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ANZEIGE: Ein Mentor in schwierigen Zeiten: Wie Ex-Nowitzki-Kollege Misan Haldin seine Berufung fand

Von SPOX
Haldin ist froh, wenn er mit seinen Rookies endlich wieder auf den Basketballplatz zurückkehren darf.

2002 sorgte Misan Haldin bei der Basketball-WM für Aufsehen und durfte auf eine Zukunft in der NBA hoffen, zehn Jahre später endete seine Karriere abrupt. Seitdem dient als er Mentor für Kids in der Berliner Basketball-Szene und hat nun die Little Rookie Basketball Skill Development ins Leben gerufen.

Indianapolis, 29. August 2002: Elegant, beinahe katzenartig, gleitet der junge Mann mit dem schwarzen Stirnband und den blondierten Haarspitzen über das Parkett, umkurvt zwei Kontrahenten, schraubt sich leichtfüßig in die Höhe und stopft das orangefarbene Spielgerät wuchtig in den dafür vorgesehenen Korb. Ein Dunk, der einer Naturgewalt gleichkommt, ein Dunk, der vor allem aufgrund einer Tatsache sämtliche Zuschauer im RCA Dome in Ekstase versetzt: Der Protagonist hatte mit seinen 1,92 Meter den chinesischen NBA-Riesen Yao Ming (2,29 Meter) übersprungen.

Eine Szene der Basketball-WM 2002, mit der Misan Haldin, der damals noch den Nachnamen seines nigerianischen Vaters Nikagbatse trug, im Laufe der Jahre immer wieder konfrontiert wurde. "Yao kam einfach nur einen Schritt zu spät", sagte er dann beispielsweise ganz nüchtern. Er habe den Hype um die Aktion nie richtig verstanden, immerhin habe er während seiner Karriere "viel krassere Dunks" gezeigt.

Haldin schaffte es immer wieder, Bescheidenheit und grenzenloses Selbstbewusstsein in einen Satz zu verpacken. Er gab sich bisweilen selbstkritisch, beharrte aber zeitgleich darauf, dass er über ausreichend Talent verfüge, um sich in der NBA zu etablieren. Diesbezüglich erhielt er sogar Unterstützung von seinem Nationalmannschaftskollegen Dirk Nowitzki, der bei jener Weltmeisterschaft zum treffsichersten und wertvollsten Spieler avancierte. "Misan kann es in die NBA schaffen, man muss sich nur seine Ballbehandlung und Bewegungen anschauen", lobte Nowitzki damals.

Während Nowitzki bei den Dallas Mavericks nach und nach Heldenstatus erlangte, 2011 erheblichen Anteil an der ersten Meisterschaft der Franchise-Geschichte hatte und in der Liste der Spieler mit den meisten NBA-Punkten hinter einem gewissen Michael Jordan auf Platz sechs rangiert, schaffte Haldin nicht den Sprung in die berüchtigte US-Beletage. Statt in Übersee Fuß zu fassen, baute der gebürtige Berliner vornehmlich in Italien und Deutschland seine Karriere auf - länger als ein Jahr blieb er seinen Arbeitgebern allerdings nie erhalten, dazu haftete ihm medial ein gewisses Bad-Boy-Image an.

"Es liegt wohl an meiner gesamten Erscheinung. Das fängt bei meinem Aussehen an: Ich bin der Sohn eines Nigerianers und einer Finnin, der so schon auffällt und mit 15, 16 Jahren schon auffällige Frisuren hatte. Dazu die Tattoos, das Stirnband", sagte Haldin im Interview mit SPOX im August 2011, kurz nachdem er sich den Gießen 46ers angeschlossen hatte. Er führte aus: "Und die Geschichten über meinen schwierigen Familien-Background, die Kindheit in Berlin-Neukölln. Die Leute waren ohnehin eingeschüchtert von mir, und dann hat dieser Vogel auch noch basketballerisch was drauf. Das alles führte dazu, dass ich in der krassen Ecke gelandet bin."

Haldin: Karriereende?: "Basketball hatte mich im Stich gelassen"

Rund zehn Jahre nach dem aufsehenerregenden Dunk gegen Yao Ming beendete Haldin seine Profibasketball-Karriere, auch bei den 46ers hatte sich kein langfristiges Arbeitsverhältnis ergeben. Das Ende sei abrupt gewesen, verrät er im Gespräch mit dem Sportartikelhersteller Nike. "Meine Karriere wurde nicht ganz handelsüblich beendet. Es ist nicht so, dass ich die Basketballschuhe an den Nagel hängen wollte." Haldin schiebt nach: "Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte, weil Basketballspielen das einzige war, was ich kannte und wollte. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, dass der Basketball mich im Stich gelassen hatte."

Doch dieses Gefühl sollte nicht allzu lange anhalten, schon bald stand Haldin in anderer Funktion wieder auf dem Court - als ein Mentor und Coach für Berliner Kids. "Zum Coaching bin ich damals durch Zufall gekommen, als ein Bekannter mich gefragt hat, ob ich seinen achtjährigen Sohn trainieren könnte." Der mittlerweile 37-Jährige sagte zu, obwohl er bis dato nie darüber nachgedacht habe, als Coach zu arbeiten. "Ich hatte Kinder zuvor noch nicht im Basketball trainiert", sagt er und ergänzt: "Die Arbeit hat mir aber so viel Spaß gemacht und es gab immer mehr Anfragen. Daraus ist Little Rookie Basketball Skill Development entstanden."

