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Barnsley-Legionär Michael Sollbauer im Interview: "Ich habe Gerhard Struber sehr viel zu verdanken"

Michael Sollbauer im Barnsley-Trikot
© imago images

Ende Jänner verließ Michael Sollbauer nach zehn Jahren beim WAC das Lavanttal und heuerte beim nordenglischen FC Barnsley in South Yorkshire an.

Akklimatisierungszeit blieb dem 29-jährigen Innenverteidiger verwehrt. Schon am zweiten Arbeitstag absolvierte Sollbauer 90 Minuten im FA-Cup gegen den FC Portsmouth, in seinen ersten 37 Tagen beim Verein absolvierte der Kärntner satte acht Partien.

Im Interview mit SPOX lässt Sollbauer seine ersten Eindrücke bei den "Tykes" Revue passieren, spricht über den beinharten Abstiegskampf in der Championship und schwärmt von Coach Gerhard Struber.

Am 24. Jänner wurde Ihr Wechsel offiziell. Wie waren Ihre ersten Wochen danach?

Michael Sollbauer: Die ersten Eindrücke sind durchwegs positiv. Die Menschen in der Stadt, dem Verein und der Mannschaft sind sehr, sehr freundlich. Eine komplett andere Welt, aber die Österreicher und Deutschen* machen es mir einfach. Meine Wohnungssuche hat etwas gedauert, ich war die ersten Wochen allein - aber jetzt ist meine Familie zu Besuch und ich habe eine Wohnung in Leeds bezogen, ein paar Autominuten von Barnsley entfernt. Leeds hat selbst eine sehr erfolgreiche Mannschaft in der Championship, in Barnsley sind die Leute enorm fußballverrückt. Egal, wo man hingeht wird man von Fans angesprochen, sie sind sehr offen, suchen den Austausch und stehen hinter der Mannschaft.

*(Mit Samuel Sahin-Radlinger, Marcel Ritzmaier, Patrick Schmidt und Michael Sollbauer kicken vier Österreicher bei Barnsley, Kilian Ludewig und Kapitän Mike Bähre kommen aus Deutschland.)

Der letzte Monat muss für Sie turbulent gewesen sein. Seit Ende Jänner haben Sie bereits acht Spiele für den FC Barnsley absolviert.

Sollbauer: Am Anfang war es schon ein bisschen viel. Aber gut, das bringt so ein Winter-Wechsel mit sich. Alles ist recht schnell gegangen, ich bin direkt aus dem WAC-Trainingslager in der Türkei angereist und habe ziemlich schnell gespielt. Die Vorbereitung war nicht wirklich lange, aber meine Familie, der Verein und ich haben das gut hinbekommen und so lag der Fokus schnell auf dem Sportlichen.

Patrick Schmidt hat uns im Interview erzählt, dass die Intensität so hoch ist, dass er seine Freizeit meist mit Schlafen verbracht hat.

Sollbauer: Die Umstellung ist schon groß, vor allem im Training. Es ist eine andere Fußballwelt hier. Aber es ist auch genau das, was ich wollte. Ich kann mich super weiterentwickeln. Jetzt bin ich in der Liga und der Mannschaft angekommen und das Level will ich in den nächsten Wochen halten.

Michael Sollbauer: "Wollte mich an diese Kultur anpassen"

Ihr verbringt in Barnsley viel mehr Zeit auf dem Vereinsgelände, als es in Österreich üblich ist, oder?

Sollbauer: Ja, da musste und wollte ich mich auch an diese Kultur anpassen und so viel mitnehmen, wie nur irgendwie möglich. Professionalität wird großgeschrieben, wir haben gemeinsames Frühstück und Mittagessen, alles ist viel größer als in Wolfsberg. Ich bin froh, dass es so ist. Ich wollte etwas Neues sehen und mich persönlich weiterentwickeln. Zum Glück hat es mit dem Wechsel geklappt.

Barnsley verpflichtet Spieler anhand von moderner Datenanalyse. Ein Barnsley-Insider hat mir erzählt, dass Sie wegen Ihrer Führungsqualitäten verpflichtet wurden. Wie lief der Wechsel ab?

Sollbauer: Ich habe von meinem Agenten Reza Mostafaie erfahren, dass Barnsley an mir interessiert ist. Da musste ich nicht lange überlegen, natürlich auch weil mein altes WAC-Trainerteam mit Gerhard Struber und Max Senft, denen ich sehr viel zu verdanken habe, hier tätig ist. Die Gespräche zwischen meinem Berater, Barnsley und dem WAC waren sehr intensiv, aber am Ende war die Entscheidung für alle Beteiligten richtig und ich bin sehr dankbar, dass mir das ermöglicht wurde. Ich weiß, was in Barnsley von mir erwartet wird und ich konnte mich in den ersten Spielen bereits beweisen. Aber noch ist gar nichts erreicht. Wir wollen den Klassenerhalt, und dafür bin ich auch da.

Gerhard Struber hat Sie vergangene Woche sehr gelobt, Ihre Führungsqualitäten und Zuverlässigkeit angesprochen. Hat Gerhard Struber Ihre Karriere verändert?

