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SK-Rapid-Talent Dalibor Velimirovic im SPOX-Interview: Mit den Öffis zur Arbeit? "Er dachte, ich wäre ein Fan"

Von Milos Prerad
Dalibor Velimirovic im Zweikampf mit Andreas Ulmer.
© GEPA

Das Wiener Derby zu bestreiten, ist für viele angehende Fußballer in Österreich ein Lebensziel. Für Dalibor Velimirovic wurde aus dieser Fantasie Realität - mit nur 18 Jahren. Der Mittelfeldspieler kämpft nach dem Traum-Debüt nun wieder um seinen Platz bei den Profis.

Als Eigenbauspieler durchlief Velimirovic von der U15 weg sämtliche Jugendstationen beim SK Rapid, ehe ihm schließlich dank guter Leistungen auch der Sprung zu den Profis gelang. Nun hält der gebürtige Wiener bei fünf Pflichtspielen in der Bundesliga - eine große Zukunft wird ihm vorausgesagt.

Der mittlerweile 19-Jährige spricht im Interview mit SPOX über das für ihn besondere 329. Wiener Derby, Aufnahme-Rituale beim Trainingslager, ein filmähnliches Aufeinandertreffen mit einem Fan und Vergleiche mit Sergio Busquets.

Vor drei Wochen wurden Sie 19 Jahre alt, herzlichen Glückwunsch dazu! Haben Sie mit der Mannschaft gefeiert?

Dalibor Velimirovic: Nein, leider nicht. Bei uns ist es so, dass sich die Geburtstagskinder in der Mitte des Platzes versammeln und mit Bällen abgeschossen werden. (schmunzelt)

Dann haben Sie sich bei den Profis ja schon gut eingelebt.

Velimirovic: Anfangs war es sehr neu für mich. Dann habe ich mich aber schnell daran gewöhnt. Ich hatte ja bereits einige Zeit vor dem Profi-Vertrag mittrainiert. Dann in der Woche vor meinem Debüt erneut. Die Jungs haben mich super aufgenommen, hier versteht sich jeder mit jedem.

Im Winter waren Sie das erste Mal mit der Mannschaft im Trainingslager. Gab es ein Aufnahme-Ritual?

Velimirovic: Ja, leider. Jeder neue Spieler musste singen. Ich sang Casanova von Summer Cem und BAUSA, also Deutsch-Rap. Unser DJ ist aber normalerweise Stefan Schwab. Da hören wir alle Musikrichtungen.

Wie fühlt es sich an, als 18-Jähriger im Wiener Derby aufzulaufen?

Velimirovic: Ich musste einige Nächte darüber nachdenken. Nach dem Match fuhr ich direkt zum U19-Nationalteam. Die Teamkollegen dort waren alle überrascht. "Du hast ja gegen die Austria gespielt", bekam ich zu hören. Nach ein paar Tagen habe ich realisiert, dass ein riesiger Traum wahr wurde. Ein sehr schönes Gefühl.

Wann wussten Sie vom Startelf-Einsatz?

Velimirovic: Der Trainer hat es mir einen Tag vor dem Spiel gesagt. Er nahm mir den Druck und meinte, es würden Fehler passieren. Ich solle nicht aufgeben und immer alles geben, so wie bei Rapid II. Ich hatte nicht viel nachzudenken. Glücklicherweise ist alles gut verlaufen.

Dalibor Velimirovic: "Er dachte, ich würde zuschauen gehen"

Hatten Sie eine schlaflose Nacht, nachdem feststand, dass Sie beginnen werden?

Velimirovic: Nein, überhaupt nicht! Am Matchtag trafen wir uns im Allianz-Stadion. Ich fuhr mit den Öffis dorthin, natürlich im Rapid-Gewand. Dabei ging ich auch an einem Eissalon vorbei. Als ein Rapid-Fan auf mich aufmerksam wurde, rief er mir zu, ob ich nicht viel zu früh für das Derby dran wäre. Er dachte, ich wäre ein Fan und würde zuschauen gehen. Wir lachten beide, sagen wollte ich ihm aber nichts. Anschließend bin ich mit einem breiten Grinser im Gesicht weitergegangen.

Sie haben auf dem Feld sehr abgebrüht gewirkt.

Velimirovic: Ja, das höre ich oft. Man sagt mir, dass ich in solchen Situationen keine Nerven zeige.

Das zentrale Mittelfeld ist bei Rapid derzeit heiß umkämpft. Schwab wird seinen Platz wohl fix haben, es bleibt sozusagen nur eine freie Position, bei sechs potenziellen Kandidaten (Anm. Grahovac, Ljubicic, Petrovic, Ibrahimoglu, Schuster, Velimirovic).

