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Eishockey

"Ich ignoriere die Anfeindungen"

Zwei Macher unter sich: Daniel (l.) und Dietmar Hopp
© imago

SPOX: Sie legen in Mannheim sehr viel Wert auf ein klares Konzept, wobei die Jugendarbeit eine zentrale Rolle spielt. Warum funktioniert die bei den Adlern so gut und sind Sie der Meinung, dass andere DEL-Klubs in dieser Hinsicht zu wenig machen?

Hopp: Man muss ehrlich sagen, dass wir durch die Dietmar-Hopp-Stiftung tolle Möglichkeiten haben, um im Nachwuchs etwas zu machen. Wir haben ein großes Internat, ein Konzept, das bis hinunter zur Laufschule geht. Wir bringen jedes Jahr über 1000 Kinder auf das Eis, die mit dem Schlittschuhlaufen beginnen. Das alles können wir aufgrund der wirtschaftlichen Voraussetzungen machen. Deshalb ist unser Konzept nicht unbedingt auf alle DEL-Standorte zu duplizieren. Natürlich wäre es aber schön, mehr Projekte dieser Art zu haben. Die Jugend ist unsere Zukunft, dafür sollte in jedem Verein möglichst viel getan werden.

SPOX: Der aktuell bekannteste Spieler, der dem Nachwuchsprojekt in Mannheim entsprungen ist, ist Leon Draisaitl. Wie bewerten Sie seinen Werdegang?

Leon Draisaitl im SPOX-Interview

Hopp: Sein Werdegang, mit dem Potenzial, das in ihm steckt, deutete sich früh an. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Wenn seine Entwicklung so weitergeht, seine Konzentration auf den Sport so bleibt - und davon ist auszugehen - wird er seinen Weg in Nordamerika machen.

SPOX: Auch in der NHL?

Hopp: Das traue ich ihm absolut zu. Von seinen Fähigkeiten her ist er selbstverständlich in der Lage, in der NHL zu spielen.

SPOX: Manch einer glaubt, Draisaitl könne für das deutsche Eishockey ein ähnliches Aushängeschild werden, wie es Dirk Nowitzki für Basketball ist. Er wird nicht umsonst German Gretzky genannt. Sind derartige Lobhudeleien für einen jungen Kerl eine Gefahr?

Hopp: Er hat ein gutes Umfeld, wurde gut auf seine Karriere vorbereitet und weiß, mit derartigen Vorschusslorbeeren umzugehen. Deshalb sehe ich diese Gefahr bei Leon eigentlich nicht.

SPOX: Kommen wir zurück zu Ihnen. Geschäftsführer der Adler, Leiter der SAP-Arena, dazu auch noch bei den Rhein-Neckar Löwen involviert. Warum halsen Sie sich so viel Arbeit auf?

Hopp: Weil mir mein Job großen Spaß macht. Meine Hauptaufgabe ist heute die Leitung der SAP-Arena, wir haben über 100 Veranstaltungen im Jahr - jeglicher Art. Und Eishockey ist einfach ein großer Teil meines Lebens. Deshalb engagiere ich mich nicht nur bei den Adlern, sondern auch im Rahmen der DEL und des Verbandes. Ich möchte dabei helfen, dass es dem gesamten deutschen Eishockey in Zukunft ein Stück weit besser geht.

SPOX: Sie sprechen es an. Was ist aktuell das größte Problem im deutschen Eishockey?

Hopp: Das größte Problem ist, dass die Nationalmannschaft nur den 13. Platz in der Weltrangliste belegt. Wir sind bei einer Weltmeisterschaft kein sicherer Kandidat für das Viertelfinale und waren bei den letzten Olympischen Spielen nicht dabei. Daran müssen wir arbeiten. Da sind die Vereine, die Liga, der DEB und die Landesverbände gefragt. Die Interessen gehen teilweise auseinander. Diese Interessen müssen zusammengefügt werden, um das ganze Schiff in die richtige Richtung zu lenken.

SPOX: Wie kann das gelingen?

Hopp: Es geht nur mit verstärkter Nachwuchsarbeit. Wir müssen mehr gute Spieler ausbilden und ihnen die Möglichkeit geben, in einem vernünftigen Ligabetrieb zu spielen. Es wurde in den vergangenen Jahren mit DEL und DEL2 ein Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber es liegen noch immer große Aufgaben vor uns. Ich glaube, dass viele verstanden haben, dass es nicht wie in der Vergangenheit weitergehen kann. Hoffentlich verstehen es irgendwann alle.

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SPOX: Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die anstehende WM in Prag?

Hopp: Eine sehr große. Sie ist sehr wichtig für die Platzierung in der Weltrangliste. Außerdem wäre es wichtig, vielleicht doch noch Heimrecht bei einem Olympia-Qualifikationsturnier zu genießen. Deutschland muss 2018 in Südkorea dabei sein, das ist für unsere Sportart immens wichtig. 2017 haben wir dazu mit Frankreich zusammen die WM im eigenen Land. Es stehen insgesamt also wirklich ganz wichtige Aufgaben an.

SPOX: Lassen Sie uns noch über Ihren Vater sprechen. Man sieht ihn immer im Zusammenhang mit 1899 Hoffenheim. Wie sehr schlägt sein Herz eigentlich für die Adler?

Hopp: Während der Hauptrunde ist er bei 60 bis 70 Prozent der Heimspiele dabei, in den Playoffs immer. Er fiebert also kräftig mit.

SPOX: Sie kündigten bereits mehrfach an, eines Tages seine Rolle bei der TSG zu übernehmen. Allerdings möchten Sie nicht ins operative Geschäft einsteigen. Kann man sagen, dass Sie sich in erster Linie um den Fußball kümmern würden, weil dieses Projekt Ihrem Vater so sehr am Herzen liegt?

Hopp: Nein, so würde ich das nicht sagen. Ich verfolge die Entwicklung von 1899 Hoffenheim schon von Beginn an. Also seit mein Vater dort eingestiegen ist. Ich scheue mich nicht davor, auch bei der TSG etwas zu machen. Aber Eishockey wird immer mein Hauptjob bleiben. Die Adler sind mir emotional sehr nahe, ich würde zu ihren Lasten nie etwas anderes anfangen.

SPOX: Wann Sie für Ihren Vater bei 1899 einsteigen werden, ist nach wie vor völlig offen, oder?

Hopp: Das ist weder kurz- noch mittelfristig geplant. Mein Vater ist ja auch nicht operativ bei der TSG tätig, sondern als Gesellschafter. Diese Rolle wird er hoffentlich noch ganz viele Jahre ausfüllen können.

SPOX: Ihr Vater wurde von diversen Fan-Gruppierungen teilweise auf das Übelste angefeindet. Erleben Sie so etwas im Eishockey auch?

Hopp: Nein. Im Eishockey ist das glücklicherweise kein Thema. In der DEL gibt es viele Privatpersonen als Gesellschafter oder Red Bull in München. Das ist also an der Tagesordnung.

SPOX: Wie gehen Sie persönlich damit um, wenn der Vater angefeindet wird?

Hopp: Je weniger man über dieses Thema spricht, desto besser. Seine Gefühlslage breitzutreten, ist doch nur Wasser auf die Mühlen derjenigen, von denen diese Anfeindungen kommen. Deshalb ignoriere ich die Anfeindungen.

Seite 1: Hopp über ein Märchen, die Finals und Gross

Seite 2: Hopp über seinen Vater, den DEB und Draisaitl

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