Fussball

Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig: „Wir haben schwarz gezahlt, aber das tun doch alle“

Von SPOX Österreich
Hannes Kartnig.
© GEPA

Hannes Kartnig hat sich in einem Interview an das Leben als Präsidenten eines Fußball-Bundesligisten erinnert. Der einstige Boss des SK Sturm Graz gab Fehler zu, sieht sich selbst aber als Bauernopfer.

Von 1992 bis zum Zwangsausgleich 2006 fungierte der heute 68-Jährige als Präsident der Blackies. In dieser Ära holten die Steirer zwei Meistertitel, drei Cupsiege und spielten drei Mal in der Champions League.

"Was soll ich sagen, der Fußball war schon eine traumhafte Zeit. Ich hab so viel erlebt, ich könnte Ihnen Sachen erzählen. Der Fußball ist ein Wahnsinn", sagte Kartnig dem Standard. "In den eigenen Reihen musst du aufpassen, es ist genauso wie in der Politik. So bin ich das Bauernopfer im österreichischen Fußball geworden."

Unter anderem wegen schweren Betrugs und Steuerhinterziehung wurde Kartnig 2014 zu 15 Monaten unbedingter Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 5,5 Millionen Euro verurteilt.

Kartnig: Stronach und Mateschitz "Ausnahmeerscheinungen"

"Ja, wir haben schwarz gezahlt, dazu steh ich", sagte Kartnig. "Aber das tun doch alle. Alle bis auf die Deutschen - und vielleicht auch die Engländer. Aber die kassieren so viel an TV-Geldern." Auch in Österreich gäbe es "Ausnahmeerscheinungen", meinte Kartnig, und nannte Frank Stronach und Dietrich Mateschitz. "Da braucht es kein Schwarzgeld."

Aktuell erschüttert der Fall des SV Mattersburg die Bundesliga. Da der Hauptsponsor des Vereins offenbar über viele Jahre die Bilanzen frisiert hatte, steht der Klub aus dem Burgenland nun möglicherweise vor dem Aus.

"Wenn du dich mit Mattersburg so lange in der obersten Liga hältst, bist du dort wahrscheinlich auch ein Kaiser", sagte Kartnig. "Erfolgreich bist du nur, wenn du den Job mit ganzem Herzen machst. Natürlich willst du, wenn du etwas erreicht hast, erfolgreich bleiben."

Die größte Herausforderung sei, dass Spieler nach erfolgreichen Phasen den Verein verlassen. "Die musst du ersetzen, das kostet viel und gelingt nicht immer", sagte Kartnig. "Wenn du das wirklich ordentlich machen willst und nicht der Mateschitz bist, stehst du automatisch mit einem Fuß im Häf'n."

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