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Formel 1

Schleichendes Siechtum

Von dpa
boxengasse, honda
© Getty

Hamburg - Die Moral in der Formel 1 steht auf dem Prüfstand nach dem Spionage-Skandal um McLaren-Mercedes. "Wenn so weitergemacht wird, macht das die ganze Formel 1 krank", sagt Max Mosley.

Der Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA fürchtet bei weiteren Fällen großes Ungemach für die Königsklasse des Motorsports: "Das könnte die Formel 1 zerstören." Deshalb hat die FIA schon seit 2003 eine Prämie in Höhe von einer Million Dollar für diejenigen ausgelobt, die Betrugsfälle aufzudecken helfen.

Spionage hat es in der Formel 1 schon immer gegeben. "Es ist grundsätzlich die Frage, wo das anfängt und wo es aufhört", meint Toyota-Pilot Ralf Schumacher. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen stellt fest: "Natürlich hält jeder die Augen auf und beobachtet die Konkurrenz."

Gesunde Konkurrenz statt Spionage 

Man schaue sich bei jedem Rennen die Autos systematisch an, was sich verändert habe. Man beobachte die Strategien, die die Teams anwenden. Man erfasse die Daten, um daraus Schlüsse für das kommende Jahr zu ziehen. "Da wird schon einiges getan, aber für mich ist das etwas anderes als Spionage. Das ist einfach gesunde Konkurrenz", meint Theissen.

"Wenn man weiß, was der andere macht, kann man viel damit anfangen", sagt Williams-Pilot Nico Rosberg. "Es ist mit Sicherheit immer interessant, etwas von anderen Teams zu hören", sagt Nick Heidfeld, der nach der 100 Millionen-Dollar-Strafe und dem Abzug der Konstrukteurspunkte für McLaren-Mercedes mit seinem BMW-Team beim nächsten Grand Prix in Japan hinter Ferrari vorzeitig Vize-Weltmeister in der Team-Wertung werden kann.

 McLaren war vom FIA-Weltrat verurteilt worden, weil ein inzwischen suspendierter Mitarbeiter des Teams im Besitz von Ferrari-Informationen war. "Wir alle wollen gewinnen, wir alle wollen ans Limit gehen, aber es ist sehr wichtig, die Grenze nicht zu überschreiten", sagte Ferrari-Teamchef Jean Todt.

Jetzt droht auch Renault Ungemach 

In der Formel 1 wird viel Geld ausgegeben, um Fahrer, Konstrukteure oder Techniker von einem zum anderen Team zu lotsen. Das beim Rivalen erworbene Wissen kommt immer mit, egal ob im Kopf oder auf Diskette. Nun könnte auf diesem Weg eine neue Affäre ins Rollen kommen. Angeblich soll ein früherer McLaren-Mann bei seinem Wechsel zu Renault, Geheimnisse mitgenommen haben.

Renault-Teamchef Flavio Briatore kündigte an, jeden zu verklagen, der seinen Rennstall mit Spionage in Verbindung bringt. "Was augenblicklich vorliegt, ist nichts Besonderes. Wir müssen erst einmal abwarten, was von McLaren kommt", sagte FIA-Chef Mosley beim Grand Prix in Belgien.

Schumacher fordert genau Definitionen 

Toyota-Pilot Schumacher hat den Weltverband bereits aufgefordert, die Grenze für Spionage genau festzulegen. "Das ist etwas, das die FIA für alle Beteiligten sicherlich irgendwann einmal definieren sollte."

Nach der Affäre um McLaren-Mercedes und Ferrari gibt sich die Formel 1 geläutert: "Das Ganze ist eine Art Warnsignal, alles dafür zu tun, um nicht in eine solche Angelegenheit verwickelt zu werden", sagt der frühere Rennfahrer Gerhard Berger, der heute Teamchef von Sebastian Vettel beim Toro-Rosso-Team ist.

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