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Formel 1

Die Nerven liegen blank

Von Alexander Mey
ferrari, mclaren
© Getty

München - Wenn man sich die Konstellation vor dem WM-Showdown in Brasilien (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) noch einmal vergegenwärtigt, dann wundert es nicht sonderlich, dass bei den WM-Rivalen die Nerven blank liegen.

Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen und Fernando Alonso gehen von den Startplätzen zwei, drei und vier aus ins Rennen. Das zeigt: Im Qualifying ging es richtig eng her. So eng sogar, dass es wieder einmal böses Blut gab.

Räikkönen beschwerte sich über Hamilton, weil ihn der WM-Führende auf seiner entscheidenden schnellen Runde durch seine Fahrweise irritiert hatte. Hamilton fühlte sich zwar nicht schuldig, entschuldigte sich aber trotzdem - bloß kein Öl ins Feuer gießen.

Damit hat Alonso kein Problem. Nachdem er beim Reifenwechsel hinter Hamilton ein paar Sekunden warten musste und deshalb fast seine zweite schnelle Runde verpasst hätte, beschwerte er sich mal wieder über eine vermeintliche Benachteiligung des Teams.

Alonso plant "unmögliches Rennen"

Viel wichtiger für das Rennen war aber ein anderer Satz von ihm: "Ich muss nun versuchen, ein unmögliches Rennen zu fahren."

Wie wird das wohl aussehen? Wer Alonso in diesem Jahr beobachtet hat, kann vermuten, dass er ohne Rücksicht auf Verluste volle Attacke reiten wird. Er kommt von Platz vier, ist also am Start der Letzte der Titelanwärter. Das muss er umgehend korrigieren, wenn er eine realistische Chance auf den WM-Titel wahren will.

Was das für die Gefahr eines möglichen Startunfalls im engen Senna-S bedeutet, kann man sich lebhaft vorstellen. "Das wird sicher ein heißes Tänzchen", freut sich BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen als unbeteiligter Beobachter.

Massa wird Zünglein an der Waage

Dafür soll auch der Pole-Sitter sorgen. Ferrari hat mit Felipe Massa genau den taktischen Joker gezogen, den man aus strategischer Sicht ziehen musste. Der Brasilianer hat nichts mehr mit dem Ausgang der WM zu tun und kann sich voll darauf konzentrieren, zu Gunsten seines Teamkollegen Räikkönen Zünglein an der Waage zu spielen.

Wann immer er die Silbernen einbremsen kann, wird er das tun. "Natürlich will ich das Rennen gewinnen, aber ich werde alles tun, was nötig ist, um dem Team zu helfen, den Fahrer-Titel zu holen", macht Massa klar.

Massa muss wohl zuerst tanken

Das weiß man auch bei McLaren. "Ich kann mir schon vorstellen, dass die Ferrari im Rennen zusammenarbeiten werden", sagt Teamchef Ron Dennis.

Zumindest bis zum ersten Boxenstopp. Denn der Verdacht liegt nahe, dass Ferrari der Pole von Massa das eine oder andere Kilogramm Benzin geopfert hat. Er wird aller Voraussicht nach als Erster des Führungs-Quartetts zum Tanken kommen müssen. Ob er danach noch in den Kampf um den Sieg eingreifen kann, ist ungewiss.

WM-Rivalen ungefähr auf einem Niveau 

Doch wer aus dem WM-Trio kommt zuerst zum Tanken? Ist es Hamilton, weil er im Qualifying deutlich schneller war als Räikkönen und Alonso, oder hat er einfach nur eine Fabelrunde erwischt?

Das Gefühl sagt, dass Räikkönen mit dem schwersten Auto in die Quali gegangen ist und deshalb am längsten bis zum ersten Boxenstopp warten kann. Aber wesentlich werden sich die Strategien der drei WM-Rivalen nicht unterscheiden.

Hamilton will nicht auf Sieg fahren 

Am Ende kommt es ohnehin darauf an, keinen Fehler zu machen. Besonders für Hamilton, der als einziger aus eigener Kraft den Titel holen kann. Die detaillierten Rechenspiele sind kompliziert, aber die Faustregel lautet: Kommt Hamilton vor oder direkt hinter seinen Rivalen ins Ziel, hat er es geschafft. Er darf nur den Anschluss nicht verlieren.

"Ich bin ziemlich selbstbewusst und entspannt", sagt Hamilton. "Ich weiß, was ich tun muss, um den Titel zu gewinnen. Ich konzentriere mich nicht darauf, dass Rennen zu gewinnen, sondern die Weltmeisterschaft."

Dumm nur, dass sich Massa, Räikkönen und Alonso darauf konzentrieren werden, genau das zu verhindern.

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