Fussball

Peter Stöger mit erstem Fazit bei FK Austria Wien: "Ich baue Druck auf, aber sorry, so ist das Geschäft"

Von SPOX Österreich
Peter Stöger gibt Einblick in sein Arbeit bei der Wiener Austria
© GEPA

Knapp ein Monat ist Peter Stöger nun der neue Sportvorstand der Wiener Austria. Auf die Freude über die bis heute überragende Verpflichtung aus der Sicht der Austria, folgte rasche Ernüchterung im violetten Umfeld. Im Interview mit dem hauseigenen Medien zog Peter Stöger nun ein erstes Fazit - und macht einen Blick in die Zukunft.

Zu schwach waren die Leistungen auf dem Feld, zu viele Probleme abseits davon brachten sie ans Tageslicht. Von sportlichen und vermeintlichen charakterlichen Schwächen im Profi-Team, über fehlende Reife bei den Young Violets bis hin zu Fehlern in der Kaderzusammenstellung und dem Scouting.

Über all diese Dinge konnte sich Peter Stöger bereits ein Bild verschaffen, jedoch kein komplettes, wie er im Interview mit dem vereinseigenen Podcast immer wieder betonte.

Peter Stöger: "Sportlich überschaubar gut gestartet"

Die Euphorie aufgrund seiner Bestellung wollte Stöger von Beginn an dämpfen, denn der Anspruch des Vereins ist aufgrund seiner Bestellung nicht gestiegen, wie er sagte: "Ziel ist es weiterhin, in den Europacup zu kommen."

Deshalb ist es dem Sportvorstand auch wichtig, nicht unbedingt das Gesicht des Vereins zu sein: "Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn unser Gesicht nach Außen der Trainer und unsere Jungs sind."

Dass dies aufgrund der derzeitigen Leistung ("Sportlich überschaubar gut gestartet") nicht so funktioniert wie erwünscht, ist dem letztmaligen Meistermacher aber auch bewusst.

Austrias Stöger: "Das geht bei Bayern München, aber nicht in Wien"

Dennoch würde er sich, ähnlich wie zuletzt Christoph Monschein, einen ähnlichen Rückhalt der Fans in schlechten Zeiten wünschen, wie er dies in Köln erlebt hatte. Allerdings betonte Stöger auch, wie stark der Support während den Spielen bislang war und hofft, dass dies so auch weitergeht.

Ebenfalls wichtig sei, nicht zu vergessen, welch ein infrastruktureller Schritt vom Verein gewagt wurde. Einer, der für eine positive Zukunft dringend notwendig war: "Wir stehen in der Entwicklung nun an einem Punkt, wo wir das eine oder andere wieder korrigieren müssen. Das lag sicher auch daran, dass wir dieses tolle Stadion hier her gebaut haben. Das habe ich in den letzten Wochen auch einigen klar gemacht. In Wien kannst du nicht ein Stadion bauen und nebenbei eine Top-Mannschaft aufbauen. Das geht in München [beim FC Bayern, Anm.], aber nicht in Wien."

FAK-Sportvorstand: "Muss das Hoheitsgebiet des Trainers bleiben"

Peter Stöger betonte im Interview ebenfalls des öfteren, dass die derzeitige Talfahrt die langfristige Arbeit nicht vereinfacht, da man auf vielen "Nebenschauplätze beschäftigt" ist. Deshalb wird er aber nicht in die Arbeit des Trainerteams und Christian Ilzer eingreifen.

"Im Bereich der Profimannschaft hat aber ausschließlich das Trainerteam die Verantwortung. Ich bin davon überzeugt, dass dies das Hoheitsgebiet des Trainers bleiben muss", meinte Stöger wohl auch aus eigener Erfahrung.

Zudem will man dem Druck aus dem Umfeld nicht sofort nachgeben, denn "im Umfeld ist es doch immer unruhig". Dinge die man sich vorgenommen hat, müsse man durchziehen und dies gilt für das Trainerteam, als auch für einzelne Spieler.

