Fussball

Alexander Schlagers Debüt im ÖFB-Team: Folgt auf die "Gänsehaut“ die EURO-Teilnahme?

Alexander Schlager feierte ein gelungenes ÖFB-Debüt.

LASK-Torhüter Alexander Schlager hat am Samstag gegen Nordmazedonien sein Debüt im Tor der österreichischen Nationalmannschaft gefeiert. Dabei zeigte der 23-Jährige trotz eines späten Gegentreffers eine starke Leistung und brachte sich ins Gespräch für die Rolle als Nummer Eins im ÖFB-Team.

"Ich bin unglaublich dankbar. Ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen. Als ich ins Stadion eingelaufen bin, habe ich von oben bis unten Gänsehaut gehabt."

Noch vor weniger als zwei Jahren war Alexander Schlager lediglich Ersatzmann eines Bundesligisten. Er bestritt gerade einmal fünf Spiele in der Regionalliga Mitte für die FC Juniors OÖ. Erst zum bedeutungslosen Abschluss der Bundesliga-Saison Ende Mai 2018 ließ der damalige LASK-Coach Oliver Glasner Schlager über 90 Minuten spielen.

Plötzlich ging es schnell: Die Nummer Eins im Tor, Pavao Pervan, überraschte mit einem Wechsel zum VfL Wolfsburg. Der LASK verzichtete wiederum auf einen Transfer und ging mit Schlager in die neue Saison. Dort blühte er auf, spielte sich mit den Linzern in den Europacup und führte die ÖFB-U21-Auswahl zur EM-Endrunde.

Sein persönlicher Aufstieg wurde am Samstagabend im Ernst-Happel-Stadion gekrönt, trotz für November milder Temperaturen sorgten 41.100 Zuschauer bei Schlager für Gänsehaut-Momente.

Man musste sich dennoch vor allem in der ersten Halbzeit Sorgen machen, dass Schlager aufgrund mangelnder Arbeit unterkühlt. "Wir haben eine Mannschaft mit sehr viel Qualität. Deshalb kommt nicht im Minutentakt etwas auf die Torhüter zu", sagte ein euphorischer Schlager, der mit 34 Ballaktionen die wenigsten aller Spieler aus der Startelf hatte, in der Mixed Zone.

Während sich die Offensivspieler immer wieder in der Hälfte der Nordmazedonier festsetzten, achtete Schlager darauf, mit Trockenübungen auf Betriebstemperatur zu bleiben. Die reiche Erfahrung des gebürtigen Salzburgers kam ihm dabei zugute. "Das bin ich aber vom LASK gewohnt, auch dort lassen wir wenige Torchancen zu. Es gilt dann, die Konzentration hoch zu halten", erklärte er.

Alexander Schlager: Spätes Gegentor gegen Nordmazedonien

An diesen Vorsatz hielt sich Schlager dann auch. Die Gäste kamen in der ersten Halbzeit durch einen direkten Eckball zu ihrer größten Torchance, der ÖFB-Debütant war aber zur Stelle.

Am gefährlichsten wurde es jedoch in der Schlussviertelstunde, als die ÖFB-Elf etwas nachließ und Nordmazedonien vermehrt zu Chancen kam. In der 76. Minute hätte es noch einmal gefährlich werden können, einen starken Kopfball von Vlatko Stojanovski wehrte Schlager aber mit der Parade des Abends ab.

"Bei der Hereingabe dachte ich eigentlich, dass Drago (Aleksandar Dragovic, Anm.) an den Ball kommt. Es war gut, dass ich richtig gestanden bin. Wie die Parade ausgesehen hat, weiß ich noch gar nicht", sagte Schlager auf SPOX-Nachfrage mit einem Lächeln.

Einzig in der dritten Minute der Nachspielzeit musste sich Schlager geschlagen geben. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld kam erneut Stojanovski zu einem wuchtigen Kopfball, weil ihm der eingewechselte Michael Gregoritsch zu viel Platz ließ. Schlager war völlig chancenlos.

"In dem Moment ist es schon ärgerlich. Du denkst dir: ‚War das wirklich nötig?'", sagte Schlager. "Aber die Qualifikation ist geschafft, deshalb ist es mir auch wurscht, um ehrlich zu sein."

Er habe sich über die gesamte Partie auf dem Platz "superwohl" gefühlt. "Ich wollte mich nicht verstellen und mein Ding durchziehen, das ist mir ganz gut geglückt."

Bei seinem Debüt zeigte Schlager Teamchef Franco Foda, dass er für Druckmomente und große Spiele bereit ist. Eine klare Nummer Eins im ÖFB-Tor ist seit Monaten nicht zu erkennen, deshalb wittert auch der LASK-Keeper seine Chance auf einen Platz in der EURO-Startelf.

Franco Foda: Enges Rennen in ÖFB-Torhüterfrage

Foda machte mit seiner Entscheidung am Samstag klar, dass er dem Europa-League-Spieler Schlager mehr als dem Bundesliga-Spieler Pavao Pervan zutraut. Plötzlich entsteht im ÖFB-Team gar die kuriose Situation, dass ein Deutschland-Legionär aus der höchsten Liga gar um sein Kader-Ticket bangen muss.

Die derzeit verletzten Cican Stankovic (Salzburg) und Heinz Lindner (Wehen Wiesbaden) stehen bei Foda nämlich nach wie vor hoch im Kurs. Für Jörg Siebenhandl, Richard Strebinger oder Daniel Bachmann scheint der EM-Zug abgefahren, sollten keine schweren Verletzungen auftreten.

Spannend bleibt die Frage, wer im bedeutungslosen letzten EM-Qualifikationsspiel in der lettischen Hauptstadt Riga den ÖFB-Kasten hütet. Bekommt Schlager die Möglichkeit, seine Leistung vom Samstag zu bestätigen? Oder hebt Foda Pervan auf eine Stufe mit Schlager und bietet dem 32-Jährigen dieselbe Plattform?

Schon vor dem Lettland-Spiel steht Österreich im Übrigen als Gruppenzweiter fest. Polen geht mit drei Punkten Vorsprung auf Österreich in den letzten Spieltag und hat im direkten Duell die Nase vorne. Slowenien liegt mit fünf Punkten Rückstand in der Tabelle der Gruppe G auf Platz drei. Das Ergebnis des ÖFB-Teams gegen Lettland zählt auch nicht zur Gesamtwertung, die die Einteilung der Lostöpfe für die EURO-Gruppenauslosung entscheidet. Dort werden die Ergebnisse der Gruppensechsten jeweils gestrichen.

Alexander Schlager: Karriere-Stationen

JahreVerein
2017-LASK
2016-2017FAC (Leihe)
2015-2016SV Grödig (Leihe)
2014-2015RB Leipzig (Leihe)
2013-2014FC Liefering
2009-2013Red Bull Salzburg (Jugend)
2007-2009Austria Salzburg (Jugend)
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