Fussball

Thanos Petsos im Interview: "Hätte auch nicht die Kaufoption gezogen, wenn ich an Rapids Stelle gewesen wäre"

Von Manuel Weißenberger
Ende Jänner hat sich Thanos Petsos WSG Tirol angeschlossen und zieht seitdem die Strippen im Mittelfeld
© GEPA

Thanos Petsos ging 2016 nach drei erfolgreichen Jahren bei SK Rapid Wien zurück in die deutsche Bundesliga zum SV Werder Bremen, um dort den nächsten Schritt als Fußballer zu machen. Doch es kam anders. Nach einigen Leihen und einem halben Jahr ohne Klub will der 28-Jährige bei der WSG Tirol wieder angreifen. Im Interview mit SPOX reflektiert er über seine zwei Rapid Engagements und erklärt, was er von Jupp Heynckes gelernt hat.

Athanasios Petsos verließ vor vier Jahren den SK Rapid Wien ablösefrei, um sich dem SV Werder Bremen anzuschließen. Dort angekommen, durchlief der Deutsch-Grieche jedoch eine sportliche Durststrecke, verletzte sich bei seiner Leihe beim FC Fulham und konnte auch bei seiner Rückkehr als Leihgabe bei Rapid nicht vollends überzeugen.

Schlussendlich fand Werder Bremen keinen Gebrauch mehr und ließ seinen Vertrag im Sommer 2019 auslaufen. Petsos hatte fast eineinhalb Jahre kein Pflichtspiel absolviert und musste sich im Herbst 2019 ohne Klub im Einzeltraining alleine fit halten. Doch der Mittelfeldspieler ließ sich nicht unterkriegen und wechselte im Winter zur WSG Tirol, wo er nun an seine alten Leistungen anknüpfen will.

Herr Petsos, wo verbringen Sie die Zeit der Ausgangsbeschränkungen?

Thanos Petsos: Ich bin aktuell in Wattens, da ich mit meiner Familie hier offiziell meinen Hauptwohnsitz habe. Hier kann ich die Zeit gut nutzen. Bei Spaziergängen gibt es genug Grünflächen, mein Sohn kann mit dem Fahrrad rausfahren. Es ist sehr entspannt. Gut, dass wir doch hiergeblieben sind.

Sie waren nun über fünf Monate vereinslos und sind daher mit längeren Spielpausen bereits vertraut. Wie haben Sie sich in dieser Zeit fit gehalten?

Petsos: Ich habe alleine trainiert, bin selber gelaufen oder Fahrrad gefahren, war allein auf dem Fußballplatz und alleine im Fitnessstudio. Das war schon eine schwere Zeit. Diese Erfahrung kommt mir in der aktuellen Lage zugute.

Thanos Petsos: "Ich bin jetzt gelassener"

Wie haben Sie sich wieder aufgerafft?

Petsos: Ich war motiviert, habe das Ziel wieder vor Augen gehabt. Glücklicherweise habe ich dann auch die Chance bei der WSG Tirol bekommen und dementsprechend ist es mir auch nicht schwer gefallen, wieder in Spielpraxis zu kommen. Man sieht mir jetzt auch in den Spielen an, dass ich wieder befreit aufspiele, mir keinen großen Kopf mache und einfach wieder Spaß am Fußball habe. Natürlich braucht es am Anfang ein, zwei Spiele. Gerade mit einem Spiel wie gegen den WAC, wo wir auch die letzte halbe Stunde richtig verteidigen mussten, komme ich wieder richtig in den Saft. Auch gegen die Admira hätten wir gewinnen müssen (Anm.: 1:1) und gegen Hartberg (3:0) haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt.

Was hat sich mental bei Ihnen verändert?

Petsos: Ausschlaggebend ist, dass ich befreit bin und mir keinen Kopf über die Situation mache, weil es im Leben Wichtigeres gibt als Fußball. Wenn ich diese Einstellung an den Tag lege, dann kann es noch einmal bergauf gehen. Ich habe meine Qualitäten, muss aber mental da sein. Wenn ich nicht frei bin, zu viel über jede Ballannahme oder jeden Pass nachdenke, dann brauche ich auch gar nicht Fußball zu spielen. So wie ich jetzt auftrete, habe ich wieder die Positivität, dieses Befreite und Selbstverständliche. Ich habe mich wieder gefunden und bin ein bisschen gelassener. Ich habe bei Tirol eine Plattform, wo ich auch wieder Führungsspieler bin und das kommt mir zugute.

