Damir Canadi als Trainer des 1. FC Nürnberg entlassen: "Zweifel an sich selbst"

Von SID/APA
Damir Canadi wurde von Nürnberg entlassen.
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Damir Canadi hat nicht einmal ein halbes Jahr nach seiner Installierung seinen Trainerstuhl beim deutschen Zweitligisten 1. FC Nürnberg wieder räumen müssen. Der Club fällte die Entscheidung einen Tag nach der teilweise desolaten 1:3-Auswärtsniederlage beim VfL Bochum.

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"Es war ein offenes Gespräch, in dem wir die Entwicklungen kritisch bewertet haben und am Ende der Meinung waren, dass es im Interesse des Vereins ist, der Mannschaft einen neuen Impuls zu geben", wurde Canadi auf der Club-Homepage zitiert. Zuvor hatte es bereits Berichte über ein gestörtes Binnenklima zwischen ihm und seinen Spielern gegeben, die Canadi allerdings dementiert hatte. Nach nur 170 Tagen war sein Engagement in Nürnberg beendet.

Nürnbergs großes Ziel ist der Aufstieg in die Bundesliga, der Rückstand auf einen Top-Drei-Platz beträgt nach zwölf Runden neun Punkte, die beiden Liga-Topteams Hamburger SV und Arminia Bielefeld sind bereits elf Zähler voraus. Die Abstiegszone ist mit zwei Punkten Entfernung deutlich näher.

"Ich danke dem Verein und seinen Fans für die Zeit hier in Nürnberg und wünsche dem Club, dass er die gesteckten Ziele erreicht", so Canadi. Der Wiener war Mitte Mai verpflichtet worden und sollte den Club in seiner auf zwei Jahre datierten Amtszeit zurück in die Bundesliga führen. Daraus wird jetzt nichts mehr. Zwei von Canadis drei jüngsten Trainer-Engagements endeten damit nach kurzer Zeit wieder.

Damir Canadi.
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Damir Canadi.

Damir Canadi vorzeitig entlassen: Zuerst Rapid, jetzt Nürnberg

Bei Rapid hatte er nach seinem Start Mitte November 2016 bereits Mitte April 2017 wieder gehen müssen. Ganz anders war die Situation in der Folge beim griechischen Erstligisten Atromitos Athen. Dort verbrachte der 49-Jährige nach eigenen Angaben zwei "wundervolle Jahre", mit zweimal Rang vier mit einem Club mit überschaubarem Budget konnte er dort auch sportlich reüssieren und machte sich damit für einen Wechsel nach Deutschland interessant.

Dort wurde er nun am Dienstag als Cheftrainer freigestellt. "Wir haben uns nach der Rückkehr aus Bochum zusammengesetzt, die Situation selbstkritisch und ehrlich analysiert und sind gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass es der richtige Schritt ist, die Zusammenarbeit zu beenden", erklärte Nürnbergs Sportvorstand Robert Palikuca. Als Interimstrainer wurde vorerst U21-Coach Marek Mintal eingesetzt. Der slowakische Ex-Torjäger ist fix nur eine Lösung auf Zeit.

1. FC Nürnberg: Fans forderten Canadis Kopf

Die aufgebrachten Nürnberger Fans hatten bereits in Bochum Canadis Kopf gefordert und die Mannschaft zum Rapport vor den Gästeblock bestellt. "Die fahren lange hierher, da habe ich volles Verständnis, dass wir nach dem Spiel auf die Fresse kriegen", sagte Kapitän Hanno Behrens, "so etwas haben sie nicht verdient." Allerdings wäre es "zu einfach", den Negativlauf "am Trainer festzumachen". Doch der war wie üblich das schwächste Glied in der Kette.

Palikuca hatte sich noch auf dem Platz minutenlang mit Behrens besprochen, in der Nacht suchte er den Kontakt zu Aufsichtsratschef Thomas Grethlein - um sich die Entlassung absegnen zu lassen. Zu eklatant waren die Probleme auch in Bochum, wo Canadi eine "desolate" erste Halbzeit sah.

Der Coach habe schon nach der Pokal-Blamage in Kaiserslautern am Mittwoch (5:6 i.E.) "Zweifel an sich selbst" gehabt, meinte Palikuca. Die Entlassung des Mitte Mai als Wunschtrainer verpflichteten Trainers fühle sich dennoch "wie eine Niederlage an, weil es ein gemeinsames Scheitern ist".

Bei Nürnberg stehen mit Goalie Andreas Lukse, Innenverteidiger Georg Margreitter, Mittelfeldspieler Lukas Jäger und Offensivmann Nikola Dovedan gleich vier Österreicher unter Vertrag. Als nächste Hürde wartet am Sonntag zu Hause Bielefeld. Ein denkbar schwierige Aufgabe für die Franken, um den zweiten Sieg in den jüngsten zehn Pflichtspielen zu fixieren.

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