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FC-Sevilla-Stürmer Munas Dabbur im SPOX-Interview: Rückkehr? "Salzburg ist ein Klub für junge Spieler"

Munas Dabbur im Trikot des FC Sevilla
© getty

Nach drei Jahren, drei Meistertiteln, zwei Cup-Trophäen, zwei Torjägerkronen und 72 Treffern wechselte Munas Dabbur im vergangenen Sommer für 17 Millionen Euro zum FC Sevilla. Den Wechsel machte der Israeli bereits im Jänner zuvor offiziell.

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Noch bevor Dabbur in Andalusien andockte, trennte sich der FC Sevilla von Trainer Pablo Machin. Unter Neo-Coach Julen Lopetegui muss der 27-Jährige mit Einsätzen in der Europa League vorliebnehmen.

Im Interview mit SPOX spricht Dabbur über seine verzwickte Situation in Sevilla, Red Bull Salzburgs Chancen im Duell am Dienstag mit dem FC Liverpool (LIVE und EXKLUSIV in voller Länge auf DAZN), Erling Haalands außergewöhnliches Potenzial und eine mögliche Rückkehr zu den Bullen.

Während wir telefonieren, hat es in Sevilla 18 Grad. Das ist unfair.

Munas Dabbur: (lacht) Das ist ein riesiges Plus. Bis jetzt habe ich kaum schlechtes Wetter erlebt. Sevilla ist eine unglaublich nette Stadt. Die Leute sind sehr herzlich, es gibt tolle Plätze und die Menschen sind verrückt nach Fußball. Hier lässt sich das Leben genießen.

Lebt Ihre Familie bereits in Sevilla?

Dabbur: Meine Frau ist hier bei mir. Wir warten aktuell auf unser erstes Baby - sie ist im vierten Monat schwanger.

Herzliche Gratulation! Sie haben in der Europa League gegen Quarabag Ihr erstes Tor im Ramón Sánchez Pizjuan erzielt. Ihnen muss ein Stein vom Herzen gefallen sein.

Dabbur: Vielen Dank! Mein erstes Heimtor war für mich ehrlich gesagt ein ganz, ganz, ganz besonderes Gefühl. Obwohl ich bisher in der Liga nicht zum Einsatz kam, habe ich von unseren Fans viel Liebe und Support bekommen, ich weiß gar nicht wirklich, warum. Für mich war es enorm wichtig, zuhause eine gute Leistung zu zeigen und zu treffen.

Sie treffen in der Europa League alle 95 Minuten und können fünf Scorerpunkte nach fünf Spielen vorweisen. In der Liga kamen Sie nur zwölf Minuten zum Einsatz. Wie ist das möglich?

Dabbur: Das kann ich schwer beantworten. Das ist die Entscheidung des Trainers und ich kann wenig dagegen tun. Ich gebe mein Bestes und versuche den Trainer bei jedem Europa-League-Einsatz zu überzeugen, dass ich meine Chance verdiene. Wir haben hier in Sevilla einen riesigen Kader und nicht nur ich bin in einer verzwickten Situation. Selbst in der Europa League bin ich in den ersten beiden Partien nur fünf bzw. acht Minuten zum Einsatz gekommen. Umso wichtiger, dass ich in den letzten beiden Spielen drei Tore und zwei Vorlagen geliefert habe.

Der Klub hat mit Chicharito, Munir und Luuk de Jong relativ prominente Stürmer, aber keiner der drei hat mehr als zwei Tore erzielt.

Dabbur: Wir haben vorne wirklich große Namen. Ich bekomme aktuell zwar nicht meine Chance, aber das Team schlägt sich auch hervorragend. Wir sind in der Liga auf Tuchfühlung mit der Tabellenspitze, gewinnen unsere Partien. Ich werde hart weiterarbeiten.

Sie haben vorher die fußballverrückten Anhänger angesprochen. Der FC Sevilla liegt auf Rang drei. Wird von der großen Sensation in der Liga geträumt?