WSG Tirol holte seit Ihrer Ankunft in der Liga sieben Punkte in vier Spielen. Umso bitterer, dass nun durch Corona eine Pause eingelegt werden muss, oder?

Petsos: Definitiv, aber ich mache mir da nicht so viele Sorgen, weil im Endeffekt hatte bei uns der ein oder andere noch seine "Wehwehchen". Wir werden sicherlich noch eine kleine Vorbereitung bekommen und ich glaube nicht, dass uns das irgendwie aus der Bahn wirft. Zuletzt haben wir uns als Team verbessert, jeder hat die Abläufe der anderen besser kennengelernt.

Vor drei Jahren sind Sie per Leihe zu Rapid zurückgekehrt. Rapid hatte eine Kaufoption, schlussendlich wurde diese nicht gezogen. Wieso hat es nicht geklappt?

Petsos: Schwierig. Als ich damals dazu gestoßen bin, lief es nicht so gut. Ich muss auch sagen, dass Dejan (Ljubicic) das sehr gut gemacht hat auf der Position. Ich spielte nur alle zwei, drei Wochen. Erst durch die Verletzung von Stefan Schwab kam ich regelmäßig zum Zug und war wieder "der Alte". Danach bin ich wieder zwischen Bank und Feld gependelt. Mental war ich nicht auf der Höhe, ich war nicht komplett da. Dass nicht jeder Fan glücklich ist, wenn du ablösefrei gehst und wieder kommst, ist auch klar. Und ich hätte mich nicht mit den Pfiffen der Fans befassen sollen. Ich habe mich nicht so wohl gefühlt wie früher, als ich unangefochtener Stammspieler war und das Standing in der Mannschaft hatte. Durch die Leihe war das nicht mehr so. Es war eine durchwachsene Saison. Ich persönlich hätte auch nicht die Kaufoption gezogen, wenn ich an Rapids Stelle gewesen wäre. Auch weil ich den Erwartungen nicht gerecht wurde. Da bin ich ehrlich genug. Dementsprechend haben wir uns dann verständigt, die Kaufoption nicht zu ziehen.

Wie viel Wehmut schwingt dabei mit?

Petsos: Es ist ein bisschen schade. Wenn es so gelaufen wäre, wie in den ersten drei Jahren bei Rapid, dann wäre es klarerweise auch für Rapid eine Bereicherung gewesen. Aber zu diesem Zeitpunkt hat es einfach nicht gepasst. Und das war vollkommen okay. Ich bin immer noch sehr gut mit dem Verein.

Waren Sie vielleicht auch zu verbissen?

Petsos: Ja, ich wollte es dann erst recht beweisen, und dabei vielleicht zu viel. Ich hatte drei Jahre darauf hingearbeitet, um wieder in die deutsche Bundesliga zurückzukehren. Dann lief es nicht so, wie ich mir das vorstellte. Noch dazu bei dem Verein, den ich verließ und ein paar super Jahre hatte. Ich musste mental damit kämpfen, nicht mehr so gut zu spielen. Das war auch der ausschlaggebende Punkt, wieso es in diesem Jahr nicht so gut geklappt hat.

Meistertitel mit Rapid? "Hätten es mit Beric schaffen können"

Schließlich schloss Rapid die Saison auf dem dritten Tabellenplatz ab.

Petsos: Die drei Jahre davor waren wir dreimal Vizemeister, und da hatte Salzburg wirklich eine Topmannschaft. Im letzten Jahr, 2016, hätten wir es vielleicht schaffen können, wenn Robert Beric nicht gegangen wäre. Aber sonst haben wir richtig gut abgeschnitten. Von dem her kann ich sagen, dass ich zufrieden mit der Zeit bei Rapid war.

