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Formel 1

Weckruf für die trägen Riesen

Von Alexander Mey
Formel 1, Toyota, Honda, Trulli, Rubens Barrichello
© Getty

München - So nah wie in der vergangenen Saison waren sich die sonst so großen Konkurrenten Honda und Toyota selten. Vereint in der Krise.

Toyota 13 Punkte, Honda sechs Punkte. Allein Nico Rosberg hat im wahrlich nicht übermächtigen Williams mehr Zähler geholt als beide Riesen-Konzerne zusammen.

Auf beiden Seiten war klar, dass dieses desolate Abschneiden Konsequenzen haben muss. Hatte es auch, aber sehr unterschiedliche.

Brawn ist heiß auf die Herausforderung

Honda wagte den Umbruch und ersetzte den bisherigen Teamchef Nick Fry durch Ross Brawn. Brawn, das Superhirn, das gemeinsam mit Michael Schumacher und Flavio Briatore Benetton zum Weltmeister machte, das Ferrari gemeinsam mit Schumi und Jean Todt von der Lachnummer zum Alleinherrscher der Königsklasse formte.

Jetzt soll Brawn die verstaubten japanischen Strukturen aufbrechen. Eine schwierige Aufgabe: "Es stimmt schon, dass er das Superhirn ist, wie wir ihn in Deutschland nennen. Aber es wäre unwahrscheinlich, dass er das Ruder bei Honda so schnell herumreißen kann, dass es schon zu Beginn der kommenden Saison stark aufwärts geht", sagte Schumacher über die Zukunft seines Freundes.

Dennoch ist Brawn der Job bei Honda lieber als eine Rückkehr zu Ferrari. "Die Tatsache, dass Ferrari nicht in der Krise ist, hat eine Rückkehr für mich unattraktiver gemacht. Ich hatte einfach nicht das Gefühl, dass die Herausforderung für mich dort groß genug ist."

Ross Brawn hat die Fähigkeiten und vor allem die Motivation, Honda hat das Geld und die Manpower. Eine Kombination, aus der schnell Erfolg entstehen kann.

Schumacher kritisiert Toyotas Personalpolitik

Der ist bei Toyota in naher Zukunft nicht in Sicht. Im Gegenteil: Angesichts der Personalie Brawn ist es wahrscheinlich, dass das in Köln ansässige Team schnell hinter die japanische Konkurrenz von Honda zurückfällt.

"Toyota ist meines Wissens das einzige Team, das mit Ross Brawn noch nicht einmal auch nur reden wollte", beschwert sich Ralf Schumacher im "Express" über die Schlafmützigkeit seines Ex-Arbeitgebers. "Ich hatte angeboten, einen Kontakt herzustellen. Null Reaktion darauf. Nicht ein einziges Treffen hat es gegeben."

Für Toyota ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich scheut, große Persönlichkeiten zu verpflichten. Mit Technikchef Mike Gascoyne hatte man es mal versucht, doch die Beziehung scheiterte an "unüberbrückbaren Differenzen". Ähnlich war es am Ende wohl auch mit Schumacher.

Toyota will keine "One-Man-Show"

Es ist kein Zufall, dass mit Timo Glock - so gut er fahrerisch auch sein mag - wieder ein verhältnismäßig unbekannter Pilot geholt wurde. Ein großer Star Marke Fernando Alonso geht nicht zu Toyota.

Warum? "Die Toyota-Team-Struktur ist eindeutig ein Ergebnis dessen, was sie den Toyota-Weg nennen", erklärt Schumacher. "Toyota will keine One-Man-Show." Deshalb hätte man laut Schumacher überhaupt nicht mit Brawn zusammen arbeiten können. Und mit Alonso sicher auch nicht.

Der träge Riese lebt weiter

Toyota hat das größte Potenzial aller Formel-1-Teams und hält sich selbst dadurch klein, dass man in der Führungsetage niemanden haben will, der über alle anderen Köpfe hinweg Entscheidungen trifft.

Alles wird so lange untereinander abgestimmt, bis der Zug an die Spitze schon längst abgefahren ist. Der träge Riese Toyota, von dem seit Jahren die Rede ist - es droht ihn auch in Zukunft zu geben.

Nur dass er dann vielleicht mit einem dank Brawn nicht mehr so trägen Gegner Honda konfrontiert ist, der ihn schon bald ganz alt aussehen lassen könnte.

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