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Formel 1

Die drei ???

Von Alexander Mey
hamilton, massa
© Getty

Felipe Massa eins, Lewis Hamilton vier. So einfach ist die Ausgangslage vor dem WM-Showdown in Brasilien (17.45 Uhr im LIVE-TICKER und Internet TV). So interessant ist sie aber auch. Denn während Massa das Rennen von vorne kontrollieren kann, läuft Hamilton Gefahr, sich mit zu vielen unbekannten Variablen auseinandersetzen zu müssen.

Eine Tatsache, die man bei Ferrari durchaus mit Wohlwollen zur Kenntnis nimmt. "Unsere Chancen stehen sehr gut. Wir sind völlig entspannt", sagte Massas Renningenieur Rob Smedley im Premiere-Interview.

Kimi Räikkönen schätzt die Lage da schon etwas nüchterner ein. "Wir können nur Erster und Zweiter werden. Der Rest liegt nicht in unserer Hand. Da brauchen wir Glück", sagte der noch amtierende Weltmeister.

Was er damit meint? Außer ihm müssen noch drei weitere Fahrer vor Hamilton ins Ziel kommen, damit Massa den WM-Titel feiern kann. Wer kommt dafür in Frage?

Vom Krankenbett in die erste Reihe

Jarno Trulli: Der Italiener hat den Toyota sensationell auf Platz zwei gestellt. Zum einen, weil bei Sonnenschein und rund 40 Grad Asphalttemperatur die weichen Reifen sehr gut funktioniert haben, zum anderen aber sicher auch, weil er mit sehr viel weniger Benzin unterwegs war als Hamilton.

"Ich glaube, Massa und Trulli werden sehr früh tanken müssen", sagte McLaren-Teamchef Ron Dennis. "Das ist eine sehr aggressive Strategie, an eine mögliche Safety-Car-Phase denken die auf jeden Fall nicht."

Trulli sagte zu seiner Leistung, die er trotz Krankheit zum Auftakt des Wochenendes gebracht hatte: "Wir brauchen mit unserem Auto Wärme." Die Chancen dafür stehen nicht allzu gut, denn es soll während des Rennens sogar regnen.

Sicherheitsrisiko Alonso?

Fernando Alonso: Ausgerechnet der Spanier steht in der Startaufstellung direkt hinter Hamilton. Er war in allen Trainings sehr stark, fuhr sogar Bestzeiten. Er wird im Rennen konkurrenzfähig sein, und nach allem, was im vergangenen Jahr bei McLaren-Mercedes passiert ist, wird er gegen Hamilton auch keinen Millimeter zurückweichen.

Wird er es auf einen Crash ankommen lassen? "Ich kann mir nur vorstellen, dass Alonso professionell fahren wird", sagte Hamilton.

Alonso will von einem Duell noch nicht einmal etwas wissen: "Dass wir die Ferrari und McLaren nicht herausfordern könnten, deutete sich früh an, deshalb glaube ich, dass wir mit Platz sechs das Maximum herausgeholt haben."

Kommt Regen, kommt Vettel

Sebastian Vettel: Wenn das Rennen normal läuft, wird Vettel Hamilton nicht schlagen können. Sollte es aber regnen oder am Start bei Hamilton etwas schiefgehen, dann wäre Vettel sicher zur Stelle.

Dank seiner Ferrari-Power im Heck ist er mit seinem Toro Rosso auf der Geraden sehr schnell, wäre also kaum auf der Strecke zu überholen, sollte er einmal vor Hamilton kommen.

Heidfeld mit viel Benzin?

Nick Heidfeld: Für ihn gilt das gleiche wie für Vettel. Es braucht schon besondere Umstände, damit er vor Hamilton ins Ziel kommen kann. Aber Heidfeld ist aller Voraussicht nach mit relativ viel Benzin unterwegs, könnte also von einer eventuellen Safety-Car-Phase profitieren.

Auch ein Timo Glock mit viel Benzin von Platz zehn oder sogar ein Robert Kubica von Platz 13 aus sind bei kuriosem Rennverlauf Kandidaten, die Massa helfen könnten. Dafür müsste aber schon eine Menge passieren.

Nur kein Crash

Hauptsache, es gibt keinen Crash. Das ist bei allen Unwägbarkeiten die einzige wirkliche Furcht von Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

"Ich glaube nicht, dass ein anderer populär wird, wenn er sich in den Titelkampf einmischt", sagte Haug im Premiere-Gespräch. "Man muss uns nicht durchwinken, das würde ich von einem Mann wie Trulli nie erwarten. Aber man sollte nicht in den Infight gehen und am Ende daran schuld sein, wenn ein anderer Weltmeister wird. Wenn uns einer mutwillig abschießen sollte, dann wäre der ganze WM-Titel nichts wert."

Ein Appell an Vernunft und Fairness der Kollegen, von der man allerdings ohnehin ausgehen kann. Immerhin ist Hamilton auch im vergangenen Jahr in Brasilien nicht an unfairen Konkurrenten gescheitert, sondern an einem Fahrfehler und einem technischen Defekt.

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