Dabbur: In einer Liga mit Real Madrid und Barcelona ist es schon sehr schwer, den Titel zu holen. Wir machen unsere Sache gut und sind gut beraten, dass wir uns auf unsere Ziele konzentrieren: Über die Top-Vier die Champions-League-Qualifikation zu fixieren und den Europa-League-Titel zu holen. Sollten wir wirklich bis zum Ende an Barca und Real dranbleiben, wäre das eine außergewöhnliche Situation. Wie realistisch das ist, kann ich noch schwer beurteilen - wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Ihr Transfer von Red Bull Salzburg zum FC Sevilla wurde bereits Mitte Jänner offiziell. Können Sie uns Einblicke geben?

Dabbur: Der Abschied aus Salzburg war für mich sehr schwer, das möchte ich unbedingt festhalten. Der Klub hat so viel für mich getan. Ich verfolge die Mannschaft noch immer und fühle mich dem Verein verbunden. Auf der anderen Seite glaube ich, dass ich alles richtig gemacht habe. Ich wollte meinen Wechsel zum FC Sevilla nicht verheimlichen, sondern reinen Tisch machen. Es war für alle besser zu wissen, dass ich im Sommer weiterziehen werde. Trotzdem habe ich bewiesen, dass ich zu hundert Prozent konzentriert bleiben kann.

Sie haben nach dem Bekanntwerden Ihres Transfers zum FC Sevilla noch 17 Tore in 18 Spielen für Salzburg erzielt.

Dabbur: Es waren noch fünf fantastische Monate mit dem Double-Gewinn. Traurig ist nur das knappe Aus gegen Napoli in der Europa League. Im Nachhinein war es sicher kein Fehler, dass ich meinen Transfer öffentlich gemacht habe. Ich konnte einem großen Klub wie dem FC Sevilla nicht absagen.

Seit dem Vollzug im Jänner ist viel passiert. Trainer Pablo Machín wurde im März entlassen, bevor sich überhaupt in Sevilla andockten. Bereuen Sie Ihren Wechsel?

Dabbur: Ich bin nicht glücklich, dass ich in La Liga nicht zum Einsatz komme. Aber ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass sich das ändern kann. Wenn man alle Faktoren addiert, bin ich mit meiner Entscheidung, nach Sevilla zu wechseln, noch immer glücklich. Ich bin aktuell in keiner idealen Situation, aber ich will auch nicht von Unglück sprechen oder mich auf den Trainerwechsel rausreden. Solche Dinge passieren, ich bin hier und damit muss ich leben. Dass ich jeden Tag auf einem Top-Top-Top-Level trainieren kann, ist auch sehr viel wert. Noch einmal: Ich bin noch immer glücklich und stolz, dass ich bei so einem großen Klub unterschrieben habe.

Sie haben vorhin erwähnt, dass Sie Red Bull Salzburg noch immer verfolgen. Am Dienstag hat Salzburg die Gelegenheit, Liverpool aus der Champions League zu katapultieren. Wie stehen die Chancen gegen den Titelverteidiger?

Dabbur: Sie haben definitiv Chancen, ganz klar! Besonders in einem einzigen Spiel, besonders wenn man von Red Bull Salzburg spricht und besonders in einem Heimspiel. Wir haben das schon mehrmals gesehen. Während des ersten Duells an der Anfield Road habe ich meinem Bruder nach dem 1:3 eine WhatsApp-Nachricht geschrieben, dass hier noch nichts gegessen ist. Nach dem 3:3 war er schockiert. Leider haben sie noch das 3:4 kassiert. Aber gegen Liverpool ein 0:3 in ein 3:3 zu verwandeln macht stolz und gibt Hoffnung für Dienstag. Ich werde Fan Nummer eins sein und meinen Freunden alles Gute wünschen.

Erling Haaland, Ihr direkter Nachfolger im Sturmzentrum, ist aktuell einer der heißesten Angreifer Europas. Überrascht Sie das?

Dabbur: Ich bin enorm beeindruckt. Im ersten halben Jahr hat er kaum gespielt, aber dennoch konnte jeder im Training seine Qualität sehen. Ein fantastischer Fußballer und ein großartiger Typ. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass er bald einer der besten Spieler der Welt sein wird. Das ist meine Meinung. Ich habe immer gewusst, dass er etwas besonderes ist. Wir sind noch immer Woche für Woche in Kontakt, plaudern viel, er ist einfach ein super Typ und ich wünsche ihm alles Gute.

