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Eishockey

Eine Tormaschine namens Wolf

Von Florian Regelmann
DEL, Iserlohn, Wolf
© Getty

München - Wird in diesen Tagen die Frage nach dem besten Spieler in der DEL gestellt, nicht nur nach dem besten Deutschen sei angemerkt, so kann es nur eine Antwort geben: Michael Wolf.

Ein Blick auf die aktuellen Statistiken genügt. Wolf hat in den ersten 14 Saisonspielen 19 Tore erzielt - eine sensationelle Quote. Vergangenes Wochenende netzte er in zwei Spielen gleich fünf Mal ein.

Im Statistik-Land Amerika gibt es in so einem Falle gerne die Rechnung "on pace for", kurzum: Wenn Wolf in diesem Tempo durch die gesamte Saison kommen würde, wäre er am Ende nach 60 Saisonspielen bei über 80 Toren angelangt.

Krupp schwärmt 

Natürlich nur ein Rechenspiel, aber es zeigt, in welcher Ausnahmeform sich der 26-Jährige befindet. Die großen Stärken von Wolf hat Bundestrainer Uwe Krupp im Interview mit SPOX.com beschrieben.

"Als erstes sein unermüdlicher Kampfgeist. Das Ausschlaggebende bei Michael ist, dass seine Tore die Konsequenz sind aus allen anderen Sachen, die ihn ausmachen. Er ist kein typischer Torjäger, der lauert oder im Slot auf seine Chancen wartet, sondern er ist einer, der sich die Scheibe erkämpft, sie aus der Zone rausholt, Doppelpass spielt und dann frei vorm Torwart ist", schwärmt Krupp.

"Das ist eine andere Weise, als Torjäger zu spielen im Vergleich zu jemandem, der immer gefunden werden muss. Michael ist sehr vielseitig, er kann in Unterzahl eingesetzt werden, er blockt Schüsse, sein Spiel hat viele Dimensionen." Wolf ist ein Traum für jeden Trainer, derzeit insbesondere für Roosters-Coach Rick Adduono.

Wolf bleibt in Iserlohn 

Dieser darf sich auch über die laufende Saison hinaus über Tore seiner Nummer 13 freuen. Wolf verlängerte kürzlich seinen Vertrag in Iserlohn vorzeitig um zwei weitere Spielzeiten. "Das Gesamtpaket stimmt einfach in Iserlohn. Ich bekomme hier viel Eiszeit und will mit den Roosters noch einiges erreichen", so Wolf im Gespräch mit SPOX.com.

Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass Wolf finanziell etwas bessere Angebote ausschlug, aber wer den gebürtigen Füssener kennt, weiß um seine Bodenständigkeit. Iserlohn tat im Rahmen der Möglichkeiten alles, um Wolf zu zeigen, wie gerne man ihn im Sauerland halten würde. "Ich fühle mich sehr wohl hier. Die Leute, das Umfeld, es passt alles. Iserlohn hat mich immer unterstützt."

Iserlohn mehr als ein Playoff-Kandidat 

Angeführt von Wolf könnten die Roosters die Überraschung der DEL-Saison werden. Das Zeug dazu haben sie. In Iserlohn wird seit Jahren kontinuierlich gute Arbeit geleistet und man nähert sich Schritt für Schritt der Spitze. Schon diese Saison soll in der modernisierten Eissporthalle am Seilersee Playoff-Eishockey zu sehen sein.

Wolf: "Seit ich in Iserlohn bin, haben wir jedes Jahr eine bessere Mannschaft. Diese Saison sind die Playoffs ganz klar die Zielsetzung."

Mit einem Wolf in Gala-Form sowieso. Der Flügelstürmer bleibt aber bescheiden. "Ich habe so gute Mitspieler, ob das jetzt Robert Hock, Brad Tapper oder Bob Wren ist. Da schießt man halt mal ein paar Tore".

Wolfs verspäteter Durchbruch  

Vor vier Jahren hätte wohl niemand eine derartige Entwicklung vorausgesagt. Auch Wolf nicht: "Dass es so gut läuft wie jetzt, hätte ich nicht gedacht". Er verbrachte drei unauffällige Jahre in der zweiten Liga in Bietigheim, bevor ein Wechsel nach Essen den Startschuss zum Durchbruch gab.

Wolf wurde in Essen zu einem der Top-Scorer im Unterhaus, brach aber nach nur einer Saison seine Zelte ab und wechselte nach Iserlohn - und wie. 37 Scorerpunkte (20 Tore/17 Assists) ließ er vergangene Saison 38 (17/21) folgen. Wolf spielte sich in den Vordergrund und in Krupps Notizbuch.

Überragende WM: Wolf im Kreis der NHL-Stars 

Dieser nahm ihn folgerichtig mit zur Weltmeisterschaft nach Russland. Ein Turnier, das Wolf dafür nutzte, sein Können auch auf internationaler Bühne eindrucksvoll zu demonstrieren. Fünf Tore und acht Scorerpunkte machten Wolf nicht nur zum überragenden deutschen Akteur, er reihte sich nahtlos ein unter die Besten der Besten.

Unter den Spielern, die fünf Mal trafen, befanden sich die Namen Jewgeni Malkin, Marian Gaborik, Eric Staal, Alexander Frolow, Shane Doan und eben auch Michael Wolf.

"Es reicht nicht"

Wer bei einer WM so auf sich aufmerksam macht, der muss eigentlich auch ein Kandidat für die NHL sein. Sicherlich hat Wolf mit seinen 1,78-Meter-Körperlänge kein Gardemaß, aber das hat auch beispielsweise Martin St. Louis nicht daran gehindert, vergangene Saison 102 Punkte zu markieren. Zumal Wolf mit seiner Spielweise perfekt in die neue NHL passen könnte.

Aber Wolf will davon nichts hören. Wie sehr seine Bescheidenheit womöglich einem weiteren Karrieresprung im Weg stehen könnte, zeigt vor allem das Thema NHL.

"Natürlich ist Amerika für jeden ein Traum, aber ich glaube, dass es körperlich und spielerisch dafür nicht reicht." Und das aus dem Mund einer Tormaschine.

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