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Eishockey

Jagr gegen Kanada

Von Florian Regelmann
Ein Duell mit Jaromir Jagr und den Tschechen steht dem deutschen Team zunächst nicht bevor
© Getty

Kanada geht als großer Favorit in die WM in der Schweiz, aber die Tschechen um Superstar Jaromir Jagr planen den Angriff auf Gold.

Außerdem: Schweden und die USA haben große Probleme, die Schweiz peilt eine Medaille an und Deutschland gehört in die Top 8.

1. Kanada

Top-Stars: Dany Heatley, Jason Spezza, Martin St. Louis

Im letzten Jahr zerstörte Russland im Finale in der Overtime den Traum der Kanadier, bei der Heim-WM Gold zu holen. In der Schweiz zählt für das Mutterland des Eishockeys nur eins: Die Goldmedaille muss zurück nach Kanada.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Coach Lindy Ruff (Buffalo) eine herausragende Mannschaft zusammengestellt. Im Tor steht der 39-jährige Veteran Dwayne Roloson (Edmonton). Rolie konnte die Oilers zwar nicht in die Playoffs führen, aber an ihm lag es nicht. Roloson spielte eine ganz starke Saison. Mannheims Keeper Fred Brathwaite ist hinter Josh Harding (Minnesota) als Nummer drei mit dabei.

Im Sturm kann sich Kanada bedanken, dass Ottawa so ein schlechtes Jahr hatte. So stehen Dany Heatley, Jason Spezza und Mike Fisher zur Verfügung. Dazu kommen Stars wie Martin St. Louis (Tampa Bay), Derek Roy (Buffalo) oder Shane Doan (Phoenix). Besonders zu beachten sind auch drei Superstars-in-the-making: Steven Stamkos (Tampa Bay) im Sturm, Drew Doughty (Los Angeles) und Luke Schenn (Toronto) in der Verteidigung.     

2. Tschechien

Top-Stars: Jaromir Jagr, Marek Zidlicky, Ales Hemsky

Die Tschechen haben zwei enttäuschende WM-Jahre hinter sich: Einmal Siebter und einmal Fünfer. Das kann so eine große Eishockey-Nation nicht auf sich sitzen lassen. Ein Mann soll Tschechien noch mal zu Gold führen: Jaromir Jagr.

Der 37-Jährige trägt zum ersten Mal seit den Olympischen Spielen von Turin 2006 wieder das Nationaltrikot und könnte der Star der WM in der Schweiz werden. Falsch, er könnte nicht, er wird der große Star werden. Trainer Vladimir Ruzicka hat aber auch neben Jagr noch einiges an Firepower im Kader. Von der blauen Linie sorgt Wild-Verteidiger Marek Zidlicky für Torgefahr und vorne stürmen neben Jagr Klasse-Leute wie Ales Hemsky und Ales Kotalik (beide Edmonton) oder die Florida-Kombo Michael Frolik/Rostislav Olesz.  

Ein Fragezeichen gibt es auf der Torhüter-Position. Eine klare Nummer eins ist nicht ersichtlich. Lukas Mensator oder Jakub Stepanek haben aber das Zeug, eine starke WM zu spielen.     

3. Russland

Top-Stars: Ilya Kovalchuk, Alexander Frolov, Ilya Bryzgalov

15 lange Jahre musste Russland auf einen WM-Titel warten, dann war es im letzten Jahr soweit, als Ilya Kovalchuk in der Verlängerung den Siegtreffer schoss. Der Titelverteidiger gehört selbstverständlich auch in der Schweiz wieder zu den großen Favoriten.

Problem: Die beiden Russen, die in Kanada zum All-Star-Team gehörten, sind - Stand heute -  (noch) nicht verfügbar: Alexander Ovechkin und Goalie Evgeni Nabokov sind in den NHL-Playoffs beschäftigt.

Dennoch hat Russland eine Truppe zusammen, die die "Mission Gold" wieder in Angriff nehmen kann. Neben Kovalchuk werden im Angriff unter anderem Alexander Frolov (Los Angeles), Aleksey Morozov oder Danis Zaripov (beide Kazan) wirbeln. In der Defense stehen mit Anton Volchenkov (Ottawa), Denis Grebeshkov (Edmonton) und Dmitry Kalinin (Phoenix) drei NHL-Stars bereit, und im Tor will Ilya Bryzgalov (Phoenix) den Kasten sauber halten. 

4. Finnland

Top-Stars: Pekka Rinne, Petteri Nummelin, Niklas Hagman

Bronze 2006, Silber 2007, Bronze 2008 - was kommt jetzt für die Finnen? Auch Gold ist nicht ausgeschlossen. Unter den Top-Nationen stellt Finnland traditionell die homogenste Truppe.

Auch in diesem Jahr hat Finnland keine Mannschaft, die einen von den Namen her in Ehrfurcht erstarren lässt. Kein Selänne, kein Jokinen - insgesamt nur wenige NHL-Stars. Dennoch: Wer die Finnen abschreibt, macht einen großen Fehler.

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Drei Gründe: 1. Einen NHL-Star hat Finnland, und der steht im Tor. Pekka Rinne hat eine formidable Rookie-Saison (sieben Shutouts) in Nashville hinter sich und könnte der beste Goalie des Turniers werden. 2. Petteri Nummelin. Der Verteidiger konnte sich zwar in der NHL nie so richtig durchsetzen, aber auf internationaler Bühne gibt es kaum einen besseren Offensiv-Verteidiger. 3. Im Sturm verfügt man über vier ausgeglichene Reihen und mit Niklas Hagman (Toronto) und Jarkko Immonen (Jyväskylä) über Leute, die ein Spiel alleine entscheiden können.

