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Formel 1

"Das beste Urteil seit fünf Jahren"

Von Jan-Hendrik Böhmer
Konnte sein Team vor einer härteren Strafe bewahren: McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh
© Getty

Es ist nicht der gefürchtete WM-Ausschluss. Es sind drei Rennen Sperre auf Bewährung. McLaren-Mercedes ist nach der Lügen-Affäre um Lewis Hamilton noch einmal glimpflich davongekommen. Zu glimpflich, finden viele Fans. Ganz im Gegenteil, findet Premiere-Formel-1-Experte Jacques Schulz. Er hält das Urteil sogar noch für zu hart.

"Ich hätte von der langen Bewährung abgesehen und es mit den bisherigen Sanktionen bewenden lassen", erklärt Schulz im Gespräch mit SPOX. "Dennoch ist es für mich das beste Urteil seit fünf Jahren. Denn jetzt können sich alle Beteiligten endlich wieder auf das Racing konzentrieren und den entstandenen Image-Schaden beseitigen."

McLaren zu drei Rennen Sperre auf Bewährung verurteilt

Finden auch die Beteiligten. "Das Thema ist abgehakt, jetzt steht wieder Sport statt Politik im Vordergrund - das gefällt den Zuschauern besser und mir ehrlich gesagt sogar viel, viel besser", sagt etwa Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Und: "Unter diesen Umständen sieht es einfach besser aus, die ganze Sache abzuhaken", findet FIA-Präsident Max Mosley.

SPOX hat die Meinungen von Experten, Beteiligten und Fans zusammengetragen:

Das sagen die Experten

Jacques Schulz (Premiere-Kommentator & Formel-1-Experte) zu SPOX: Für mich ist es das beste Urteil seit mindestens fünf Jahren. Jetzt können sich alle Beteiligten wieder auf das Racing konzentrieren und den entstandenen Image-Schaden beseitigen.

Endlich ist man bei der FIA mal am Puls der Zeit, hat ins Volk gehört, die brisante Lage erkannt und auf die Stimmungslage passend reagiert.

Für mich persönlich ist die Strafe sogar noch ein bisschen zu hart. Ich hätte von der langen Bewährung abgesehen und es mit den bisherigen Sanktionen bewenden lassen (Punktabzug bei Hamilton, Anmerkung der Redaktion). Aber man muss der FIA eben diesen Spielraum zugestehen. Die werden den Teufel tun und alle ähnlichen Vergehen mit einheitlichen Sanktionen (wie etwa der 100-Millionen-Strafe vor einem Jahr) belegen. Diesen individuellen Spielraum müssen sie sich erhalten. 

Marc Surer (Premiere-Kommentator & Formel-1-Experte) zu "motorsport-total.com": Es ist eine korrekte Strafe, weil Hamilton ja schon bestraft worden ist - er hat die sechs Punkte von Melbourne verloren. Das ist schon eine harte Strafe, denn diese Punkte werden am Saisonende auf jeden Fall fehlen.

Ich habe die Bewährungsstrafe gefordert, weil ich immer das Gefühl hatte: Man erwartet eine hohe Strafe, weil es McLaren ist und nicht wegen Hamilton. Ich bin sehr froh, dass das nicht eingetreten ist. Die Vernunft hat sich durchgesetzt.

Das sagen die Beteiligten

Martin Whitmarsh (McLaren-Teamchef): Wir sind uns bewusst, dass wir schwerwiegende Fehler gemacht haben und deshalb sehr froh, uns noch einmal dafür entschuldigen zu können. Außerdem kann ich versichern, dass wir alle erforderlichen Schritte unternommen haben, um sicherzustellen, dass so etwas nie wieder vorkommt.