Salzburg ist ein guter Boden für Stürmer. Sie, Jonatan Soriano, Haaland...

Dabbur: Egal unter welchem Trainer, Red Bull Salzburg spielt immer auf Sieg. Das hilft uns Stürmern enorm. Dazu spielt uns auch die Spielphilosophie mit den hohen Ballgewinnen in Tornähe in die Karten. Wir kommen vergleichsweise zu ziemlich vielen Chancen.

Können Sie sich eigentlich eine Rückkehr zu Red Bull Salzburg vorstellen?

Dabbur: (lacht) Wenn ich 21, 22 Jahre alt wäre, würde ich "Ja" sagen. Aber Salzburg ist ein Klub für junge Spieler. Nein, ernsthaft: Diese Frage würde ich nie mit "Nein" beantworten und niemand kann in die Zukunft schauen. Ich glaube, dass ich einen guten Job in Salzburg erledigt habe und ich bin stolz auf die vergangenen Jahre. Ich werde immer dankbar sein. Ganz besonders dem Trainerteam, allen voran Marco Rose und Sportdirektor Christoph Freund. Beide werde ich immer für meinen Erfolg verantwortlich machen. Es überrascht mich auch nicht, dass Marco und sein Trainerteam mit Borussia Mönchengladbach so gut dastehen.

War für Sie ein Wechsel nach Leipzig jemals ein Thema?

Dabbur: Nein, nicht wirklich, ganz ehrlich.

Als Österreicher würde ich gerne nach ihrem Teamchef Andreas Herzog fragen. Wie beurteilen Sie die Situation nach einer durchwachsenen EM-Quali?

Dabbur: Ich finde, dass wir super in die Qualifikation gestartet sind, jeder in Israel war glücklich. Andi wurde von allen Seiten gelobt, endlich gab es wieder Hoffnung. Aber wie immer in Israel kam nach den ersten Niederlagen viel Kritik auf. Wir haben aber auch nicht gut gespielt, das ist ganz normal. Für mich ist das aber nicht das Ende der Welt - man muss auch die positiven Seiten sehen. Wir spielen insgesamt besser als früher und versuchen jedes Spiel zu gewinnen, agieren offensiver. Früher haben wir uns oft nur auf die Defensive konzentriert, wollten die Null halten. Ich kann mich an kein einziges Spiel erinnern, in die uns Andi defensiv geschickt hätte. Aber es ist nicht einfach, die anderen Mannschaften haben teilweise bessere Spieler mit mehr internationaler Erfahrung in Top-Ligen. Die Erwartungshaltung muss schon im Rahmen bleiben. Es ist für Andi nicht einfach, aber ich beurteile ihn positiv. Wir haben im Playoff gegen Schottland im März nun noch eine Chance.

Ihr Sturmpartner Shon Weissman hält bei 16 Toren nach 16 Ligaspielen für den WAC. An Stürmern mangelt es in Israel nicht.

Dabbur: Einfach fantastisch! Er hat mich nach dem WAC und der Liga befragt und ich habe ihm sofort gesagt, dass er diesen Schritt machen soll. Er wird dir das sicher bestätigen. (lacht) Ich bin sehr glücklich für ihn. Der WAC spielt eine großartige Saison und hat eine tolle Mannschaft, die jetzt schon länger zusammenspielt.

Abschließend: Sie kennen das Geschäft, es gibt freilich bereits Gerüchte über einen möglichen Transfer im Winter.

Dabbur: Im Moment bin ich Sevilla-Spieler. Ich habe noch vier Jahre Vertrag, darum ist es nicht realistisch, über einen Wechsel zu sprechen. Aber im Fußball geht es oft schnell, mal sehen.

Munas Dabbur: Seine Leistungsdaten

Wettbewerb

Spiele

Tore

Assists

FC Sevilla

6

3

2

Red Bull Salzburg

128

72

31

Grasshopper Club Zürich

105

56

28

Maccabi Tel Aviv

78

23

9

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