Bei Werder gestaltete sich die Zeit umso schwieriger. Der damalige Sportdirektor Thomas Eichin meinte nach dem Transfervollzug noch, Sie würden "perfekt zum Weg" von Werder passen. Wann war Ihnen klar, dass es die falsche Entscheidung war?

Petsos: Gemeinsam mit Rouven Schröder (Chefscout, Anm.), der jetzt in Mainz ist, hatte ich ein halbes Jahr davor unterschrieben. Da war noch nicht klar, ob sie in der Bundesliga bleiben. Aber sie haben mich davon überzeugt, was sie in mir sehen. Nach dem Trainerwechsel (Im September 2016 von Viktor Skripnik zu Alexander Nouri, Anm.) ist es nicht einfach für mich gewesen. Für Werder war nach zwei, drei Monaten klar, dass ich da keine Chance habe. Warum auch immer, es ist jetzt auch schon eine Weile her und ich kann es leider nicht mehr ändern.

Deshalb der Blick Richtung Zukunft: Ist ein Trainerjob nach Ihrer aktiven Karriere möglich?

Petsos: Gute Frage. Ich habe bei Werder eigentlich nur trainiert, war bei Fulham verletzt. Vielleicht habe ich da den Körper geschont, wodurch die Karriere nun vielleicht etwas länger geht. Wir werden schauen. Es wäre super, wenn ich nachher im Fußball bleiben könnte, ob im Jugendbereich oder Profibereich werden wir dann sehen. Ich denke schon, dass ich da ganz gut reinpasse, weil ich schon viel erlebt habe, viele Eindrücke sammeln konnte und auch viele sehr gute, unterschiedliche Trainer hatte.

Petsos: Ruhe am Ball war für Heynckes entscheidend

Sie haben in Leverkusen unter anderem unter Jupp Heynckes trainiert. Was zeichnet ihn aus?

Petsos: Das ganze Trainerteam war großartig, auch Co-Trainer Peter Hermann. Jupp Heynckes mit seiner ruhigen Art hat sehr viel Wert auf Ballannahmen und Passspiel gelegt, dass man das Spiel sauber fortführt. Und diese Ruhe am Ball war für ihn entscheidend, das hat einen schon geprägt. Außerdem konnte ich mir einiges von den Spielern abschauen. Gonzalo Castro, Renato Augusto, Arturo Vidal - später kam Michael Ballack zurück - das waren schon super Spieler. Die Konkurrenz war damals riesig.

Zurzeit gestaltet sich das Training etwas beschaulicher. Sie trainieren wohl auch von zuhause aus?

Petsos: Ja genau. Anfangs war ich noch draußen laufen, dann war es ja in Tirol verboten. Laut Polizei war das Verletzungsrisiko zu groß, deshalb musste man abwarten, um die Kapazitäten für Coronafälle aufzusparen.

Es gibt auch die Überlegung, die Trainingsstätten für den Spitzensport freizugeben. Was halten Sie von dieser Idee?

Petsos: Im Moment sollten die Gesetze der Gesundheit dienen, und ich weiß nicht, wie gut es wäre, wenn wir Sonderrechte bekommen würden. Wir sind im Endeffekt auch nur ganz normale Menschen. Andere Betriebe müssen ja auch zumachen, von dem her weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist, da einen Sonderstatus zu schaffen. Ich glaube, die Situation sollte sich zuerst generell entspannen.

Soll die Liga bald beginnen, um den Menschen Unterhaltung zu bieten?

Petsos: Fußballer sollten keine Sonderstellung haben. Es gibt genug Athleten, die diese Vorzüge nicht bekommen. Es sollte sich zuerst alles normalisieren und dann kann man darüber sprechen, das Training wieder aufzunehmen. Die Gesundheit ist das Wichtigste.

Thanos Petsos: Bisherige Karrierestationen

SaisonVereinSpieleTore
2020-WSG Tirol50
18/19Werder Bremen00
17/18Rapid Wien (Leihe)210
16/17FC Fulham (Leihe)10
16/17Werder Bremen30
2013-16Rapid Wien1017
12/13Greuther Fürth161
2010-121. FC Kaiserslautern (Leihe)492
2007-10Bayer Leverkusen10
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