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Formel 1

Wasserstoff-Antrieb und Flux-Kompensator

Von Alexander Mey
Die ferne Zukunft der Formel 1 liegt noch im Dunkeln
© Imago

Die Formel 1 wird sich verändern. Und sie muss sich verändern, das ist nach dem Honda-Aus wegen der Finanzkrise deutlicher geworden denn je. Schon 2009 werden der Hybridantrieb KERS, Slicks und neue Aerodynamik für ein stark verändertes Gesicht der Königsklasse sorgen. Dazu kommen Testbeschränkungen und mit Abu Dhabi wieder ein neuer Austragungsort. Doch wie sieht die ferne Zukunft aus? SPOX bat BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen und Premiere-Experte Marc Surer zum Planspiel.

Wer kennt sie nicht? Marty McFly und Doc Emmett Brown, die in drei Teilen "Zurück in die Zukunft" durch die Zeiten reisen und dabei Zeugen der rasanten Entwicklung von Mensch und Technik werden.

Laut "Zurück in die Zukunft" werden im Jahr 2015 die Autos nicht mehr auf Straßen fahren, sondern sie fliegen durch die Luft.

Eigentlich eine interessante Idee, und wer könnte so einen technischen Quantensprung besser vollziehen als der Hightech-Sport Formel 1?

Formel 1 wird nicht fliegen

SPOX hat die Vorstellung einer Zeitreise in der Formel 1 neugierig genug gemacht, um sich bei den Experten einmal umzuhören und der Frage auf den Grund zu gehen: Wie wird die Formel 1 in zehn Jahren aussehen?

Eins vorweg: Fliegen werden die Boliden auch im Jahr 2019 nicht, so viel ist sicher. Doch welche Planspiele sind in den Bereichen Motor, Aerodynamik und Rennkalender erlaubt?

Planspiel 1: Der Motor

Was treibt das Formel-1-Auto der Zukunft an? "Wir werden sicher nicht mit Elektromotoren fahren", sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen im Gespräch mit SPOX. "Wir werden mit einem modernen, sehr effizienten Verbrennungsmotor als Basis fahren. Dazu wird der Ansatz der Energierückgewinnung deutlich ausgebaut werden. Das betrifft die Bremsenergie, aber darüber hinaus auch die Wärmeenergie, wie sie z.B. von Turboladern genutzt wird. Das Herz bleibt aber ein Verbrennungsmotor."

Hybrid-Motoren, bei denen Energie zurückgewonnen wird, sind schon ab der kommenden Saison vorgesehen. BMW-Sauber verspricht sich davon neben Vorteilen im Rennen vor allem einen Techniktransfer zu den Serienautos.

Das muss aber noch nicht das Ende sein. Premiere-Experte und Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer bringt gegenüber SPOX einen ganz anderen Treibstoff ins Gespräch: "Ein Verbrennungsmotor kann auch mit Wasserstoff laufen, er hätte sogar etwas mehr Leistung."

Mit Wasserstoff im Tank wäre auch dem Streben nach einer umweltfreundlichen Formel 1 Rechnung getragen. "Bio wird ein Thema sein", bestätigt Surer, auch wenn er zugibt, dass Formel 1 und Bio nicht wirklich zusammen passen. "Die Formel 1 ist nun einmal keine Sparformel."

Solange sie aber mit der Entwicklung von Hybrid- und eventuell auch einmal Wasserstoff-Motoren den Vorreiter für die Serien-Fahrzeuge spielt, ist dem Umwelt-Anspruch fürs Erste ausreichend Genüge getan.

Planspiel 2: Die Aerodynamik

In der Vergangenheit hat es alles gegeben: Voll verkleidete Autos, Autos mit großen Flügeln, Auto mit kleinen Flügeln, Autos ohne Flügel, Autos mit Zusatzflügeln, ja sogar Autos mit sechs Rädern. Da ist es nicht ausgeschlossen, dass man 2019 mal wieder ein völlig revolutionäres Design bewundern kann.

