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Eishockey

"Wir könnten NHL-Teams ärgern"

Von Interview: Philipp Dornhegge
Jeff Friesen ist der neue Eisbären-Star und steht in Berlin bereits im Mittelpunkt
© Imago

Am Freitag wird es Ernst für die Eisbären Berlin: Dann startet der Meister gegen die Kassel Huskies in die neue DEL-Saison. Mit dabei: NHL-Star Jeff Friesen.

Der 33-Jährige hat ein Dutzend Spielzeiten in der besten Liga der Welt vorzuweisen. Er holte 2003 mit den New Jersey Devils den Stanley Cup und wurde mit Kanada zweimal Weltmeister. Doch in den letzten beiden Spielzeiten ist es still geworden um den Left Wing.

Fünf Spiele machte er für die unterklassigen Lake Erie Monsters - ansonsten war Sendepause. In Berlin wagt er nun einen neuen Anlauf. Bei SPOX spricht Friesen über seine Ziele mit den Eisbären, die Zeit in der NHL und seinen besten Kumpel, Bruins-Star Marco Sturm.

SPOX: Herr Friesen, haben Sie sich schon in Berlin eingelebt?

Jeff Friesen: Ja, mir geht's richtig gut. Ich habe gute Teamkollegen und einen guten Klub, der mir beim Einleben hilft.

SPOX: Gab's keine Probleme mit dem deutschen Lifestyle?

Friesen: Wir sind hier ja in einer großen Stadt. Die meisten Leute sprechen Englisch, dadurch fällt mir die Kommunikation leichter. Das wäre in einer kleineren Stadt sicher schwerer. Nach anfänglichem Jetlag geht's mir jetzt richtig gut.

SPOX: Wie oft waren Sie zuvor in Deutschland?

Friesen: Einmal natürlich bei der Weltmeisterschaft, und ein zweites Mal bei Marco Sturms Hochzeit.

SPOX: Marco Sturm ist ein guter Freund von Ihnen. Hat er Sie und die Eisbären zusammengebracht?

Friesen: Ja, wir haben uns vor einiger Zeit unterhalten, da hat er mitbekommen, dass ich wieder spielen will. Er fragte mich, ob Deutschland in Frage käme, dann machte er ein paar Anrufe und zum Glück erklärte sich Peter John Lee (Manager der Eisbären Berlin, Anm. d. Red.) bereit, mich einzuladen.

SPOX: Warum verstehen Sie und Marco Sturm sich eigentlich so gut?

Friesen: Als Marco in die NHL kam, hat er für ein paar Wochen bei mir gewohnt. Sehr schnell wurde er für mich wie ein Bruder. Meine Mutter und meine Großeltern kommen aus Deutschland und sie alle liebten Marco sofort über alles. Er ist wirklich ein lässiger Typ, mit dem man einfach gut klarkommen muss.

SPOX: Hat sich Ihre Mutter auf Deutsch mit ihm unterhalten?

Friesen: Klar, meine Großeltern auch. Auch wenn er heute in Edmonton, wo meine Familie wohnt, zu Besuch ist, schaut er immer vorbei.

SPOX: Selbst, wenn Sie gar nicht da sind?

Friesen: (lacht) Ja, auch dann. Für meine Eltern ist er ein Teil der Familie. Er spricht wahrscheinlich häufiger mit ihnen als ich. Marco ist ein besonderer Mensch, das muss man sagen. Ich kenne niemanden, der ihn nicht mag.

SPOX: In zwölf Jahren NHL haben Sie natürlich weitere großartige Spieler kennengelernt. Wer waren Ihre Lieblingsmitspieler?

Friesen: Mein schönstes Erlebnis war sicher der Stanley-Cup-Sieg 2003 mit den New Jersey Devils. So etwas schweißt natürlich zusammen, deshalb erinnere ich mich gerne an dieses Team mit Scott Stevens, Scott Niedermayer, Martin Brodeur oder Jamie Langenbrunner. Das Gleiche lässt sich aber auch über die Sharks in meinen ersten Jahren sagen. Mit Owen Nolan, Vinny Damphousse oder Tony Granato habe ich mich auch super verstanden.

SPOX: Kommen wir zu Ihrer jetzigen Situation: Mit Ihrer Karriere ging es - das muss man wohl so sagen - in den letzten beiden Jahren bergab. Dafür gibt es Gründe.

Friesen: Na klar, ich hatte schon damals in Washington eine Verletzung, mit der ich spielte. Das hatte ich zuvor schon bei anderen Verletzungen getan, aber ich musste feststellen, dass mit einem Leistenbruch doch nicht so zu spaßen ist. Als ich zu den Ducks wechselte, ging es noch gut, aber danach hatte ich Nervenprobleme, die mich zwei Jahre lang behinderten. Zum Glück habe ich mittlerweile einen kompetenten Arzt gefunden, der mir dieses Comeback ermöglicht hat.

SPOX: Sind Sie in schon in Bestform?