Peter Stöger: "Im Idealfall werden wir nur mit Österreichern Meister"

An deren Qualität glaubt man nämlich auch weiterhin: "Die Burschen haben die Qualität, um auf diesem Niveau zu bestehen. Sie müssen es nur beweisen", doch Garantien bekommt auf lange Sicht niemand: "Wenn das jemand nicht schafft, wird er früher oder später ausscheiden. Die Spieler haben es selbst in der Hand. Jetzt kann man sagen ich baue Druck auf, aber sorry, so ist das Geschäft."

Der Verein ist bereit, den Kader mit Spielern aus dem Ausland zu verstärken, denn man möchte "ein Verein sein, der internationalen Spielern eine Plattform für den nächsten Schritt bietet".

Der Kern bleiben aber weiterhin Spieler aus Österreich, alleine deshalb, weil "der Österreichertopf wirtschaftlich ein wichtiger Faktor" ist. Zudem ist, zumindest kurzfristig gesehen, aufgrund der strukturellen Projekte, wenig Geld dafür vorhanden. "Ich wusste, als ich hierher gekommen bin, dass ich nicht zum Tresor gehe und schau, wo ich das Geld beim Fenster rausschmeißen kann", witzelte Stöger.

"Wenn es der Markt hergibt und wir werden Meister mit nur Österreichern und im Idealfall nur mit Spielern aus unserer eigenen Akademie, sind wir die glücklichsten Menschen. Aber am Ende sind wir ein wirtschaftliches Unternehmen, müssen Ergebnisse liefern und wirtschaftlich reüssieren", brachte es Stöger auf den Punkt.

Peter Stöger über Alex Bade: "Fachliche Meinung von Außen"

Die "Rahmenbedingungen für die Akademie sind sensationell, besser als in vielen deutschen Vereinen", versicherte der Sportvorstand: "Daher muss eine Durchlässigkeit aus der Akademie gegeben sein. Mit den Bedingungen und den Ressourcen die wir haben, muss einfach mehr dabei heraus schauen." Es reiche nicht, "nur über Jahre hinweg ein violettes Trikot zu tragen. Das ist keine Bewerbung für die Profi-Mannschaft bei der Austria. Man muss schon abliefern", mahnte Stöger.

Dementsprechend liegt der Fokus beim Scouting weiterhin in Österreich und dies soll auch weiter verstärkt werden. Im Ausland braucht es dann vornehmlich ein gutes Netzwerk an Kontakten - hier kommt Alexander Bade in Spiel.

Der langjährige deutsche Torwart ist mit der Bestellung von Peter Stöger zum Sportkoordinator ernannt worden und soll sich mehrheitlich um Kontakte in Österreich und im Ausland kümmern, da er dort schon reichlich Erfahrung mitbringt.

"Er weiß wie das Spiel läuft und hat viel Know-How wenn es um sportlichen Strukturen geht. Wir haben uns einen sehr loyalen und strukturierten Fußball-Fachmann dazu geholt", lobte Stöger seinen langjährigen Kollegen. Die sonstigen sportlich Verantwortlichen, nämlich Sportdirektor Ralf Muhr und Stöger selbst, sind tiefer im Verein verwurzelt, weshalb Bade ebenfalls "eine fachliche Meinung von Außen" darstellt.

Peter Stöger: "Ralf Muhr kennt den Verein in- und auswendig"

Im Verein selbst kennt sich sowieso niemand besser aus als Ralf Muhr, so Stöger, denn der 49-Jährige ist "seit Jahrzehnten im Verein und kennt diesen in- und auswendig". Deshalb ist auch Muhr am nähsten an der Mannschaft dran, reist mit dieser zu den jeweiligen Spielen und sorgt für die "Verbindungen zu vielen Teilbereichen".

Das wird seine spezifischen Rollen aber noch in den nächsten Wochen und Monaten finden, meinte Stöger. Die jetzt gelegten Grundsteine werden wenn sowieso erst in der Zukunft zu sehen sein. Für den kurzfristigen Erfolg muss die Mannschaft der Wiener Austria sorgen. Ein Erreichen des Europacups würde die Arbeit des Gespanns Stöger-Bade-Muhr aber definitiv vereinfachen.

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