Fussball

Vom FC Liverpool bis zum FK Austria Wien: Das Leben des Kult-Kickers Sean Dundee

Von Philipp Stottan
Dundee für die Austria

Sean Dundee erreichte in Deutschland Kultstatus und galt als einer der besten Stürmer des Landes, weshalb der Südafrikaner sogar im Schnellverfahren eingebürgert wurde. Doch weder in Deutschland, noch beim FC Liverpool oder der Wiener Austria erreichte der Stürmer den ganzen großen Ruhm. Eine Karriere von ungünstigen Verletzungen und fehlendem Eifer. Aber wie kam es dazu?

Die ungewöhnliche Geschichte von Sean William Dundee begann am 7. Dezember 1972 in Durban, Südafrika. Nach acht Jahren entdeckte er seine Begeisterung für den Fußball. Vom Jugendverein Bayview Durban ging es 1989 zu D'Alberton Callies Durban und drei weitere Jahre später sollte der große Schritt folgen: Mit 20 Jahren wechselte Dundee zu den Stuttgart Kickers und traf dort auf noch unbekannte Namen wie Fredi Bobic (nun Sportdirektor bei Eintracht Frankfurt) und Thomas Tuchel (heute Trainer von PSG).

Mit Tuchel hatte Dundee viel Kontakt. Bis heute gilt er als ein Förderer der Englischkenntnisse des heutigen Star-Trainers. "Ich konnte kein Deutsch und deswegen haben wir nur Englisch miteinander geredet. Ich glaube, ihm geht es heute ganz gut", sagt Dundee im Interview mit SPOX und lacht.

Dundee über Thomas Tuchel: "Grund, warum ich es durchgezogen habe"

Doch auch Dundee profitierte von der Freundschaft, denn leicht fiel dem gebürtigen Südafrikaner der Umstieg auf Kultur und Klima in Deutschland nicht: "Ich habe in der Winterpause Urlaub in Südafrika gemacht. Als ich dann im Jänner wieder gekommen bin, bei -12 Grad, das war ein richtiger Schock für mich. Die Wochen danach waren richtig schlimm. Ich bin froh, dass ich Thomas Tuchel kennengelernt habe, denn er ist sicher einer der Gründe, warum ich es in Deutschland dann durchgezogen habe."

Es sollte nicht die einzige schwere Phase in seiner Karriere bleiben. Zu seiner Zeit bei der Austria meint Dundee heute: "Es war eine der Situationen in meine Karriere, wo ich richtig emotional niedergeschlagen war."

Für den Durchbruch Dundees brauchte es noch einen Zwischenschritt in der Regionalliga beim TSF Ditzingen, samt 24 Toren in 34 Spielen. Der Aufsteiger Karlsruher SC wurde auf den Stürmer aufmerksam und holte ihn in die 1. Bundesliga.

Mit Mitspielern wie Slaven Bilic oder dem späteren Austria-Trainer Thorsten Fink wurde Karlsruhe starker Siebenter und marschierte bis ins DFB-Cupfinale, das aber knapp mit 0:1 gegen Kaiserslautern verloren ging. Dundee schaffte mit 16 Saisontoren dennoch den endgültigen Durchbruch und erhielt von lokalen Medien den Spitznamen "Torkrokodil" - in Anspielung auf den Film "Crocodile Dundee".

Erst am letzten Spieltag musste er sich seinem ehemaligen Teamkollegen Bobic in der Torjäger-Wertung um einen Treffer geschlagen geben. Der 24-Jährige teilte sich Rang zwei mit klingenden Namen wie Jürgen Klinsmann und Giovane Elber.

In der darauffolgenden Saison verbesserte sich der KSC um einen Platz und Dundee um ein Tor, für den besten Torschützen war dies aber erneut zu wenig. Unter anderem landete ein gewisser Toni Polster (1. FC Köln) mit 21 Toren vor ihm. Durch seine Leistungen wurde allerdings das deutsche Nationalteam auf Dundee aufmerksam. Erstmals im Fußball machte Deutschland einen Spieler im Schnellverfahren - es dauerte kein Jahr - zum Staatsbürger und vermeintlich auch zum Nationalspieler.

Nationaltrainer Berti Vogts versprach Dundee einen Einsatz im Testspiel gegen Israel, doch dann der Rückschlag: "Ich hatte mich am Spieltag davor verletzt und musste an der Wade operiert werden. Danach war ich noch ein paar Mal auf der Bank, aber zu einem Einsatz bin ich nie gekommen. Es war einfach Pech."

Dundee über FC Liverpool: "War keine gute Zeit dort"

Von Reue aber keine Spur: "Ich würde es heute genauso wieder machen. Ich fühle mich Zuhause hier (in Deutschland), ich bin froh es gemacht zu haben."
Ebenso wie seine Team-Karriere, ging dann auch seine Zeit in Karlsruhe zu Ende: "Der KSC ist damals abgestiegen, deswegen bin ich gegangen."

Schließlich verpflichtete der FC Liverpool, damals englischer Rekordmeister, Dundee fest: "Sie haben mich geholt, ich glaube für 8 Millionen, mit einem Drei-Jahres-Vertrag. Es war keine besonders gute Zeit dort. Trainer Roy Evans hat mich verpflichtet, ich war damals leider nicht fit, musste ziemlich viel nachholen", resümiert Dundee.

Doch auch an der Merseyside war der Stürmer nicht vom Glück verfolgt: "Als ich den Trainingsrückstand aufgeholt hatte, verletzte ich mich am Knie und in der Zeit wurde Evans entlassen. Der neue Trainer (Gerard Houllier, Anm.) hatte dann kleine Pläne mit mir."

Statt einem echten Neustart, gab es für den ehemaligen Everton-Fan meist Tristesse. "Nach meiner Verletzung habe ich dann alleine trainiert, oft auch mit Paul Ince zusammen, weil der Trainer ihn auch nicht haben wollte." Positives gab es für Dundee aber dennoch mitzunehmen, immerhin konnte er mit Legenden wie Steve McManaman, Michael Owen, Robbie Fowler oder auch Steven Gerrard, welcher gerade den Durchbruch aus der Jugend geschaffte hatte, zusammenspielen.

"Ich habe einige Freunde gewonnen. Ich hatte noch zwei Jahre Vertrag, aber ich wollte die Zeit nicht einfach aussitzen. Deswegen habe ich einen Strich darunter gemacht und bin wieder zurück nach Deutschland gegangen", so der heute 47-Jährige.

So wechselte Dundee nach nur fünf absolvierten Spielen für die Reds zum VfB Stuttgart. Ein Wunschtransfer, immerhin hatte seine Karriere in Stuttgart den Anfang genommen. Dundees vier Jahre beim VfB verliefen solide, am Ende standen 104 Partien und 33 Tore zu Buche.

In der Saison 2002/03 musste Stuttgart sich nur dem FC Bayern im Meisterschaftsduell geschlagen geben, nachdem im Jahr davor noch der Kampf gegen den Abstieg gelungen war. Dies war aber auch das letzte Stuttgarter Jahr für Dundee. Trainer Felix Magath wollte den Kader umbauen und den 30-Jährigen zog es nach Österreich.

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