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Formel 1

Menschliches Versagen

Von Alexander Mey
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© Getty

Die Premiere des Nachtrennens in Singapur hat für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt. Ferrari versinkt im Chaos und gibt menschliches Versagen zu. Fernando Alonso lässt im Siegestaumel Hinweise auf seine Zukunft fallen. Lewis Hamilton siegt, obwohl er nicht gewinnt. Und Deutschland wird immer mehr zur Formel-1-Macht.

Stichwort Ferrari: Die Scuderia erlebte einen Totalausfall. Anstatt nach dem tollen Qualifying von Felipe Massa und Kimi Räikkönen einen großen Schritt in Richtung WM-Titel zu machen, brachten sich die Roten selbst um den verdienten Lohn.

Felipe Massa verlor das Rennen beim ersten Boxenstopp. Die Ferrari-eigene Ampelanlage, die den klassischen Lollipop ersetzt, schaltete zu früh auf grün, Massa fuhr los und riss dabei den Tankschlauch aus der Tankanlage. Er musste am Ende der Boxengasse warten, bis ihn die Mechaniker von dem Ballast befreiten. Das kostete ihn weit mehr als eine Minute.

Live-Ticker: Der komplette Rennverlauf mit Kommentaren zum Nachlesen

Ferrari gesteht menschliches Versagen ein

Was zunächst wie ein technischer Defekt der Ampel aussah, entpuppte sich als peinliches menschliches Versagen. Der zuständige Mechaniker hatte die Ampel einfach manuell zu früh auf grün gestellt.

"Einer der Jungs hat einen Fehler gemacht", sagte Massa. "Aber wir sind alle nur Menschen." Teamchef Stefano Domenicali ergänzte: "Felipe ist direkt zu dem Mechaniker gegangen, der den Fehler gemacht hat, um ihm auf die Schulter zu klopfen. Das zeigt den guten Geist, den wir im Team haben."

Räikkönen nimmt Fehler gelassen

Ob auch Räikkönen jemand auf die Schulter geklopft hat, nachdem er wenige Runden vor dem Ziel einen sicheren fünften Platz in die Mauer geworfen hat?

Eher unwahrscheinlich, immerhin war es nicht das erste Mal, dass der Weltmeister in der Schlussphase eines Rennens fatale Fehler gemacht hat. Crash mit Sutil in Monaco, Ausrutscher im Kampf gegen Hamilton in Spa - und jetzt Singapur.

"Ich habe die Kontrolle über das Auto verloren. Aber meine Situation in der WM war ohnehin schon fast aussichtslos, da macht dieser Ausfall keinen großen Unterschied mehr", gab Räikkönen ziemlich unmotiviert zu Protokoll.

Seine Chefs waren deutlich emotionaler. "Das war ein schwarzer Tag. Anstatt einen möglichen Doppelsieg einzufahren, gehen wir mit leeren Händen", sagte Domenicali. "Nach der heutigen Enttäuschung ist es schwer, Worte zu finden", ergänzte Chefstratege Luca Baldisserri.

Stichwort Lewis Hamilton: Der McLaren-Pilot hat dank der Ferrari-Pleite nun sieben Punkte Vorsprung in der Fahrerwertung und kann sich trotz des dritten Platzes als Sieger des Rennens fühlen.

"Sieben Punkte Vorsprung sind drei Rennen vor Schluss unbezahlbar", freute sich McLaren-Teamchef Ron Dennis. Hamilton sagte: "Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Ich bin mit den sieben Punkten ganz glücklich."

 

Stichwort Fernando Alonso: Seit dem Japan-GP 2006 hatte Alonso nicht mehr das Vergnügen, in einem Renault ein Rennen zu gewinnen. Umso größer war sein Jubel diesmal.

"Ich kann es noch nicht glauben, ich werde ein paar Tage benötigen, um zu realisieren, dass wir dieses Jahr ein Rennen gewonnen haben", sagte der Spanier.

Alonso deutet Verbleib bei Renault an

Zudem deutete er an, dass er seine Zukunft auch im kommenden Jahr bei Renault sieht. "Wir werden in den letzten drei Rennen weiterhin Druck machen, im kommenden Jahr noch mehr", sagte Alonso.

Später wurde er etwas konkreter: "Ich habe damit nicht gesagt, dass ich 2009 bei Renault fahren werde, aber ich habe immer gesagt, dass Renault mein erster Ansprechpartner ist, weil ich mich dort zu Hause fühle."

Renault wehrt sich gegen Verschwörungstheorie

Das Gerücht, Alonso habe seinen Überraschungssieg nur der Tatsache zu verdanken, dass sein Teamkollege Nelson Piquet Jr. mit Absicht einen Unfall baute, um die erste Safety-Car-Phase auszulösen, die Alonso nach vorne spülte, verwies Chefingenieur Pat Symonds übrigens ins Reich der Fabel.

"Mir wurde das erst nach dem Rennen klar, als ich von jemandem darauf angesprochen wurde", dementierte Symonds eine absichtlich geplante Aktion. "Im ersten Moment denkst du natürlich nur: 'Was für eine Scheiße'".

Stichwort Formel Deutschland: Vier deutsche Fahrer unter den besten Sechs, Nico Rosberg mit dem besten Rennergebnis seiner Karriere. Deutschland ist auch ohne Schumi wieder wer, das hat der Singapur-GP zwei Wochen nach dem Sensationssieg von Sebastian Vettel in Monza unterstrichen.

"Ein sehr erfreuliches Ergebnis. Die zwei 'Ausländer' muss man wohl dulden", scherzte Premiere-Experte Keke Rosberg. Seine gute Laune war nach dem zweiten Platz seines Sohnes verständlich: "Er trainiert sehr hart und heute ist er dafür belohnt worden. Heute musste man nur kämpfen, das hat er gemacht und so das beste Ergebnis seiner Karriere herausgefahren. Großartig!"

Wer wird Weltmeister, Hamilton oder Massa? Jetzt im GP-Rechner Schicksal spielen!

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