Velimirovic: Ja, aber das ist immer so. Sowas macht dich nur stärker. Schwabs Spielstil gefällt mir sehr, er hat immer super Bälle, eine gute Übersicht, redet viel und hilft jedem Mitspieler. Man kann sich von ihm definitiv eine Scheibe abschneiden. Er ist zudem unser Kapitän, geht voran, zieht die gesamte Mannschaft mit und gibt in jedem Training absolut alles. Er hat sich seinen Platz verdient. Auch ich werde weiterhin alles geben und hoffe, dass der Trainer mir dann das Vertrauen schenkt.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Dietmar Kühbauer?

Velimirovic: Er sagt einem im Training immer was man gut und was man schlecht gemacht hat. Er hilft uns sehr, vor allem den jüngeren Spielern, dass sie an die erfahreneren Profis heranwachsen können. Auch die älteren Spieler geben mir stets Anweisungen, speziell für meine jeweilige Position als Innenverteidiger oder Mittelfeldspieler. Schwab, Auer, Schick, Dibon, Sonnleitner, einfach alle.

Bei Columbia Floridsdorf waren Sie in Ihrer Jugendzeit sogar einmal mannschaftsintern bester Torschütze. Aber nicht als Innenverteidiger, oder?

Velimirovic: Nein, da habe ich auf der Sechser- und Achter-Position gespielt. Meine Aufgabe war es damals, nach vorne sowie nach hinten intensiv zu arbeiten. Das hat sich in weiterer Folge mit meinen elf Treffern in den siebzehn Partien auch bezahlt gemacht. In meiner Vergangenheit habe ich auf vielen Positionen gespielt. Beim Debüt gegen die Austria war Dejan Ljubicic krank, Rapid brauchte dementsprechend einen Sechser und hatte dabei Vertrauen in mich. Mir ist es relativ egal, wo ich eingesetzt werde. Ich spiele überall gerne.

Dalibor Velimirovic: Zeit bei Austria Wien? "Ich habe nicht mitbestimmt"

Sie hatten in der Vergangenheit auch ein kurzes Gastspiel bei der Austria.

Velimirovic: Ja, in der U11. Damals entschieden das meine Eltern für mich, ich habe nicht mitbestimmt. Es war auch keine schöne Zeit dort. Meiner ganzen Familie möchte ich aber dennoch von ganzem Herzen danken, besonders meiner Mutter. Sie hatte keinen Führerschein, begleitete mich damals jedoch stets bei Turnieren, Spielen oder auch im Ausland. Sie war immer dabei.

Wie sind Sie bei Rapid gelandet?

Velimirovic: Ich spielte für das LAZ und in der Wien-Auswahl. Dort wurde Rapid auf mich aufmerksam und lud mich zu einem Probetraining ein. Von zehn Spielern wurden letztlich vier bis fünf aufgenommen, einer davon war ich.

Vor dem Profi-Vetrag haben Sie noch einen Lehrabschluss als Sport-Administrator gemacht. Ist das Ihr Plan B?

Velimirovic: Bei Rapid ist es so, dass man nebenbei eine sportbegleitende zweite berufliche Laufbahn erlernen muss. Ich habe mich damals für den Sport-Administrator entschieden. Angst vor einer karrierebeendenden Verletzung oder anderen Dingen hatte ich nie. An so etwas denke ich gar nicht.

Wie sah der Tagesablauf in der Akademie aus?

Velimirovic: Am Montag und Mittwoch hatten wir Berufsschule, danach ging es zum Training. Dienstag und Donnerstag hingegen fanden die Trainingseinheiten in der Früh und am Abend statt, dazwischen mussten wir zur Lehre. Falls man mal etwas verpasst hatte, musste man bei Auswärtsspielen oft im Bus lernen. Ich habe es zumindest versucht. (schmunzelt)

Blieb nicht viel Zeit für Hobbies.

Velimirovic: Das stimmt. Mittlerweile hat sich das aber geändert. Ich gehe oft Basketballspielen mit den Teamkollegen. Oder ins Kino.

Haben Sie eine Lieblingsmannschaft in der NBA?

Velimirovic: Die Lakers - mit LeBron James und Anthony Davies. Ich will unbedingt mal dorthin, um mir ein Spiel von ihnen anzusehen. Egal gegen wen, Hauptsache LeBron live miterleben.

Wer von den Rapid-Profis spielt mit James auf Augenhöhe?

Velimirovic: Schwabi (Anm. Stefan Schwab) ist richtig gut. Auch Pauli (Anm. Paul Gartler) oder Max Hoffmann können spielen. Nicht so gut ist hingegen Max Ullmann (lacht). Der hat andere Stärken, Fußball zum Beispiel.