5. Schweiz

Top-Stars: Martin Gerber, Mark Streit, Julien Sprunger 

Uwe Krupp hat es im SPOX-Interview betont: Die Schweiz ist reif, in den Kreis der Großen einzudringen und um die Medaillen mitzuspielen. Kommt das Team von Coach Ralph Krueger mit dem Druck klar, ist das Halbfinale auf jeden Fall möglich. Zum letzten Mal erreichte man die Vorschlussrunde 1998, auch damals bei einer Heim-WM.

Krueger steht in der Schweiz im Kreuzfeuer der Kritik, weil er aus persönlichen Gründen auf starke Spieler wie Reto von Arx, Michel Riesen oder Marcel Jenni verzichtet, aber der Deutsch-Kanadier hat auch so eine Mannschaft geformt, die höchsten Ansprüchen genügt.

Im Tor steht Martin Gerber, der sich nach einem schwierigen Jahr in der NHL mit einer herausragenden WM für einen neuen Vertrag empfehlen will. Empfehlen muss sich Mark Streit nicht mehr. Der Verteidiger der New York Islanders ist wohl der größte NHL-Star, den niemand kennt. In den letzten beiden Jahren verbuchte Streit in der NHL 118 Scorerpunkte (29+89) - Streit ist ein Superstar, Punkt. Im Angriff setzt Krueger auf vier ausgeglichene Linien. Läuferisch verkörpert die Schweiz Extraklasse. Mit Julien Sprunger hat man einen Goalgetter, der den Sprung in die NHL machen wird.

6. Schweden

Top-Stars: Loui Eriksson, Mattias Weinhandl, Tobias Enström

Das schwedische Team hat so gut wie nichts mit dem Team zu tun, das 2006 in einem Jahr Weltmeister und Olympiasieger wurde. Coach Bengt-Ake Gustafsson kennt das jetzt schon: Vor einer WM hagelt es Absagen der NHL-Stars. Weil sie nicht können (NHL-Playoffs), verletzt sind oder schlicht keine Lust haben.

Mehr als das Viertelfinale scheint in der Schweiz kaum drin zu sein. Im Sturm ruhen die Hoffnungen auf Loui Eriksson (36 Tore für die Dallas Stars), Mattias Weinhandl (Dynamo Moskau), Tony Martensson (Kazan) oder auf dem jungen Sniper Johan Harju aus Lulea.

Während die Abwehr um den ewigen Kenny Jönsson und Tobias Enström (Atlanta) solide aufgestellt ist, gibt es ein Riesen-Problem im Tor. Weder Johan Holmqvist noch Stefan Liv machten in der Vorbereitung einen guten Eindruck. Wenn doch nur die Rangers ausscheiden würden und Henrik Lundqvist kommen könnte...    

7. USA

Top-Stars: Jason Blake, Drew Stafford, Dustin Brown

Die USA waren erst zweimal Weltmeister, die letzte Medaille (Bronze 2004) ist auch schon eine Weile her und auch diesmal wird es nichts werden. Sorry, US-Boys. Aber im letzten Jahr scheiterte man mit einer guten Truppe im Viertelfinale an Finnland, warum sollte man mit einem deutlich schlechteren Kader in der Schweiz weiterkommen?

Im Tor vertraut man wie im letzten Jahr auf Robert Esche (St. Petersburg), als Ersatz steht der junge Al Montoya (Phoenix) bereit. Insgesamt ist das US-Team talentiert, aber eben auch äußerst jung. 12 der bislang 19 gemeldeten Spieler sind 25 Jahre oder jünger. In der Offense wird viel von Oldie Jason Blake (35, Toronto), Drew Stafford (Buffalo), Dustin Brown (Los Angeles) und Kyle Okposo (New York Islanders) abhängen. 

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die USA scheinen schlagbar. Auch für Deutschland.

8. Deutschland

Top-Stars: Jochen Hecht, Christoph Schubert, Michael Wolf

Deutschland hat gute Chancen, zu den Top 8 zu gehören. Die Slowakei ohne Marian Gaborik, Marian Hossa, Pavol Demitra, Miroslav Satan oder Lubomir Visnovsky ist nicht besser als das Team von Uwe Krupp.

Das deutsche Problem: Die Gruppen-Konstellation ist so, dass Deutschland nicht die Slowakei schlagen muss, um ins Viertelfinale einzuziehen. Die DEB-Auswahl bekommt es mit Russland und der Schweiz in der Vorrunde zu tun, danach aller Voraussicht nach mit Schweden und den USA. Heißt: Einen von diesen Vieren muss man hinter sich lassen, wenn es mit dem Viertelfinale klappen soll. Die größten Chancen gibt es wohl noch gegen die USA.

Vor allem, wenn Jochen Hecht und Christoph Schubert ihren NHL-Frust in eine gute WM umwandeln können. Wenn Dimitri Pätzold einen Sahne-Tag erwischt und Deutschlands wichtigste Sturm-Reihe (Gogulla, Hackert, Wolf) trifft, dann ist eine Überraschung absolut möglich. Ansonsten kann es gut sein, dass Deutschland zwar eigentlich zu den Top 8 zählen würde, aber dennoch die Slowakei im Viertelfinale steht... 

Alexander Barta stellt das deutsche Team vor

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