"Wissen nicht einmal, wo Lettland liegt"

Janis Strelnieks gewann 2015 mit den Brose Baskets Bamberg die Meisterschaft
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SPOX: Lassen Sie uns über Bamberg sprechen. Mit Nikos Zisis haben sie einen Veteranen hinzubekommen, der schon eine Menge Titel gewonnen hat. Ist er derjenige, der im Laufe der Saison den Unterschied ausmachen wird?

Strelnieks: Ja, so einen Spieler haben wir gebraucht. Er ist einfach so clever als Point Guard. Mit seiner Erfahrung hilft er uns in jeder Situation. Er bleibt auch in kritischen Situationen ruhig. Er ist der wichtigste Spieler im Team.

SPOX: Es ist auffällig, dass die Guards in Bamberg alle recht groß sind. Wie wirkt sich das auf das Spiel aus?

Strelnieks: Das gibt uns viele Möglichkeiten. Wir können im Low Post spielen oder von außen attackieren. Es ist nun mal besser, größer als kleiner zu sein. (lacht) Brad (Wanamaker, Anm. d. Red.) spielt gerne Inside Out, Zisis hat eine unglaubliche Courtvision. Er haut teilweise Pässe raus, da frage ich mich: "Wie macht er das?" Wir Guards stehen häufig zusammen auf dem Feld. Unser Coach mag es, wenn mindestens zwei gute Ballhandler auf dem Court stehen, die den Ball verteilen können, oder über das Pick-and-Roll kommen. Das ist für die Gegner schwieriger zu verteidigen. Wir haben eine gute Teamchemie und das macht uns zu einem guten Team.

SPOX: Sie spielen in diesem Jahr mit einer tieferen Rotation. Gibt es da eigentlich genug Minuten für alle?

Strelnieks: Wir konnten uns ja darauf einstellen. Es gibt immer Spiele, in denen du weniger zum Einsatz kommst und dann wieder Spiele, in denen du mehr Minuten siehst. Das hängt natürlich von der Situation ab, aber unser Coach sagt, dass alles mit der Defense anfängt. Wenn du gute Defense spielst, stehst du auch auf dem Feld. Er mag es lieber, wenn er dich auswechseln muss, weil du vom Verteidigen müde bist, anstatt dich nach Fehlern rauszunehmen. Daher sollen wir lieber um die Auswechslung bitten, uns zwei Minuten ausruhen und dann zurück ins Spiel gehen. Die Saison ist lang, jeder wird seine Minuten bekommen. Das ist kein Problem.

SPOX: Bamberg steht in der schweren Euroleague-Gruppe D ganz gut da. Nachdem Alba Berlin im letzten Jahr knapp an den Playoffs gescheitert ist, ist es für Sie jetzt eine Extra-Motivation das zu schaffen und damit das erste deutsche Team zu sein?

Strelnieks: Ich würde nicht sagen, dass es eine Extra-Motivation ist. Auch wenn Alba es geschafft hätte, wäre es großartig für uns, dort zu spielen. Das würde bedeuten, dass wir es ins Top 16 schaffen und weitere 14 Spiele auf hohem Niveau haben werden. Das will jeder von uns. Darum geht es doch. Wenn du in Europa spielst, willst du so lange wie nur möglich in der Euroleague dabei sein.

SPOX: Sie spielen in vielen verschiedenen Städten und Hallen in Europa. Haben Sie außer der brose ARENA eine Lieblingsarena in Europa?

Strelnieks: Ich habe zwar in der Euroleague noch nie gegen Zalgiris Kaunas gespielt, aber als ich noch bei Budivelnyk Kiev gespielt habe und der Krieg in der Ost-Ukraine ausbrach, haben wir unsere Heimspiele im Eurocup in der Kaunas-Arena ausgetragen und die Halle ist mein Favorit. Ich habe mich da sehr wohl gefühlt und es hat sich jedes Mal super angefühlt, die Halle zu betreten. Ich hoffe, dass wir irgendwann mal gegen Kaunas spielen.

SPOX: Gerade in Südeuropa ist die Atmosphäre in den Arenen oft hitzig. Beeinflusst Sie das irgendwie?

Strelnieks: Ich habe jetzt schon zwei Mal in Belgrad gespielt. Wenn dir da 25.000 Fans den Stinkefinger zeigen, kann dich nichts mehr überraschen. Ich habe auch schon bei Fenerbahce gespielt, ich bin also abgehärtet. Im Grunde ist es eine Extra-Motivation, die buhende Masse mit einem Treffer zum Schweigen zu bringen.

SPOX: Ihr Coach ist auch ein sehr emotionaler Trainer. Realisieren Sie es im Spiel eigentlich, wenn er an der Seitenlinie tobt?

Strelnieks: Du gewöhnst dich daran. Als ich in Russland gespielt habe, hatte ich einen slowenischen Coach (Jure Zdovc, Anm. d. Red.), der auch sehr emotional war. Ich habe mir angewöhnt, mein Spiel davon nicht beeinflussen zu lassen. Aber natürlich ist es schon so, dass er deinen Namen ruft, wenn du etwas falsch gemacht hast. Du hörst dann zu, versuchst den Fehler aber direkt abzuschütteln und fokussierst dich wieder auf das Spiel.

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SPOX: Wie würden Sie Coach Trinchieri charakterisieren?

Strelnieks: Wenn du ihn brauchst, ist er immer für dich da. Das gilt auf dem Court, aber auch abseits davon. Er kann auch mal schroff sein, aber er will einfach, dass du ihm zuhörst. Er will dir schließlich nichts Schlechtes, sondern will dir etwas beibringen. Ab und zu ist er vielleicht zu emotional, aber das ist normal in Europa. Es gibt hier viele Trainer, die mit sehr vielen Emotionen coachen. Bei ihm kannst du nicht nur Dinge im Basketball lernen, sondern auch für das Leben. Er ist ein großartiger Coach, ich liebe es für ihn zu spielen.

Seite 1: Strelnieks über Lettlands Dream Team und Kristaps Porzingis

Seite 2: Strelnieks über Bambergs Guard-Rotation und hitzige Euroleague-Hallen

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