Friesen: Ja, ich habe keine Schmerzen und bin komplett gesund. Ich bin nach wie vor schnell und mein Spielverständnis ist ja nicht weg.

SPOX: In der NHL galten Sie stets als Spieler, der in den Playoffs noch mal eine Schippe drauflegen konnte. Werden die Eisbären-Fans Ihre Bedeutung vielleicht erst dort erkennen?

Friesen: Die Playoffs sind noch weit weg. Ich will eigentlich sofort zeigen, was ich draufhabe. Das bin ich dem Klub und den Fans schuldig.

SPOX: Es gab auf der anderen Seite immer wieder Kritiker, die Sie als launisch und Ihre Leistungen als wechselhaft beschrieben haben. Welchen Jeff Friesen werden wir in Berlin vorwiegend sehen?

Friesen: Zumindest den, der in jedem Spiel hart arbeitet und nach langer Zeit endlich wieder fit ist. Mehr kann ich nicht versprechen. Alles Weitere muss sich von Spiel zu Spiel zeigen.

SPOX: Wie war das eigentlich für Sie als NHL-Star, in Deutschland durch ein Trainingslager gehen zu müssen, um einen Vertrag zu bekommen?

Friesen: Das war schon in Ordnung. Ich war wirklich dankbar für diese Chance. Alle bei den Eisbären haben es mir wirklich leicht gemacht.

SPOX: Und jetzt mit einigen Wochen Einblick in das deutsche Hockey: Wie gut ist das Level der DEL im Vergleich zur NHL?

Friesen: Ich kann nur für Berlin sprechen: Und ich muss sagen, dass einige unserer Spieler auch in der NHL eine gute Rolle spielen könnten. Insgesamt ist unser Team sehr ausgeglichen. Ich glaube, dass wir das eine oder andere NHL-Team ärgern könnten.

SPOX: Warum haben Sie nur einen Einjahresvertrag? War das Ihre Entscheidung?

Friesen: Ich glaube nicht, dass eine der beiden Seiten über das eine Jahr hinaus blicken wollte. Jetzt schauen wir erstmal, wie es läuft - alles andere kommt dann automatisch.

SPOX: Etwa ein Comeback in der NHL?

Friesen: Das weiß man nie. Es passieren verrückte Dinge, aber wenn ich hier Erfolg haben will, muss ich mich voll auf Berlin konzentrieren.

SPOX: Hatten Sie eigentlich Gelegenheit, die anderen DEL-Teams unter die Lupe zu nehmen?

Friesen: Bisher habe ich in einem Freundschaftsspiel nur gegen Wolfsburg gespielt. Das hat mir ein ganz gutes Gefühl dafür gegeben, wo wir stehen. Aber was mich in den kommenden Wochen von anderen Teams erwartet, weiß ich nicht.

SPOX: Zum Auftakt geht es nach Kassel. Sind Sie vor Ihrem ersten offiziellen Auftritt nach über einem Jahr nervös?

Friesen: Eigentlich nicht. Aber vor dem ersten Freundschaftsspiel war ich es schon. So nervös war ich lange nicht mehr.

SPOX: Ich muss ja sagen, dass ich niemals gegen Berlin wetten würde. Mein Kollege dagegen hat auf Mannheim als Meister gesetzt. Bitte erklären Sie ihm, warum das nicht passieren wird.

Friesen: Wie gesagt, ich habe Mannheim noch nicht gesehen und habe keine Ahnung, wie stark sie sind. Aber wenn ich unser Team anschaue und die Erkenntnisse aus den Testspielen zu Rate ziehe, dann muss ich sagen, dass wir schwer zu schlagen sein werden. Ich bin jedenfalls froh in Berlin zu spielen und nicht in Mannheim.

SPOX: In der DEL gibt es auch eine ganze Menge Ex-NHL-Spieler und haufenweise Kanadier. Gibt es da jemanden, auf den Sie sich freuen?

Friesen: Ich will mich hier nur auf mein Spiel konzentrieren. Ich bin nicht hier, um mich um so etwas zu kümmern. Ich will Erfolg haben. Mit einigen meiner Teamkollegen verstehe ich mich schon ganz gut. Das reicht.

SPOX: Ganz nebenbei: Wollen Sie eigentlich das ganze Jahr über im Hotel wohnen bleiben?

Friesen: (lacht) Nein, nein! Ich bin schon auf der Suche nach einer Wohnung.

SPOX: Eine Frage hätte ich noch: Sie hatten schon eine ganze Reihe Trikotnummern. Jetzt in Berlin tragen Sie die 39, genau wie zu Anfang Ihrer Karriere. Warum?

Friesen: Mit der 39 verbinde ich einfach eine tolle Zeit und einige meiner schönsten Jahre. Dass ich in Anaheim und in New Jersey andere Nummern hatte, lag daran, dass die jeweiligen Manager mir einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Aber die 12, mit der ich den Stanley Cup für die Devils gewonnen habe, wäre auch okay gewesen. Nur war die sowieso schon besetzt.

Der SPOX-DEL-Check

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