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Anzeige: Wie Corona den Berliner Kultklub Türkiyemspor veränderte

Von SPOX
Murat Dogan der Abteilungsleiter Frauenfußball bei Türkiyemspor Berlin.

Corona hat die Welt in ihren Grundfesten erschüttert. Wie sehr der Amateur-Fußball mit der Krise zu kämpfen hat, erzählt Türkiyemspor-Funktionär Dogan.

Murat Dogan ist ein alter Hase im bisweilen rauen Berliner Fußballgeschäft, ein sachkundiger Routinier, der während seiner Zeit im Business schon etliche Höhen und Tiefen durchschritten hat. Einer, der sich nicht so leicht aus der Fassung bringen lässt. Normalerweise.

Die Ausmaße der Corona-Pandemie, die den gesamten Globus nach wie vor in Atem hält, die all das, was die Menschen einst als Normalität empfanden, veränderte, stellt aber selbst für den erfahrenen Dogan ein Novum dar. Im Gespräch mit SPOX und Goal schildert der Abteilungsleiter Frauenfußball bei Türkiyemspor Berlin, wie das Virus die kleine Welt des Amateurklubs auf den Kopf gestellt hat. "Die Krise hat uns alles genommen, wir wurden komplett aus unserem Alltag herausgerissen. Alle sozialen Kontakte, ein Grundpfeiler unserer Arbeit im Verein, sind zum Erliegen gekommen", sagt der 43-Jährige.

Er schiebt nach: "Wir vermissen unsere Fußballfamilie, wir vermissen die gemeinsamen Trainingseinheiten, die Spiele, die sportlichen Auseinandersetzungen mit unseren Gegnern, die menschlichen Zuwendungen, die Aufmerksamkeit und alles, was den Amateurfußball ausmacht." Dabei machen nicht nur die gesellschaftlichen und sportlichen Komponenten den Kreuzbergern zu schaffen, auch aus monetärer Sicht ist die Zwangspause mit erheblichen Einbußen verbunden.

"Finanziell hat es uns hart getroffen, viele Sponsoren und Unterstützer haben ihre Zahlungen eingestellt und leider auch einige Mitglieder. Zum Glück sind es aber hier nicht zu viele", verrät Dogan und ergänzt: "Wir haben zudem finanzielle Unterstützung von Nike bekommen, wofür wir sehr dankbar sind. Dies ermöglicht uns, die nötigsten Zahlungen auszuführen und weiterhin für die Zukunft planen zu können." Dass der US-amerikanische Sportartikelhersteller dem Klub unter die Arme greift, hängt eng mit Türkiyemspors sozialem Engagement zusammen, bereits im vergangenen Jahr war insbesondere die Frauen-Mannschaft elementarer Bestandteil des deutschen Kapitels der "Just Do It-Kampagne" von Nike.

DFB-Präsident Fritz Keller: Türkiyemspor "ein Leuchtturm für Integration"

Türkiyemspor gilt seit Jahrzehnten als Paradebeispiel für gelebtes Miteinander und setzt sich vehement für Solidarität, Integration und gegen Ausgrenzung ein. DFB-Präsident Fritz Keller, der vor einigen Monaten im Türkiyemspor-Vereinsheim das neue, überarbeitete Integrationskonzept des Verbandes vorstellte, adelte den Verein damals als "Leuchtturm für Integration sowie für Frauen- und Mädchenfußball."

Der Hintergrund: 2004 etablierte Dogan eine Frauenmannschaft bei Türkiyemspor, die sich seither nicht nur zum fußballerisch ambitionierten, sondern vor allem zum sozialpolitischen Flaggschiff der Berliner gemausert hat. "Türkiyemspor ist kein reicher Verein, aber er steht

für viel mehr als nur Fußball. Um unsere Vision von Diversität und Inklusion von und für alle aktuell und auch in Zukunft weiterzuverfolgen, packen jetzt schon alle ehrenamtlich an", erklärt Dogan.

So schwer die Social-Distancing-Zeiten auch wiegen, Türkiyemspor versucht weiterhin optimistisch zu bleiben und die Werte weiterzuleben, für die sie stehen. Denn gänzlich auf Kontakt müssen die Protagonisten während der Corona-Einschränkungen nicht verzichten. "Wir bieten Trainingseinheiten über digitale Medien an und machen regelmäßig verschiedene Challenges, um in Kontakt zu bleiben. Somit sind alle auch ein bisschen abgelenkt und beschäftigt. Zudem bieten ältere Spieler*innen den jüngeren Nachhilfeunterricht für die Schule an", sagt Dogan.

Letzteres hat bei Türkiyemspor beinahe schon Tradition. "Abla", türkisch für große Schwester, heißt das Programm, das seit einer Sommerausfahrt zum Selbstverständnis des Klubs zählt. Dabei fungieren die älteren Spieler*innen als Unterstützer*innen für die jüngeren - sowohl im Fußball als auch im Alltag. "Erst ging es darum, zu schauen, dass sie zum Beispiel richtig ihr Brot schmieren", sagt Karla Krüger, die in der 1. Damenmannschaft aktiv ist. "Aber wir haben schnell gemerkt, dass die kleinen Mädchen immer zu uns Frauen aufschauen, uns vieles nachmachen. Meine 'kleine Schwester' ist nun schon seit fünf Jahren an meiner Seite und wir machen vieles außerhalb des Platzes gemeinsam."

Türkiyemspor-Damen halten sich mit Nike-Fitnesstrainerin fit

Ein Konzept, das perfekt zu Nikes Leitsatz "Du tust es nie nur für Dich" passt. "Bewege mehr als den Ball, bewege die Welt" prangt passenderweise auf den Trikots der Weltveränder*innen. Wann sie diese endlich wieder auf dem Platz tragen dürfen, ist indes noch völlig unklar. Aber das Team und der Verein bleiben positiv und machen weiter. Nike-Athletiktrainerin Micha Ostergaard hält die 1. Frauenmannschaft via Cyber-Einheiten so fit wie möglich, damit der Tabellenführer der Berlin-Liga sein großes Ziel, nämlich den Aufstieg in die Regionalliga, im Falle einer Fortführung der Saison verwirklichen kann. "Micha ist super, sie bringt das Team ordentlich ins Schwitzen. Da wir noch nicht wissen, wie es fußballerisch weitergeht, müssen wir ja auf alle möglichen Entscheidungen des Verbands vorbereitet sein", sagt Dogan.

Am 20. Juni soll Dogan zufolge ein außerordentlicher Verbandstag für die Berliner Fußballligen stattfinden, auf dem "alle gemeinsam entscheiden werden, wie es weitergeht. Wir hoffen natürlich, dass zu unseren Gunsten entschieden wird." Und wenn nicht? Was, wenn all die Siege und Aufstiegshoffnungen umsonst waren?

"Das kann sicherlich jeder Amateurfußballer*in nachempfinden: bis zum Anfang der Krise haben wir die Tabelle souverän angeführt. Wenn die Saison nun abgebrochen wird und keiner aufsteigen darf, ist dies ein herber Rückschlag für die Mädchen und Frauenabteilung. Wir haben Jahre lang darauf hingearbeitet, um in die Regionalliga aufzusteigen, alles war in dieser Saison diesem Ziel untergeordnet", sagt der Vorsitzende. "Wenn wir nicht aufsteigen dürfen, werden wir aber bestimmt nicht aufgeben, sondern erst recht weitermachen und das Ziel neu anpeilen." Zweckoptimismus in unsteten Zeiten.

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