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Eishockey

Favoritenkiller und Kampf der Kulturen

Von Adrian Bohrdt/Felix Götz
Nico Kraemmer und die Hamburg Freezers gehen als Favoriten ins Halbfinale der Play Offs
© getty

Die DEL-Playoffs biegen auf die Zielgerade ein. Nur noch vier Teams sind übrig, und während die Hamburg Freezers gegen den ERC Ingolstadt erneut mit der Favoritenrolle zurechtkommen müssen, bahnt sich zwischen den Grizzly Adams Wolfsburg und den Kölner Haien ein packendes Duell auf Augenhöhe an. Der Kampf zweier Kulturen inklusive.

Hamburg Freezers (1) - ERC Ingolstadt (9)

Saisonbilanz: 2:2 (1:5, 2:1 OT, 2:3, 4:3)

Ausgangslage: Die überragende Aufholjagd in der Hauptrunde nützt den Hamburg Freezers in den Playoffs nichts mehr - spätestens seit den schwierigen Duellen gegen den Hauptrunden-Zehnten und klaren Außenseiter Iserlohn dürfte das auch dem Letzten klar sein. Nach einem souveränen Auftaktsieg gingen Spiel 2 in Iserlohn und Spiel 3 in der heimischen O2-World verloren, der Druck in der Best-of-Seven-Serie war plötzlich riesig.

Doch die Mannschaft von Trainer Benoit Laporte bewies Nervenstärke, gewann drei Partien in Folge und kassierte dabei nur ein Gegentor. Wie schon in der Hauptrunde, als die Freezers mit 116 Gegentreffern die beste Defensive der Liga stellten, war die Abwehr um das starke Goalie-Duo der Schlüssel zum Erfolg.

"Dieses Team ist quasi unser Baby"

Die Konsequenz: Die Freezers stehen erstmals seit 2004 wieder im Halbfinale. "Das war eine verrückte Serie. Unser Team hat alles gegeben und bis zum Ende gekämpft. Ich bin unglaublich stolz, dass wir im Halbfinale stehen. Das ist das Resultat der letzten Jahre, wir haben hier etwas aufgebaut. Dieses Team ist quasi unser Baby. Jetzt wollen wir natürlich mehr", sagte Stürmer David Wolf, der mit vier Toren und fünf Assists in der Serie Hamburgs bester Scorer war.

Ingolstadt auf der anderen Seite kann komplett befreit ins Halbfinale gehen und dabei weiter an seinem Ruf als Favoritenschreck arbeiten: Nach durchwachsener Hauptrunde (Platz 9) mussten zunächst in den Pre-Playoffs die Eisbären Berlin dran glauben (2:1), es folgte der überraschende Sieg gegen den Hauptrunden-Zweiten Krefeld Pinguine (4:1) - und das trotz eines 0:5 im ersten Spiel.

Hambly fällt aus

Dabei dürfte es Ingolstadt Mut machen, dass die Offensive pünktlich zu den Playoffs einige ihrer besten Leistungen bot. Mit 138 Hauptrunden-Toren das mit Abstand ungefährlichste aller Playoff-Teams, erzielte Ingolstadt bei den vier Siegen hintereinander insgesamt 18 Treffer. "Wir wissen jetzt, dass wir eine richtig gute Mannschaft haben. Wir haben den Meister geschlagen, wir haben den Zweiten der Vorrunde geschlagen. Ich glaube, wir fühlen uns in der Außenseiterrolle ganz wohl", betonte Stürmer Patrick Hager.

Für den ERC ist es in jedem Fall schon jetzt eine erfolgreiche Saison, dabei sah es zwischenzeitlich überhaupt nicht danach aus. Die Fans riefen sogar zum Boykott auf, zwischen Teilen der Mannschaft und Trainer Niklas Sundblad gab es Ärger, weil das Training des Schweden zu hart gewesen sein soll. Doch seit einer Aussprache läuft es für die Bayern, die Hamburg in dieser Saison immerhin schon zwei Mal schlagen konnten. Bitter für Ingolstadt: Der gegen Krefeld starke Verteidiger Tim Hambly fällt mit einer Knieverletzung aus.

Players to watch: Hamburgs Stärke ist die Defensive, das Goalie-Duo um den während der Saison verpflichteten Sebastien Coren sowie Dimitrij Kotschnew spielt groß auf. Caron kassierte in der Hauptrunde die zweitwenigsten Treffer pro Spiel (1,93) und parierte die zweitmeisten Schüsse (93,6 Prozent), während Kotschew im Viertelfinale auftrumpfte: Der 32-Jährige gewann alle drei Spiele, in denen er zwischen den Pfosten stand, und parierte dabei unfassbare 98,8 Prozent der Schüsse.

Dem entgegen setzt Ingolstadt seine neu gewonnene Offensiv-Begeisterung, dabei wird es vor allem auf ein Trio ankommen: Thomas Greilinger (4 Tore, 7 Assists), Derek Hahn (9 Assists) und John Laliberte (4 Tore, 4 Assists) gelangen in den bisherigen acht Playoff-Spielen des ERC zusammen 28 Scorerpunkte.

Stimmen:

Jerome Flaake (Stürmer, Hamburg Freezers): "Wenn man so weit kommt, will man auch Meister werden."

Timo Pielmeier (Torhüter, ERC Ingolstadt, über die Freezers): "Es macht Spaß, gegen sie zu spielen. Sie haben eine schöne Arena, da macht es Riesenspaß. Ich habe schon im November und Dezember immer gesagt, dass wir alles in der Mannschaft haben, um zu gewinnen."

Prognose: Hamburg hat nach dem 1:2-Rückstand gegen Iserlohn im Stile eines Champions reagiert und die Serie gedreht. Diese wertvolle Erfahrung dürfte den Freezers noch einen zusätzlichen Schub geben. Ingolstadt kann befreit aufspielen, mit Berlin und Krefeld wurden bereits zwei Favoriten rausgekegelt. Doch die Freezers sind in dieser Saison noch eine anderen Hausnummer und deshalb für den ERC, dessen Offensive gegen Hamburg vor ihrer schwersten Aufgabe steht, im Laufe einer Serie nicht zu stoppen.

Tipp: 4:1 Hamburg

Seite 2: Kölner Haie (5) - Grizzly Adams Wolfsburg (6)

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