Weil er selbst einen klassischen Mentor vermisst habe, als er sich im Jugendalter dazu entschied, Basketballer zu werden, machte er es sich fortan zur Aufgabe, mit seinem Programm Kinder und Jugendliche mit seiner Profiexpertise zu unterstützen. "Es war keine direkte Entscheidung, ein Mentor zu werden", sagt er. "Man könnte fast sagen, es war ein Zusammenspiel von Ereignissen - vielleicht sogar eine Berufung? Durch das Training mit den Kindern ist es irgendwie dazu gekommen, dass sie und ihre Eltern mich vermehrt als Mentor gesehen haben.

Das von Haldin ins Leben gerufene Programm geht dementsprechend über das reine Training mit basketballaffinen Kindern hinaus. "Ich versuche, den Kindern die wichtigsten Tools zu vermitteln, mit denen sie nicht nur im Sport, sondern auch im Leben zurechtkommen werden", erklärt er. "Sei es Pünktlichkeit, Loyalität, Engagement oder Zielstrebigkeit. Wir versuchen, ein Fundament zu schaffen, womit die Kinder auch ihren Alltag bewältigen und ihre Träume verwirklichen können."

Haldin gibt seine Einstellung an Rookies weiter

Ein Alltag, der aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundenen Restriktionen mächtig durcheinandergewirbelt wurde. "Gerade in der jetzigen Situation habe ich festgestellt, wie wichtig Sport für die Gesellschaft und meine Rookies ist und wie sehr die Möglichkeit, Sport zu machen, Körbe zu werfen oder Tore zu schießen, den Kindern fehlt", sagt Haldin mit Blick auf die derzeitige Gemengelage, die seit einigen Wochen Kontaktsportarten verhindert. Umso wichtiger sei es, vor allem in diesen unsteten Zeiten, im übertragenen Sinne am Ball zu bleiben: "Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um aufzugeben. Jetzt pushen wir uns noch härter", betont Haldin. "Damit wir nach der Krise wieder in Teams und physisch miteinander Vollgas geben können."

Dass Aufgeben für den Ex-Nationalspieler nie eine Option war, zeigt sein eigener Weg: Als er noch klein war, wurde ihm von seinen Ärzten gesagt, dass er nie in der Lage sein werde, Sport auf professionellem Niveau zu treiben. Allen dunklen Prophezeiungen zum Trotz, versuchte Haldin sich in verschiedenen Sportarten, ehe er im Basketball seine sportliche Heimat, ja sogar eine Art Religion fand.

Die Einstellung, immer an sich selbst zu glauben, versucht er nun an die Kinder weiterzugeben - momentan ganz besonders. "Struggle is process, believe in yourself - mit dieser Einstellung versuche ich unseren Rookies zu vermitteln, dass sie nicht bei der ersten Hürde aufgeben sollen. Im Sport oder im sportlichen Wettkampf entstehen häufig Situationen, die einen angehenden Profi aus der Bahn werfen. Diese Rückschläge gehören dazu. Wir sollten und müssen aus ihnen lernen."

Um zu gewährleisten, dass seine Rookies aktiv bleiben können, organisierte Haldin sein Training auf virtuellem Wege. "Wir konzentrieren uns neben basketballspezifischen Übungen auf Stabilität und Mobilisation", sagt Haldin. "Mit meinen Rookies und der Basketball-Community bin ich in stetigem Austausch zu allen Themen: Home Workouts, Tipps oder schlichtweg Motivation." Auch individuell pflegt Misan seinen Körper und Geist: "Nach langer Suche habe ich endlich einen Personaltrainer gefunden, mit dem ich in dieser schwierigen Zeit zum Glück online trainieren kann."

Haldin lobt Nike-Kampagne: "Stärkt Zusammengehörigkeit"

Neue Zeiten, erfordern neue Methoden - frei nach Motto "Du tust es nie nur für Dich", das bereits als Leitspruch des deutschen Kapitels der Just Do It-Kampagne von Nike diente, bietet das US-Unternehmen verschiedene Support Tools für die Community an - vom virtuellen Nike Living Room Cup bis hin zu Workout Schedules auf dem lokalen Instagram Kanal @nikeberlin.

Eine Idee, die Haldin ausdrücklich begrüßt: "Ich finde es toll, dass Nike mit der Unterstützung von vielen Profis und Sportbegeisterten die Community dazu motiviert, in Bewegung zu bleiben und besser zu werden. Außerdem stärkt es trotz der Isolation die Zusammengehörigkeit. Der Bezug zum Sport bleibt weiterhin bestehen und verbindet Menschen, die sonst nicht zusammengekommen wären."

Und auch der neueste Film der "You Can't Stop Us" Kampagne von Nike, eingesprochen von Basketballgröße Lebron James, zeigt einmal mehr, welche Lehren Sport für uns alle bereithält und dass es immer ein Comeback gibt.

Und das fühlt auch Misan. Trotz aller Alternativen ist Haldin froh, wenn er mit seinen Rookies endlich wieder auf den Basketballplatz zurückkehren darf. Ein HipHop/Basketballbash mit einer Berliner Szenegröße sei geplant, sagt er. Auch bezüglich seiner geplanten Basketballcamps besteht ihm zufolge noch Hoffnung. Misan Haldin ist eben ein optimistischer Mensch. So optimistisch, dass er es einst als realistisch erachtete, die chinesische Mauer namens Yao Ming zu überspringen.

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