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FIFA-Weltmeister MoAuba im Interview: "Ich zocke im Jürgen-Klopp-Stil"

FIFA-Weltmeister MoAuba im SPOX-Interview

Ist eSports denn überhaupt ein "richtiger" Sport?

MoAuba: Die einen sagen, es ist kein Sport, die anderen sagen, es ist Sport. Ich kann beide Seiten absolut verstehen. Die junge Generation feiert das ab, sie will, dass es unterstützt wird und weiß auch, wie schwer es ist. Oftmals sind es ältere Menschen, von denen Sätze kommen wie "Die daddeln da ein bisschen und einer ist gut darin, einer nicht", weil sie überhaupt nicht damit aufgewachsen sind. Sie wissen gar nicht, was wir machen. Es ist noch ein langer Weg, aber spätestens wenn jüngere Menschen an die entscheidenden Posten kommen, wird es als Sport anerkannt. Davon bin ich überzeugt.

FIFA zocken als olympische Disziplin. Ja oder Nein?

MoAuba: Auf jeden Fall! Für mich ist es eine Sportart wie andere Sportarten.

Auch Spiele wie League of Legends oder Fortnite, die keine schon bestehende Sportarten simulieren?

MoAuba: Ich spiele grundsätzlich eher Sportspiele wie NBA und FIFA. Ich bin der Meinung, wenn FIFA als Sport anerkannt wird, dann müssen die anderen Spiele auch anerkannt werden. Man benötigt dafür die gleichen Stärken, es ist die gleiche Disziplin und fördert vielleicht sogar noch mehr den Teamgeist als andere Sportarten. Das alte Argument, dass die Spiele gewaltverherrlichend sind, stimmt aus meiner Sicht nicht. Ich habe es auch gezockt und habe mich noch nie auf der Straße geprügelt.

MoAuba: "Mental nimmt es einen sehr mit"

Bei eSports handelt es sich nicht um einen Bewegungssport. Ein Totschlagargument?

MoAuba: Wenn man Sport mit körperlicher Anstrengung definiert, ist eSports kein Sport. Aber Sport ist viel mehr als das. Schach ist schließlich auch eine Sportart, bei der man nur seine Finger bewegt. Man benötigt viel mehr Stärken als körperliche Fitness. Ich habe nicht eine Woche Muskelkater nach einem Turnier, aber mental nimmt es einen sehr mit. Es sind andere Anstrengungen und man braucht andere Fähigkeiten. Man muss sich bewusst machen, was Sport überhaupt ist. Jeder sollte sich das klarmachen und entscheiden, ob es Sport ist oder nicht.

Ist das genau das Problem, dass viele Menschen sich gar nicht damit auseinandersetzen?

MoAuba: Ich kann mir zu 100 Prozent vorstellen, dass ältere Menschen, die in den Medien etwas von eSports sehen, es sofort negativ abstempeln. Deswegen wird es noch dauern, aber es wird ja alles noch größer und besser. Es gibt auch zwischen dem aktuellen Stand und dem vor zwei Jahren schon sehr große Unterschiede. Auch ältere Menschen haben die WM angeschaut und mitgefiebert. Aber Menschen, die nichts mit Sport zu tun haben, nichts mit Fußball und nichts mit Computern, die werden das auch in ein paar Jahren nicht akzeptieren.

Ihrer Oma haben Sie erzählt, Sie seien Fußballer. Denkt sie jetzt, Sie sind Fußball-Weltmeister?

MoAuba: Das stimmt. Sie weiß wahrscheinlich noch gar nichts davon, da sie gerade noch im Urlaub ist. Es ist wirklich unglaublich schwierig, älteren Menschen zu erklären, dass man Playstation zockt und sogar eine WM stattfindet. Wenn ich ein Werder-Bremen-Poloshirt trage und gefragt werde, was ich mache, erzähle ich manchmal, dass ich Jugendspieler in der Bremer U23 bin. (lacht) Die meisten jungen Menschen wissen mittlerweile, was FIFA und eSports ist, aber bei älteren ist das noch ein sehr weiter Weg.

Klar ist, dass auch viele Fußballer gerne zocken. Vor dem Turnier haben Sie Tipps von Marco Reus bekommen. Haben Sie auch Kontakt zu anderen Profifußballern?

MoAuba: Am meisten Kontakt habe ich natürlich zu Werder-Spielern und durch meinen Wohnort zu den Profis von Bochum. Die sehe ich natürlich auch am meisten. Und zu meinem Namensgeber Aubameyang, wir schreiben und zocken auch öfter, mit ihm habe ich einen guten Kontakt. Gegen einige andere Fußballer habe ich aber auch schon gezockt. Viele schreiben einen an, weil sie eine Runde FIFA spielen wollen. Wenn man sich Tipps abholt, sind das meist mentale Tipps. Marco Reus hat mit mir darüber gesprochen, wie er mit Druck umgeht. Er meinte, ich solle mein Ding durchziehen und die Situation gar nicht ausblenden, sondern einfach genießen. Ich bin sowieso ein etwas lockerer Typ. Wenn ich eine Bühne mit vielen Zuschauern sehe, habe ich richtig Bock zu zeigen, was ich kann. Oft spiele ich dann besser, als wenn ich zuhause sitze, weil es nicht so langweilig ist.

