Fussball

Uros Matic im Interview: "Günter Kreissl hätte mich anrufen können"

Von Christian Albrecht
Uros Matic kickte nur eineinhalb Saisons in Österreich, hinterließ aber bleibenden Eindruck.

Uros Matic ist zurzeit vom FC Kopenhagen an APOEL Nikosia verliehen. Im Interview mit SPOX erklärt der 29-Jährige, weshalb eine mögliche Rückkehr zum SK Sturm nicht zustande kam und warum die Wiener Austria vergangene Saison die Kaufoption nicht zog.

Außerdem spricht Matic über Teamkollege Andrija Pavlovic und nennt jenen Mann, den Lionel Messi als besten Fußballer überhaupt bezeichnet.

Herr Matic, wo und wie verbringen Sie momentan Ihre Zeit?

Uros Matic: Ich bin gemeinsam mit meiner Familie in meiner Wohnung in Nikosia. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir einen Garten haben.

Wie geht Zypern mit der aktuellen Situation um?

Matic: Die Regierung hier hat sehr gut reagiert. Als sie sah, was in Italien passiert ist, hat sie sofort die Flughäfen geschlossen und begonnen, die Häfen zu kontrollieren. Zypern ist eine Insel, man kann also nicht einfach mit dem Auto hierherfahren. Obwohl es hier verhältnismäßig wenig Infizierte gibt (Anm. d. Red.: 446 bestätigte Fälle, Stand 6. April, 9 Uhr), wird alles sehr streng kontrolliert.

Sprechen wir über Fußball: Während Ihrer Zeit in Graz haben Sie einmal in einem Interview gesagt, dass man seinen Klub nicht alle paar Monate wechseln solle. Seither waren Sie innerhalb von drei Jahren für drei verschieden Vereine aktiv. Warum haben Sie diese Entscheidungen getroffen?

Matic: Auch aufgrund meiner Familie wollte ich für längere Zeit an einem Ort bleiben. Wir hatten ein starkes Team mit Sturm und ich war sehr glücklich dort. Doch die letzten Jahre hat Red Bull Salzburg in Österreich alle Titel eingeheimst. Dann kam der Anruf aus Kopenhagen. Sie hatten das Ziel, Champions League zu spielen. Wenn du die Möglichkeit bekommst, dir einen Karrieretraum zu erfüllen, musst die sie nutzen. Und mein Traum war es immer, in einer europäischen Gruppenphase zu spielen. Diesen konnte ich mir in Kopenhagen erfüllen.

Uros Matic: Sturm in einer Gruppenphase? "Kann mich nicht erinnern"

Ganz korrekt ist Ihre Aussage nicht, eineinhalb Jahre nach Ihrem Abgang von Sturm konnten die Grazer den Cup gewinnen.

Matic: Das ist natürlich richtig. Aber ich kann mich nicht erinnern, wann Sturm zuletzt in einer europäischen Gruppenphase vertreten war. Das war der ausschlaggebende Grund für mich, nach Kopenhagen zu gehen.

Sie sind aktuell an APOEL Nikosia verliehen. Es ist bereits Ihre zweite Leihstation vom FC Kopenhagen - warum konnten Sie sich nie so richtig beim dänischen Rekordmeister durchsetzen?

Matic: Da spielen viele Faktoren zusammen. Ich befand mich nach meinem Wechsel von Sturm im besten Alter und wollte so viele Spiele wie möglich absolvieren. Bei einem Klub wie Kopenhagen, wo an die 30 Spieler unter Vertrag stehen und neben dir vier ähnliche Spielertypen bereitstehen, wird aber viel rotiert. Damit war ich nicht besonders glücklich und deshalb habe ich mich nach neuen Aufgaben umgesehen.

In der ersten Halbsaison mit Kopenhagen kamen Sie für Ihren neuen Verein jedoch in jedem Ligaspiel zum Einsatz und konnten am Ende das Double feiern. Es sind Ihre einzigen großen Titel Ihrer Karriere. Wie stufen Sie diesen Erfolg ein?

Matic: Das war eine große Sache für mich. Nach deiner Karriere willst du so viele Trophäen wie möglich in deinem Schrank stehen haben. Vielleicht hätte ich auch mit Sturm einen Titel geholt, wäre ich dort geblieben. Vor Sturm hatte ich nie die Chance, für große Klubs zu spielen. Sturm war mein erster Klub, der um Europa gespielt hat und Chancen auf einen Titelgewinn hatte. Der Schritt nach Graz hat meiner Karriere sehr gut getan.

Matic spricht über Pavlovic bei Rapid

Warum hat es so lange gedauert, für einen größeren Klub zu spielen?

Matic: Manchmal ist man als Spieler einfach noch nicht bereit für einen großen Verein. Natürlich, nach meinem Wechsel von Kosice nach Portugal im Jahr 2013 war es mein Plan, einmal für Benfica zu spielen. Ich durfte aber nur für die zweite Mannschaft auflaufen. Aufgrund der Tatsache, dass ich keine Chance auf die Kampfmannschaft hatte, ging ich nach Holland. NAC Breda in den Niederlanden hat zwar fantastische Fans, mit Vereinen wie Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam oder PSV Eindhoven aber große Gegner. Deshalb habe ich mich nach einem Verein mit Titelambitionen umgesehen. Vor meinem Wechsel zu Sturm stand ich sogar kurz vor einem Transfer zu Feyenoord, das hat aber nicht funktioniert. Umso glücklicher war ich dann über meinen Wechsel zu Sturm.

Bei Benfica B sind Sie gemeinsam mit Spielern wie Bernardo Silva, Victor Lindelöf und Jan Oblak aufgelaufen. Denken Sie manchmal darüber nach, warum Sie nicht für Klubs wie Manchester United oder Atletico Madrid spielen?

Matic: Ich bin dankbar, mit so großartigen Spielern zusammengespielt zu haben. Den größten Einfluss auf mich hatte aber Pablo Aimar. Wenn Sie Messi fragen, wer der beste Spieler ist, wird er Pablo Aimar sagen. Ich hatte die Möglichkeit, gemeinsam mit ihm zu trainieren und zu sehen, um was es im Fußball geht. Er hat meine Philosophie über den Fußball komplett verändert. Und ja, natürlich träumt jeder davon, einmal für einen großen Klub zu spielen, aber nicht jeder kann für Real Madrid auflaufen. Ich bin sehr glücklich darüber, wie meine Karriere momentan verläuft.

Sowohl in Kopenhagen als auch momentan in Nikosia spielen Sie gemeinsam mit Ihrem Landsmann Andrija Pavlovic. Warum, denken Sie, konnte er sich bei Rapid nie durchsetzen?

Matic: Ich denke, hätte Andrija damals bei uns in Graz gespielt, hätte er genauso wie wir eine fantastische Saison gespielt. Unsere Mannschaft bei Sturm damals hatte die richtige Chemie, jeder hatte einen positiven Einfluss auf das Team. Das Problem, was Rapid hatte, ist dasselbe, was die Austria zurzeit hat. Es ist schwer zu einem Team zu stoßen, wo die Atmosphäre nicht gut ist. Möglicherweise wäre es eine andere Geschichte, würde er jetzt bei Rapid spielen. Für uns in Nikosia ist Andrija ein sehr wichtiger Spieler und einer unserer besten Scorer.

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