Fussball

Experte erklärt: Wie Geisterspiele umsetzbar wären

Von APA
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Zuschauer bei sportlichen Großveranstaltungen werden in den kommenden Monaten rar gesät sein. Experten gehen davon aus, dass Sportevents in Zeiten der Corona-Krise in vorerst kaum absehbarer Zeit nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden werden. Kurzfristig gesehen ist die Fußball-Bundesliga davon ebenso betroffen wie der Formel-1-Grand-Prix von Österreich in Spielberg.

"Bei Sportarten, die stark von der Zuschauerbeteiligung leben, wird 2020 kein Jubeljahr. Denn Zuschauer sind bis in den Sommer derzeit einfach nicht denkbar, und es kann gut sein, dass Massenveranstaltungen auch darüber hinaus nicht abgehalten werden können", sagt Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien im APA-Gespräch. Der Public-Health-Experte führte Fußball und Eishockey an, aber auch Skirennen. Der Alpin-Weltcup soll Ende Oktober in Sölden starten.

Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen Universität Wien merkt auf Anfrage an, dass Spiele mit Tausenden von Zuschauern nicht nur aktuell, sondern auch in naher Zukunft nicht anzuraten seien. "Damit wäre der ganze Erfolg der strikten Maßnahmen mit einem Schlag zunichte gemacht", betont der Virologe.

Der Prozentsatz der Durchseuchung der Gesellschaft werde in Österreich im Vergleich mit anderen Ländern wie dem schwer betroffenen Italien relativ gering sein. In Zukunft müsse man deshalb noch mehr aufpassen, dass die Epidemie nicht wieder aufflammt. "Großveranstaltungen werden deshalb wohl länger nicht erlaubt werden", meint Nowotny. Eine genaue zeitliche Prognose sei schwierig. Möglicherweise bis in den Herbst hinein seien sportliche Events mit sich dicht aneinanderdrängenden Fans nicht ratsam.

Geisterspiele? "Dann könnte man das machen"

Ein Spezialfall bleiben Geisterspiele. Trotz des von der Regierung erlassenen Veranstaltungsverbots macht sich die Fußball-Bundesliga Hoffnungen, dass die Saison doch noch im Juni wieder angepfiffen wird. Der Juli könnte davon ungeachtet laut derzeitigem Stand genutzt werden, um die nicht einmal begonnene Meister- bzw. Qualifikationsgruppe noch - in dann voraussichtlich abgeänderter Form - über die Bühne zu bringen. Am 3. August läuft die Nennfrist der UEFA für die kommenden Europacup-Bewerbe aus.

Nowotny hält fest, dass Geisterspiele bei gewissen Beschränkungen "nicht so problematisch" wären. "Wenn man wüsste, dass alle Beteiligten Virus-frei sind, dann könnte man das machen", so der Experte. Bei Leistungssportlern würden sich Corona-Symptome oft nicht wirklich zeigen. Auch hier würde demnach gelten: Testen, testen, testen. Virus-Schnelltests könnten Abhilfe und Sicherheit für alle Beteiligten schaffen.

Diese könnten völlig unkompliziert, zum Beispiel vor den Spielen, durchgeführt werden und würden nach fünf bis zehn Minuten ein Ergebnis bringen. Laut Nowotny sei mit solchen, verlässlichen, kostengünstigen Tests in naher Zukunft - innerhalb weniger Monate - zu rechnen. Die derzeit im Umlauf befindlichen Covid-19-Schnelltests - sowohl Virus-, als auch Antikörpertests - sind jedoch noch mit einer hohen Unsicherheit behaftet. Wie vor wenigen Tagen auch die Ärztekammer moniert hat, sind sie daher nicht zu empfehlen.

Auch Hutter sieht die Möglichkeit von Geisterspielen: "Trainer, Journalisten, Ballkinder etc. sind nicht das Problem, da findet man mit den klassischen Regeln - Abstand plus Maske - das Auskommen." Die Spieler selbst müssten sich zeitnahen Tests unterziehen, wobei man dies als Signalwirkung an die Bevölkerung klar kommunizieren müsse. Hutter: "Für mich als Public-Health-Experten ist wichtig, dass die allgemein geltenden Maßnahmen nicht konterkariert werden und dass die Bevölkerung ihre Einstellung zu den Maßnahmen nicht aufgibt. Wenn man Geisterspiele zulässt, muss man sofort mit Begleitmaßnahmen kommunikativer Art anfangen."

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