Norbert Haug (Mercedes-Sportchef): Das Thema ist abgehakt, jetzt steht wieder Sport statt Politik im Vordergrund - das gefällt den Zuschauern besser und mir ehrlich gesagt sogar viel, viel besser. Das ist ein faires Urteil und ich möchte mich bei den Mitgliedern des Weltrats für ihre balancierte Betrachtungs- und Vorgehensweise bedanken. Wegen der Bewährungszeit habe ich keine Bedenken. Wir werden bei derartigen Themen mit allergrößter Präzision und Vorsicht vorgehen und keine Fehler machen.

McLaren-Mercedes (offizielles Team-Statement): McLaren akzeptiert die Entscheidung des Weltrats und bedankt sich bei dessen Mitgliedern für die sehr faire Anhörung, die uns heute Morgen gewährt wurde. Wir freuen uns jetzt darauf, unsere Bemühungen fortzusetzen, eine engere und kooperativere Beziehung zwischen uns und der FIA zu entwickeln.

Max Mosley (FIA-Präsident): Das Team hat gezeigt, dass einen kompletten Umbruch vollzogen hat. Es hat sich alles verändert. Unter diesen Umständen sieht es einfach besser aus, die ganze Sache abzuhaken. Wenn nichts weiter passiert, ist die Sache erledigt.

Bernie Ecclestone (Formel-1-Boss): Das war gut, fair, ehrlich und offen. Ich bin zufrieden mit der Entscheidung. Das Team wusste, dass es etwas falsch gemacht hat.

Hermann Tomczyk (FIA-Vizepräsident): Das ist eine Entscheidung, mit der die Formel 1 gut leben kann.

Das sagen die mySPOX-User

F95ole: Eine milde Strafe für die dreiste Lüge. Aber ich gehe ohnehin davon aus, dass es McLaren-Mercedes nicht schafft, in zwölf Monaten keine Kacke zu bauen.

Andreana: Da hat das Säbelrasseln von Mercedes offenbar etwas genutzt. Das Urteil ist wie eine Art Freispruch und hätte das ganze Tohuwabohu drum herum nicht gebraucht. So hat die Formel 1 im Vorfeld mehr Schaden genommen als nötig und Mercedes natürlich auch. Sei es drum, endlich kann man sich wieder auf den Sport konzentrieren.

epidemka: Das ist weder Fisch noch Fleisch. Ganz schwach von der FIA. Entweder man gesteht seine Fehler ein und spricht das Team ganz frei - oder man belegt es mit einer anständigen Strafe. So eine symbolische Strafe bringt keinem etwas. Weder gewinnt die FIA das verlorene Ansehen zurück, noch ist es eine Abschreckung für die anderen Teams. Die Strafe könnte ja auch auf andere Art und Weise: Wenn man dem Team zehn Punkte abzieht oder mit einer Geldstrafe belegt. Aber drei Rennen auf Bewährung ist wirklich total daneben.

Dr_D: Wie, das war es jetzt? Weshalb dann die ganze Aufregung vorher? Dieses Urteil ist ein Witz und für mich nicht nachvollziehbar. McLaren Mercedes als Wiederholungstäter bekommt nach einer 100 Millionen Dollar Strafe dieses Mal mit einer Bewährungsstrafe davon. Aber der FIA war das Risiko wohl zu groß, dass Mercedes sich dann zurückzieht.

KaraKartal: Mercedes hat Bockmist gebaut und es war eine Bestrafung nötig. Aber den Knüppel auszupacken und die härteste Strafe auszusprechen wäre nicht in Ordnung gewesen. Nicht etwa weil Mercedes mit seiner Investition so wichtig ist... viel mehr weil Mercedes in kürzester Zeit reinen Tisch gemacht hat und es personelle Konsequenzen gab. Endlich eine richtige, faire Entscheidung in einem Fall, in den Mercedes verwickelt war.

TheFreshPrince: McLaren wurde vor nicht einmal zwölf Monaten wegen eines Verstoßes gegen genau denselben Paragraphen verurteilt und jetzt bekommen sie eine ne Bewährung? Das ist LACHHAFT! Den Schwachsinn schau ich mir nicht mehr an...

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