Zurück zum Fußball: Ist es als Eigenbauspieler eigentlich schwieriger in die Startelf bei den Profis zu kommen?

Velimirovic: Nein, hier nicht. Der Trainer stellt so auf, wie er denkt, dass es das Richtige ist. Wer beispielsweise gegen den jeweiligen Gegner am besten performen könnte. Da ist egal, woher man gekommen ist.

Eine talentierte Generation findet aktuell den Weg in die Kampfmannschaft.

Velimirovic: Das ist auch gut so, Rapid kann stolz darauf sein. Es werden in letzter Zeit sehr viele Spieler hochgezogen. Mir gefällt Yusuf Demir sehr gut, aber auch Ibrahimoglu oder Hajdari haben viel Potenzial, genauso wie viele andere Talente. Jeder von uns wird seine Chancen schließlich bekommen.

In den sozialen Medien machen Sie oft Späße mit einer Nachwuchshoffnung, allerdings nicht von Rapid.

Velimirovic: Flavius (Anm. Daniliuc) von Bayern München habe ich im U19-Nationalteam kennengelernt. Immer wenn er in Wien ist, machen wir etwas gemeinsam mit unseren Brüdern (Anm. Daniel-Edward Daniliuc/SV Ried). Dann chillen wir oft bei ihm und spielen FIFA.

Dalibor Velimirovic: "Bei Rapid messen wir uns untereinander"

Wer zockt besser?

Velimirovic: Da muss ich leider zugeben, dass er der Bessere ist. Bei Rapid messen wir uns auch immer untereinander. Ich habe anfangs ein bisschen zu viel geredet, dann hat mir Murg meine Grenzen gleich mal aufgezeigt. Ullmann und Knofi (Anm. Knoflach) sind auch sehr stark. Einmal spielte ich sogar bei einem Showmatch gegen Stephan Auer. Da verlor ich auch. Meine Fifa-Karriere hat leider nie so richtig beginnen wollen.

Sie starten mit der U19-Nationalmannschaft in die EM-Qualifikation gegen Serbien. Ein besonderes Spiel?

Velimirovic: Ja, meine Wurzeln sind in Serbien. Ich bin dort einmal im Jahr für ein, zwei Wochen und besuche meine Großeltern. Da gibt es dann auch viel zu essen. Ich muss dabei aber aufpassen, es nicht zu übertreiben. Anschließend geben sie mir immer Süßigkeit mit auf dem Weg nach Wien, die esse ich aber nicht gerade gerne.

Wie wichtig ist die Ernährung eines Profifußballers?

Velimirovic: Natürlich sehr wichtig. Vor und nach den Trainingseinheiten bekommen wir beim SK Rapid immer etwas zu essen. Das ist alles gut abgesprochen. Vegane Ernährung ist für mich aber leider eher nichts. Dennoch, jeder wie er möchte.

Haben Sie ein Vorbild?

Velimirovic: Viele vergleichen mich mit Sergio Busquets, sein Stil gefällt mir auch. Die Ruhe am Ball und diese Übersicht sind einfach top. Auch Neymar finde ich cool. Letztlich bin ich aber doch Bayern-Fan.

Werden Sie mittlerweile auf der Straße erkannt?

Velimirovic: Das passiert nicht oft, nur hin und wieder. In der U-Bahn hat mich mal vor Kurzem ein Jugendlicher nach einem Foto gefragt. Dann haben alle hergesehen und sich gefragt, wer ich sein könnte. Kinder erkennen mich da eher als Erwachsene.

Fahren Sie häufig mit der U-Bahn zum Training?

Velimirovic: Ja, meistens. Manchmal holt mich auch Kelvin (Anm. Arase) mit dem Auto ab. Ich habe noch keinen Führerschein, bin gerade aber dabei einen zu machen.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft, abseits des Führerscheins?

Velimirovic: Ein Titel mit Rapid, egal ob Meister oder Cupsieger. Vielleicht sogar beides. Was die Zukunft dann bringt, darüber denke ich nicht nach. Nur das Hier und Jetzt zählt. Das ist der Anfang meiner Karriere, den will ich unbedingt in Hütteldorf machen.

Und irgendwann dann zu den Bayern?

Velimirovic: Schauen wir einmal. Deutschland wäre schon nicht schlecht, oder auch Spanien. Das sind Top-Ligen. Vorerst liegt der Fokus jedoch auf Rapid, wo ich noch bei vielen erfolgreichen Phasen mit dabei sein will.

Rapid Wien: Die Optionen im zentralen Mittelfeld

SpielerAlterRückennummer
Srdjan Grahovac2714
Melih Ibrahimoglu1940
Dejan Ljubicic2239
Dejan Petrovic2216
Lion Schuster1942
Stefan Schwab298
Dalibor Velimirovic1947
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