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Formel 1

"Es wird ein Albtraum"

Von Alexander Mey
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© xpb

München - Aufregung war angesagt nach dem Qualifying zum Kanada-GP (Rennen, 18.45 Uhr im SPOX-TICKER und Internet TV). Nicht über das Ergebnis, sondern über die Strecke.

"Als wir in die Qualifikation gingen, war die Strecke ein ziemlich schlechter Witz", ärgerte sich Kimi Räikkönen nach seinem dritten Platz. "Der Kurs bricht auf und es fühlt sich an, als würde man eine Kurve verpassen, weil dort so viel Sand liegt. In der zehnten Kurve verlor ich viel Zeit, denn ich konnte nicht richtig einlenken und fuhr einfach geradeaus."

Nur Ausreden eines frustrierten Weltmeisters? Auf keinen Fall, der desolate Zustand der Piste ist Fakt. Und er ist eine echte Gefahr für den regulären Ablauf des Rennens.

"Der Asphalt ist komplett zerbröselt"

"Es war so was von rutschig - null Grip! Der Asphalt ist komplett zerbröselt, besonders in Kurve zehn, aber auch in der Schikane in der Mitte der Strecke. Das war Wahnsinn", sagte Nico Rosberg, obwohl er als Fünfter mit den Verhältnissen hervorragend zurecht gekommen war.

Die spannenden Schlussekunden des Qualifyings jetzt bei SPOX.TV

Seine beunruhigende Prognose fürs Rennen: "Wenn es so warm wird wie heute, dann wird das sicher ein sehr großes Problem. Überholen kann man wahrscheinlich ganz vergessen."

Vergeblichte Kehr-Aktionen

Es wird werden wie auf einer nach Regen abtrocknenden Strecke. Es gibt eine schmale Ideallinie mit Grip, doch sobald man nur ein paar Zentimeter von der Linie abkommt, hat man keine Chance mehr, eine Kurve am Limit anzubremsen. Überholversuche werden sich damit erledigen oder fast zwangsläufig im Unfall enden.

Besonders schlimm sind die Probleme in der Haarnadel-Kurve im dritten Sektor und in der mittleren Schikane am Ende des ersten Sektors. Gleich mehrere Piloten drehten sich an den beiden Stellen, weil die auf den Kieselsteinen wegrutschten.

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Da halfen auch groß angelegte Kehr-Aktionen der Streckenposten in den Pausen zwischen den Qualifying-Sessions nicht. Pausen, die es während der 70 Rennrunden nicht geben wird. "Es wird ein Albtraum werden", sagte Räikkönen.

Jedes Jahr das gleiche Desaster

Das Problem mit dem Asphalt ist in Montreal nicht neu. Immer wenn es heiß wird, bereitet der Fahrbahnbelag Kopfzerbrechen.

Sehr zum Ärger der Piloten. "Wir haben jedes Jahr die gleichen Probleme und bis jetzt ist es noch nie gelungen, sie zu lösen. Vielleicht sollte man es mal mit anderen Leuten versuchen, die etwas von der Sache verstehen", lamentierten die drei Trainingsschnellsten Lewis Hamilton, Robert Kubica und Kimi Räikkönen unisono.

Spezial-Harz soll helfen

Renndirektor Charlie Whiting erklärte die Schäden mit den Belastungen der Rahmenrennen. Die gibt es aber auf allen anderen Strecken auch.

Jetzt soll die Behandlung des Asphalts mit einem speziellen Harz die betroffenen Stellen haltbar genug machen, damit das Rennen regulär über die Bühne gehen kann. Aber: "Wenn es über Nacht regnet, können wir gar nichts machen", unkte Whiting. Regenschauer sind vor und während dem Rennen nicht ausgeschlossen.

"Eine Megarunde von Lewis"

Es gibt genügend Argumente dafür, sich aus allem Ärger herauszuhalten und einfach vorneweg zu fahren. Hamilton kann das tun, schließlich steht er auf der Pole-Position.

"Das war ein Riesenjob vom Team und von Lewis - alle Achtung!", freute sich Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Besonders beeindruckt war er vom großen Abstand zu Ferrari: "Das muss eine Megarunde von Lewis gewesen sein, denn Massa ist 1,2 Sekunden weg, Kimi auch fast eine Sekunde. Das ist nicht normal bei diesem Kräfteverhältnis."

Ferrari auf der Geraden deutlich langsamer

Es fiel auf, dass Ferrari vor allem am Ende der langen Geraden vor der Zielschikane rund sechs Stundenkilometer langsamer war als McLaren.

Erklärung: Räikkönen und Felipe Massa konnten aus der vorangehenden Haarnadel wegen der Kieselsteine nicht genügend Schwung mitnehmen. Beide fanden durch die Steinhäufchen nicht den Weg, den Hamilton entdeckt hatte.

Kubica auf der schmutzigen Seite

Kubica fand den gleichen Weg wie Hamilton und schnupperte sogar kurz an der Pole-Position - bis Hamilton sechs Zehntelsekunden schneller fuhr.

"Auf jeden Fall freue ich mich sehr über den zweiten Platz", sagte der Pole, schränkte aber ein: "Leider starte ich auf der schmutzigen Seite. Die McLaren machen einen sehr starken Eindruck und ich werde auch Druck von Ferrari bekommen, aber man muss abwarten, wer welche Strategie hat."

Heidfeld mit viel Benzin

Nick Heidfeld hat hoffentlich eine gute Strategie. Denn die wird er brauchen, wenn er von Startplatz acht aus noch in die Nähe seines Teamkollegen Kubica kommen will.

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Der Verdacht liegt nahe, dass er deutlich mehr Benzin an Bord hat als Kubica, anders ist der Rückstand von mehr als einer Sekunde kaum zu erklären.

Auch Heidfelds Problem wird jedoch der herumfliegende Kies sein. Denn auf rutschigem Untergrund retten ihn all seine gute Überholfähigkeiten nicht.

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