Oder doch? "Ich sehe derzeit keine total andere Philosophie als die heutige. Man wird ein Formel-1-Auto, das in zehn Jahren fährt, noch wiedererkennen können", verspricht Theissen.

Surer fragt: "Von meiner Zeit Mitte der 80er Jahre bis jetzt hat sich das Auto nicht grundlegend verändert. Warum sollte sich die Basis, die sich in den vergangenen 20 Jahren bewährt hat, in den kommenden zehn Jahren ändern?"

Dennoch gibt es Baustellen, vor allem das Überholen. Schon in diesem Jahr arbeitete eine eigens gegründete Kommission daran, das Überholen in der Formel 1 wieder zu erleichtern. Das funktioniert vor allem durch eine Reglementierung der Flügel.

"Die FIA bestimmt, wie ein Auto in Zukunft aussehen wird", sagt Surer. Für den Experten wäre es sogar theoretisch denkbar, sich komplett von Front- und Heckflügeln zu verabschieden. "Das wäre zu lösen. Wenn man bei der Konstruktion des Unterbodens genügend Freiheiten hat, könnte man den Abtrieb der Flügel durchaus kompensieren."

Eine schöne Idee, aber trotzdem nicht allzu wahrscheinlich. Surer erklärt, warum: "Man hätte ohne Flügel das Problem, dass man wieder keinen Windschatten hätte. Es wäre besser, man würde den Unterboden klar reglementieren und dafür größere Flügel zulassen."

Diese Orientierung am momentanen Konzept hätte noch einen anderen Vorteil, denn: "Die Formel 1 braucht schließlich auch einen gewissen Wiedererkennungswert."

 

Planspiel 3: Der Rennkalender

2008 fanden nur noch neun von 18 Rennen in Europa statt, dafür stiegen schon sechs Events im Zukunftsmarkt Asien. Werden in zehn Jahren nur noch zwei, drei Höflichkeitsrennen in Europa stattfinden, um der alten Zeiten willen?

"Es werden sicher noch einige neue Austragungsorte dazukommen, was ich gut finde. Denn der Sprung in neue, aufstrebende Märkte sichert in meinen Augen die Zukunft der Formel 1", sagt Theissen, aber: "Ich bin auch überzeugt, dass sie auch 2019 noch die Traditionsstrecken in Europa braucht. Sie sind die DNA der Formel 1. Sie wird in Europa nicht aussterben."

Eine beruhigende Erkenntnis für Nürburgring, Monza, Spa und Co. Ihre Existenz ist nach Expertenmeinung selbst dann nicht gefährdet, wenn Rennen in Indien, Südkorea, Abu Dhabi und vielleicht sogar noch weiteren Ländern dazukommen.

Geht man aber davon aus, dass die Teams mit 20 Rennen pro Jahr am Limit des Leistbaren ankommen, dann müssen zwangsläufig bestehende Rennen weichen. Das werden aber nicht die Traditionskurse sein, davon ist Surer überzeugt: "Einige der neuen Grands Prix sind nur Mode-Erscheinungen. Länder wie Bahrain leisten sich das einfach aus Prestigegründen, da steckt aber keine Substanz dahinter. Die Formel 1 lebt von der Tradition. Man wird sich wieder von den Retortenstrecken lösen."

Veränderungen ja, Science Fiction nein 

Erste Schritte sind mit der verstärkten Einbindung von Stadtkursen wie denen in Singapur und Valencia schon gemacht. Die Formel 1 hat sich auf die Fahnen geschrieben, in Zukunft die Nähe zum Fan stärker zu suchen.

Und je dichter der am Geschehen dran ist, desto genauer wird er sich im Jahr 2019 ansehen können, wie sich die Königsklasse verändert hat.

Auch ganz ohne Flux-Kompensator.

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