Wie kam der Kontakt zu Aubameyang zustande?

MoAuba: Ich weiß es ehrlicherweise gar nicht. Ich glaube, dass Mesut Özil, der auch ein eigenes FIFA-Team hat, ihm das erzählt hat. Einen Tag nachdem ich einen Spieler aus Özils Team geschlagen hatte, hat Aubameyang mich angeschrieben. Ich glaube, dass Özil ihm gesagt hat, dass ein Auba seinen Spieler geschlagen hat.

Welcher Fußballer zockt denn besonders gut?

MoAuba: Es gibt ein paar unbekannte Fußballer, die sehr viel zocken. Philipp Hosiner (bei SK Sturm Graz unter Vertrag, Anm. d. Red.) ist beispielsweise richtig gut und gehört auch immer wieder zu den Top 500 der Welt. Von den bekannteren Profis war Douglas Costa mein bester Gegner, der war schon echt stark. Viele sagen, dass Javi Martinez der beste FIFA-Zocker der Bundesliga ist. Deswegen bin ich mal gespannt, ob das wahr ist und ob es mal ein Aufeinandertreffen gibt. Bei Werder ist Nuri Sahin sehr stark, der unterstützt ja ebenfalls ein eigenes Team.

Einige Superstars werden Sie bei den FIFA Awards treffen. Sie sind als Lohn des WM-Titels eingeladen.

MoAuba: Ich freue mich sehr darauf. Es ist aufregend zu sehen, wie die Spieler ticken. Von den ehemaligen FIFA-Weltmeistern habe ich gehört, dass man viel Zeit hat, mit den Spielern zu sprechen. Ich bin sehr gespannt, wie ein Ronaldo tickt, ein Messi, Neymar, Mbappe. Das sind Momente fürs Leben. Ein Cristiano hat wahrscheinlich nicht noch sieben Jahre, in denen er Weltfußballer wird. Deswegen freue ich mich, dass ich noch die Gelegenheit habe, ihn kennenzulernen.

Auf wen freuen Sie sich noch?

MoAuba: Auf Jürgen Klopp. Ich zocke im Jürgen-Klopp-Stil. Seine Teams gehen immer drauf, er lässt früh angreifen, presst die ganze Zeit und spielt einen schnellen Ball. So versuche ich auch, meine Gegner unter Druck zu setzen. Jürgen Klopp ist einer meiner Lieblingstrainer, fußballerisch und menschlich. Ich hoffe, dass er zum Trainer des Jahres gewählt wird, damit ich ihn bei den FIFA Awards kennenlernen kann. Den für mich größten Sportler werde ich da aber leider nicht treffen können.

Wer ist das?

MoAuba: Der größte Sportler ist für mich Dirk Nowitzki, ich verehre ihn. Ich habe früh angefangen, Basketball zu schauen. Die Suchtphase begann dann, als die Mavs in den Finals 2011 waren, da habe ich angefangen, die NBA und Nowitzki intensiv zu verfolgen. Ich liebe die NBA und ich liebe ihn.

Mit Kai Havertz haben Sie bei der WM die meisten Tore erzielt. Ist er ihr Lieblingsspieler in FIFA?

MoAuba: Havertz war auf jeden Fall der Spieler des Turniers. Mit der Legende Ruud Gullit spiele ich auch sehr gerne. Ansonsten spiele ich gerne mit Frankreich. Die haben viele gute Spieler, einen brutalen Angriff und ein sehr starkes Mittelfeld mit Pogba und Kante.

Was ist Ihr Lieblingstrick bei FIFA?

MoAuba: Ich würde am liebsten alle Tricks abschaffen.

Warum das?

MoAuba: Die Tricks sind mir zu unrealistisch. Es gibt viele Tricks in FIFA, die man in der Geschichte des Fußballs noch nie gesehen hat.

Was muss passieren, damit bei Ihnen auch mal ein Controller zu Bruch geht?

MoAuba: Ich glaube, dass es das bei vielen Profis gibt, bei mir aber eher nicht. Ich würde mir verrückt vorkommen, wenn ich zuhause rumschreie oder den Fernseher kaputtschlage. Da stehe ich nicht so drauf. Mein Controller ist mir heilig.

Letzte Frage: Was sagen Sie zu Piemonte Calcio?

MoAuba: Ich finde das nicht schlimm. Es ist ja klar, dass sich um Lizenzen gestritten wird, wenn es zwei Spiele gibt. Jetzt wird es eben in FIFA ein Team geben, das einen komischen Namen hat. Man erinnert sich doch auch immer noch gerne an die Nationalmannschaft in PES vor zehn Jahren, als man sich die verrückten Namen zusammenreimen musste. Das kann ja auch alles extrem lustig sein. Da es jetzt nur ein Team bei FIFA ist, glaube ich nicht, dass das viele Fans interessieren wird. PES hat Millionen für die Juventus-Rechte gezahlt und FIFA gibt Millionen für die Ligen aus, also ist es vollkommen okay für mich, wenn Juve jetzt Piemonte Calcio heißt.

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