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Eishockey

Eishockey-WM - Schweden nach Fiasko unter Beschuss: "Das größte Versagen der Neuzeit"

SID
Schweden hat bei der WM das Viertelfinale verpasst.

Schweden hat eine historische Pleite erlebt: Erstmals seit 84 Jahren steht der elfmalige Weltmeister nicht unter den besten Acht der WM.

Nach dem historischen Debakel der erfolgsverwöhnten "Drei Kronen" überschlugen sich in den schwedischen Medien die Superlative. Das Wort "Fiasko" allein reichte nicht, um das Unfassbare zu beschreiben.

"Das größte Versagen der Neuzeit" nannte Ex-Nationalspieler Jonas Andersson beim Fernsehsender SVT das Vorrunden-Aus des elfmaligen Eishockey-Weltmeisters bei der WM in Riga.

Erstmals seit 1937, als in London die Briten als Titelverteidiger (!) antraten, verpassten die "Tre Kronor", der Stolz einer eishockeyverrückten Nation, die Top Acht. Das Team, das insgesamt 47 WM-Medaillen und vor drei Jahren noch Gold gewann, reiste nach dem 2:3 gegen Russland nach Penaltyschießen geschlagen nach Hause, bevor die K.o.-Runde begann. Begleitet von einem Medien-Gewitter, das vor allem Nationaltrainer Johan Garpenlöv galt.

Für das "Fiasko", das wahlweise "komplett", "historisch" oder gar "das größte aller Zeiten" war, trägt nach Ansicht vieler Experten der 53-Jährige die Verantwortung. "Alles" müsse sich jetzt ändern, forderte etwa Bengt-Ake Gustafsson, der Schweden 2006 als Trainer zum goldenen Double bei Olympia und Weltmeisterschaft geführt hatte: "Wir müssen das jetzt wirklich in den Griff kriegen."

Schwedens Abschneiden "nicht akzeptabel"

Die Frage nach der Zukunft Garpenlövs, erst vor zwei Jahren zum Chef an der Bande befördert, war die am häufigsten gestellte. "Ich möchte weitermachen", sagte der ehemalige Stürmer, der als Spieler bei drei WM-Teilnahmen zweimal Gold und einmal Silber gewonnen hatte, "aber ich bin nicht der, der die Entscheidungen trifft."

Die Olympischen Spiele in Peking in sieben Monaten sollen eigentlich seine nächste Aufgabe sein. Geht es nach den Verantwortlichen im Verband, soll er sie auch wahrnehmen.

"Grundsätzlich haben wir großes Vertrauen in Johan", sagte Verbandspräsident Anders Larsson, "das Bild, das wir von ihm haben, ist gut." Generalsekretär Johan Stark verwies darauf, dass es wegen der Corona-Absage im vergangenen Jahr "seine erste WM war, unter ganz besonderen Bedingungen". Allerdings sei das Abschneiden "nicht akzeptabel".

Olofsson: "Haben uns in den Fuß geschossen"

Garpenlöv selbst sprach von einem "großen Misserfolg für mich als Trainer und für uns als Eishockey-Nation" und weiß, was in den nächsten Tagen auf ihn zukommt: "So läuft das in diesem Geschäft: Wenn du nicht die Ergebnisse bringst, gehen sie dich und den Verband an." Das meistgebrauchte Wort wollte der Coach aber nicht verwenden. "Ob ihr es Fiasko nennt oder durchgefallen - das könnt ihr euch aussuchten", sagte er den Journalisten, "ich sage: durchgefallen."

Das historische Aus kam am Ende nicht ganz überraschend, auch wenn es Gustafsson eine "Sensation" nannte. Denn nach den peinlichen Auftaktpleiten gegen Dänemark (3:4) und Belarus (0:1) war der Druck "enorm groß", wie Stürmer Victor Olofsson, einer von nur fünf NHL-Profis, es formulierte: "Wir haben uns in den ersten beiden Spielen in den Fuß geschossen."

Nach dem 7:0 gegen die Schweiz schien Schweden zurück auf gewohntem Kurs, doch das 2:4 gegen Tschechien erhöhte den Druck weiter. Gegen Rekordweltmeister Russland musste unbedingt ein Sieg her, im Penaltyschießen versagten dann die Nerven.

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