den Knirps und er war hellauf begeistert. So begann alles.

SPOX: Und er gewann gleich sein Debütrennen.

Button: Ja, es war in den Dorset Hills, nicht weit von unserem Haus in Somerset. Es regnete den ganzen Tag und er holte sich den Sieg. Ich rannte sofort auf die Strecke und hüpfte wie ein Verrückter auf und ab. Schrecklich peinlich - ich habe mich aber später gebessert (lacht).

SPOX: Jensons Karriere ging steil bergauf und dann kam er 2000 durch das Shootout gegen Bruno Junqueira zu Williams. Ein recht ungewöhnlicher F-1-Einstieg, oder?

Button: Allerdings. Wir wurden zu diesen Tests in Jerez eingeladen und hätten eigentlich nur drei Tage dort sein sollen. Weil die BMW-Motoren aber immer in die Luft gingen, zog das Team nach Barcelona um. Jenson war damals 20, ließ aber den vier Jahre älteren Konkurrenten stehen. Als wir dann nach zwei Wochen heimkamen, schien die ganze Welt verrückt geworden zu sein. Ich konnte kaum die Eingangstür aufmachen, schon wurde ich von Reportern nieder gerannt oder von Glückwunschkartenbergen erdrückt.

SPOX: Fanpost gibt es nun wohl auch wieder genug...

Button: Ja, sicher, aber Jenson - und auch ich - sind gereift. Aber eines steht fest, er und Rubens sind die Jungs, die es dieses Jahr zu schlagen gilt. Und ich kann Ihnen versichern, die werden alles tun, um vorne zu bleiben.

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