Sollbauer: Das Verhältnis ist dementsprechend gut. Ich bin ihm sehr, sehr dankbar, dass er mir die Chance in Barnsley gegeben hat. Die Zusammenarbeit in Wolfsberg war erfolgreich, ich war Kapitän und habe mich unter ihm dank seiner Hilfe deutlich entwickelt. Und das mit Ende 20. Er hat mir gezeigt, dass man sich immer verbessern kann. Er macht in Barnsley wirklich hervorragende Arbeit, obwohl aufgrund der Tabellensituation alles nicht ganz so einfach ist. Ich weiß, wie er denkt, was er auf dem Platz haben will - und ich versuche die Führung der Mannschaft zu übernehmen. Je mehr Spiele ich absolviere, desto leichter wird es.

Täuscht der Eindruck, der auf Social Media entsteht, oder ist Gerhard Struber in Barnsley schon zum Publikumsliebling avanciert?

Sollbauer: Seit Gerhard hier ist, leistet er hervorragende Arbeit. Dass man nicht jedes Spiel gewinnen kann, ist klar. Aber in den letzten Spielen waren wir am Leben, seine Emotionen und seine Art kommen sehr gut bei den Fans an. Das Publikum sieht, dass es eine eindeutige Entwicklung in der Mannschaft und in der Tabelle gibt. Auch wenn wir noch unten drinnen sind hat er sehr viele Punkte gesammelt.

Hat Gerhard Struber seine Spielphilosophie für Barnsley adaptiert, oder ist sie gleichgeblieben?

Sollbauer: Es ist schon unserem Spiel in Wolfsberg sehr, sehr ähnlich. Natürlich muss man sich manchen Gegner anpassen, weil die Spielanalage der Championship zu Österreich unterschiedlich ist, aber der Grundgedanke bleibt der gleiche.

Ihr hattet zuletzt eine Serie von drei Siegen ohne Gegentor, habt jetzt gegen Reading verloren. War der 3:0-Sieg in Fulhams Craven Cottage das bisherige Highlight?

Sollbauer: Das war ganz besonders. Jeder Sieg hat etwas Spezielles, aber auswärts gegen den Aufstiegsaspiranten Fulham hat uns wirklich niemand etwas zugetraut. Das hat der Mannschaft irrsinnig Auftrieb gegeben und der Mannschaft zu zwei weiteren Siegen verholfen.

Michael Sollbauer: "WAC wird für mich großen Stellenwert haben"

Die Tabellensituation ist mit fünf Punkten Rückstand auf Platz 21, der den Klassenerhalt fixiert, prekär. Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Sollbauer: Wir haben jetzt noch zehn Partien zu spielen und wissen, wie groß die Aufgabe ist. Die letzten Runden haben uns gezeigt, dass wir in der Championship gegen jeden Gegner gewinnen, aber auch verlieren können. Wir müssen absolut am Limit agieren, aber ich bin zuversichtlich, dass wir eine riesengroße Chance haben. Am Samstag zuhause gegen Cardiff wollen wir einen Schritt näherkommen. Es kann bis zur letzten Runde gehen.

Wie kann man sich Barnsleys Kader-Qualität vorstellen?

Sollbauer: Die Truppe ist sehr jung, aber auch sehr, sehr talentiert. Man sieht, dass die Jungs richtig gute Anlagen haben. Wir kommen immer wieder zu Torchancen, das ist unser großes Plus. Wir müssen da eiskalt sein, dann werden wir die nächsten Spiele positiv bestreiten. Der Ligaverbleib hat jetzt absolute Priorität.

Ihr Wechsel ließ die Wogen ziemlich hochgehen, Präsident Dietmar Riegler hat Gerhard Struber Charakterlosigkeit vorgeworfen. Wie haben Sie die Causa verfolgt?

Sollbauer: Ich habe dem Verein mitgeteilt, dass ich diese Chance ergreifen will, was nach knapp zehn Jahren mit Höhen und Tiefen beim WAC nicht einfach war. Aber auch wenn es eine schwierige Entscheidung war, war für mich klar, dass ich diesen Schritt gehen will. Die Situation war für beide Parteien nicht einfach, aber schlussendlich war die Lösung für den WAC und für mich die Richtige. Der WAC wird für mich immer einen großen Stellenwert haben. Ich habe sehr viele Freunde dort und ich bin nach wie vor interessiert. Die Mannschaft hat sich richtig gut verstärkt, die Qualität ist riesig und wird ein gewichtiges Wort um die internationalen Plätze mitreden. Ich werde das aus der Ferne genau beobachten. Der WAC hat jetzt wie ich zehn Finalspiele und wir werden das hinkriegen.

Die Tabelle der englischen Championship

Platz 1 & 2 garantieren den Aufstieg in die Premier League, Rang 3 bis 6 spielen im Playoff um den letzten Aufstiegsplatz. Die drei Tabellenletzten steigen in die League One ab.

#VereinSpieleGUVTorePkt.
361912564:3769
36208854:3068
36189951:3763
361612848:3560
351691059:3257
361681249:4256
361591250:5254
3614111152:4253
3613131046:4552
361215950:5051
361391446:4448
351115940:4048
3612121246:4948
361381555:6147
3612111347:5447
361291543:4145
361191645:5642
361181748:5841
3610101638:5040
361091744:5339
361161944:5439
368141436:4738
368101842:6034
361042243:7134
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