Fussball

Filip Stojkovic vom SK Rapid im Interview: Fernbleiben gegen Kosovo? "Würde es wieder so tun"

Von Milos Prerad
Vom Image als "Bad Boy" will Rapids Stojkovic nichts wissen: "Bin ein fürsorglicher und familiärer Mensch."

Im Sommer 2019 vollzog Filip Stojkovic den Wechsel vom serbischen Meister Roter Stern Belgrad zum SK Rapid Wien. Dort spielte sich der Rechtsverteidiger nach Startschwierigkeiten auch in die Startelf der Grün-Weißen und ist seitdem nicht wegzudenken. Sein "Bad Boy"-Image blieb an ihm haften.

Rapid-Legende Dejan Savicevic ist Stojkovics Vorbild, auch wenn ihn dieser aufgrund seiner Abwesenheit im EM-Quali-Match gegen den Kosovo aus dem montenegrinischen Kader warf. Im Interview mit SPOX spricht der 27-Jährige über den Eklat in der Nationalmannschaft, seine "Gardisten"-Truppe und verrät die Hintergründe zur CL-Feier auf einem Panzer.

In den österreichischen Medien war oft die Rede Sie seien ein "Bad Boy". Werden Sie dem gerecht?

Filip Stojkovic: Vieles wurde von den serbischen Medien übernommen, das hat aber nichts mit der Realität zu tun. Ich bin ein fürsorglicher und familiärer Mensch. Bei meinem ersten Interview hier wurde mir dieser Titel aufgrund früherer Geschichten verpasst, aber das bewirkt lediglich einen Motivationsschub. Ich werde auf dem Feld das Gegenteil beweisen. Bislang habe ich mich sehr korrekt verhalten und werde es weiterhin tun.

Beim SK Rapid hat das Training wieder begonnen. Hatten Sie anfangs ein mulmiges Gefühl?

Stojkovic: Nein, nicht wirklich. Wir haben alle darauf gewartet, endlich wieder loslegen zu dürfen. Seit Dienstag trainieren wir in Kleingruppen und hoffen auf weitere Lockerungen.

Wohnen Sie derzeit allein?

Stojkovic: Nein, Mateo (Barac, Anm.) und ich teilen uns eine Wohnung. In der Corona-Pause haben wir uns fit gehalten, einander beim Heim-Training gepusht. Mittlerweile fahren wir gemeinsam zum Platz. Wir verstehen uns sehr gut.

Wie sind Sie beim SK Rapid gelandet?

Stojkovic: Rapids Sportdirektor Zoran Barisic hat auf der Rechtsverteidiger-Position nach einer Verstärkung gesucht. Er zeigte Interesse an mir und ich benötigte unbedingt einen Tapetenwechsel. Zweieinhalb Jahre lang spielte ich bei Roter Stern Belgrad, feierte phänomenale Erfolge, war in der Europa League und Champions League. Ich entschloss mich daher eine neue Herausforderung anzunehmen.

Bei Rapid ging es für Sie aber nicht gerade gut los.

Stojkovic: Ja, das stimmt. Leider war ich bei meiner Ankunft nicht in einer wettbewerbstauglichen Verfassung. Didi Kühbauer hat mir daher vorgeschlagen, mich noch zu gedulden. Das habe ich so auch akzeptiert. Er gab mir genügend Zeit mich vorzubereiteten. Er wusste, ich muss sofort einen positiven Eindruck bei den Fans hinterlassen. Sicher wollte ich gleich nach dem ersten Training direkt in die Startelf, aber so war nun mal unsere Übereinkunft.

Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien haben in Österreich einen besonders guten Eindruck hinterlassen. Hatten Sie unter Ivica Vastic, Zlatko Kranjcar, Ivan Osim und dergleichen vielleicht ein Idol?

Stojkovic: In Österreich haben sehr bekannte Namen gespielt, vor allem bei Rapid. Das motiviert mich zusätzlich erfolgreich zu sein. Von all diesen Namen ist für mich der ehemalige Rapidler Dejan Savicevic ein Vorbild gewesen. Wegen ihm habe ich damals auch das Angebot von Montenegro, um für die Nationalmannschaft zu spielen, angenommen.

Filip Stojkovic: Fernbleiben gegen Kosovo? "Würde es wieder so tun"

Als Skandal galt Ihr damaliges Fernbleiben beim EM-Quali-Match zwischen Montenegro und Kosovo. Wie stehen Sie heute zu dieser Entscheidung?

Stojkovic: Dieses Spiel konnte ich nicht spielen. Als Mensch fühle ich mich glücklich, nicht angetreten zu sein. Aus professioneller Sicht muss ich aber dazusagen, dass alle Partien für Profis sehr wichtig sind. Letztlich bin ich aber stolz auf meine Entscheidung und ich würde es wieder so tun.

Sie wurden seither nicht mehr für die Landesauswahl berücksichtigt. Ihr damaliger Trainer Ljubisa Tumbakovic, der ebenfalls entlassen wurde, ist heute Serbiens Nationaltrainer. Bereuen Sie es, für Montenegro aufgelaufen zu sein?

Stojkovic: Montenegro gab mir sehr viele positive Erinnerungen und hat mir einiges Gutes getan. Ich bereue es nicht, für das Land gespielt zu haben. Allerdings bedauere ich, nicht länger auf einen Anruf des serbischen Verbandes gewartet zu haben. Schließlich werde ich nicht mehr die Gelegenheit bekommen, mit meinem Trauzeugen in der Nationalmannschaft zu spielen.

Wer ist Ihr Trauzeuge?

Stojkovic: Aleksandar Mitrovic (Fulham-Stürmer, Anm.). Wir waren fünf Jahre lang in den Jugendauswahlen Serbiens Zimmerpartner und sind seitdem unzertrennlich. Vor einigen Jahren haben wir einen Pakt geschlossen, als Trauzeuge aufzutreten, sobald einer von uns heiratet.

Kolarov, ein Teamkollege von Mitrovic in der Nationalmannschaft, kritisierte Sie für Ihre Entscheidung, für Montenegro zu spielen.

Stojkovic: Mein Beschluss war meiner Karriere gewidmet. Weder der Kopf noch das Herz hatten darauf Einfluss. Hätte ich auf diese gehört, dann wäre meine Wahl Serbien gewesen. Es waren viele Menschen in dieser ganzen Sache involviert. Letztlich ist das Thema für mich aber abgehakt.

Litt Ihre Beziehung zu Montenegro-Sportdirektor Dejan Savicevic darunter?

Stojkovic: Für Dejan Savicevic habe ich nur lobende Worte, wir verstehen uns sehr gut. Natürlich kam es damals zu einem intensiven Gespräch. Er hat mich allerdings bei jeder meiner Entscheidungen unterstützt, auch bei dieser. Schließlich musste ich wieder zurück zum Verein, meinem Job und meiner Professionalität nachgehen.

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