Fussball

Larry Kayode im Interview: Schwalbenkönig? "Egal, ich war einer der besten Bundesliga-Stürmer"

Von Philipp Stottan
Larry Kayode bei Austria Wien
© GEPA

Olarenwaju "Larry" Kayode galt in seinen zwei Jahren in Österreich als einer der kontroversesten, aber auch besten Spieler der Bundesliga. Im Interview mit SPOX spricht der heute 26-Jährige über die schlechte Behandlung bei seinem Austria-Abgang, warum ihm sein Titel als "Schwalbenkönig" egal ist und über gesellschaftliche Probleme im Fußball.

Derzeit ist Larry Kayode von Shakhtar Donetsk an den türkischen Verein Gaziantep verliehen, wo er wie der Rest der Welt auf den Restart nach der Corona-Krise wartet. Doch damit weiß der Nigerianer umzugehen, denn in seiner Karriere hat er bislang einiges erlebt - vom Torschützenkönig in Österreich bis hin zu nicht-bezahlten Gehaltsschecks.

Herr Kayode, wie geht es Ihnen derzeit in der Corona-Krise und wo verbringen Sie diese schwierige Zeit?

Larry Kayode: Ich bin derzeit mit meiner Familie zuhause und mache meine Übungen. Es ist zurzeit für jeden schwer, nicht nur für mich. Wir müssen einfach vorsichtig sein und uns vor dem Virus zu schützen.

Sie sind derzeit an Gaziantep verliehen und haben eine starke Saison gespielt (22 Spiele: Neun Tore, sechs Vorlagen). Gefällt es Ihnen beim Klub?

Kayode: Ich mag Gaziantep, es ist auch eine nette Stadt. Ich habe in vielen verschiedenen Ligen gespielt, jede davon ist unterschiedlich, man kann sie schwer vergleichen. Doch es gefällt mir. Die Liga ist anspruchsvoll und hoffentlich können wir unser Leistungsniveau hoch halten, wenn es wieder losgeht.

Würden Sie gerne über diese Saison hinaus beim Verein bleiben?

Kayode: Nein, ich werde nicht hier bleiben. Mit Gaziantep können wir die Saison hoffentlich gut beenden und dann muss ich zurück zu meinem Team, dort habe ich Vertrag. Aber eigentlich möchte ich zu einem anderen großen Klub wechseln. Es ist schwer für mich, denn ich will unbedingt spielen. Ich weiß, wozu ich fähig bin und deswegen kann ich nicht nur auf der Bank sitzen. Viele Klubs werden nach mir fragen, vielleicht auch ein Topklub. Ich werde mich mit meiner Familie zusammensetzen und wir suchen den besten Klub aus.

Olarenwaju Kayode: "Ich will nicht bei Shakhtar Donetsk bleiben"

Es besteht also keine Möglichkeit, dass Sie nächste Saison für Shakhtar spielen?

Kayode: Ich denke bei Shakhtar glauben sie zu sehr an brasilianische Spieler. Die Premjer Liha (ukrainische Liga, Anm.) hat kein besonders hohes Niveau, sie haben nur zwei große Klubs mit Shakhtar und Dynamo Kiev - das ist keine Herausforderung. Also auch wenn Shakhtar entscheidet, mich zu behalten, will ich dort nicht bleiben. Shakhtar ist ein guter Klub, keine Frage, aber ich muss vorankommen. Ich brauche Herausforderungen.

Haben Sie etwas Bestimmtes ins Auge gefasst?

Kayode: Ich würde es lieben zurück nach Spanien zu gehen. Vielleicht auch Italien oder die Türkei, nur zu einem stärkeren Klub. Aber mein Ziel ist es, zu einem Topklub zu wechseln, denn ich will Champions League spielen.

Hat der Krieg in der Ukraine auch etwas damit zutun?

Kayode: Als ich dort war, hatten wir nicht wirklich ein Problem mit Krieg, aber wir mussten in Kiev leben und unser Stadion damals war das Metalist-Stadion in Kharkov (statt der Donbass Arena in Donetsk, Anm.). Ich hatte also keine Probleme, nein.

Sie haben wahrscheinlich von den Problemen gehört, die Loris Karius in der Türkei hatte. Hatten Sie auch bereits Probleme mit Gehaltsauszahlungen?

Kayode: Manchmal bekomme ich mein Gehalt und manchmal nicht. Es ist zurzeit sehr schwer in der Türkei. Ich weiß nicht um die genaue finanzielle Lage, aber wenn ich mein Gehalt nicht bekomme, muss ich mit meinem Klub und mit meinem Anwalt sprechen. Wenn ich hart arbeite, muss ich auch dafür bezahlt werden.

Ein Vereinswechsel könnte Sie auch zurück ins Nationalteam bringen.

Kayode: Das Nationalteam ist kompliziert. Ich habe schon U17, U20, U23 und vier Spiele für die Profis gespielt. Aber es geht dort nicht um deine Performance oder deine erzielten Tore. Unsere Mentalität und die Art wie das in Afrika gehandhabt wird, ist anders. Es geht eher um Politik.

In Favoriten waren Sie einer der besten Spieler der Austria, vielleicht auch im Land. Wenn über Sie gesprochen wurde, fiel aber auch oft das Wort "Schwalbenkönig". Wie haben Sie das damals empfunden?

Kayode: Es hat mich nicht interessiert, was sie sagen. Es wird dich nie jeder unterstützen. Ich habe es ihnen gezeigt, ich war einer der besten Stürmer der Bundesliga - nur das zählt. Ich, Olarenwaju Kayode, bin Torschützenkönig geworden und habe meinen Namen in Österreich hinterlassen. In vielen Spielen haben die Schiedsrichter auch hundertprozentige Fouls oder Tore nicht gegeben. Ich denke, meine Tore sollten einfach wichtiger sein als alles andere.

Also es war Ihnen bewusst, aber auch egal?

Kayode: Genau. Meine Aufgabe ist es Tore zu schießen und wenn ich das mache, sind die Fans glücklich. Das zählt.

Mit diesen Toren haben Sie sich dann einen Transfer zu Manchester City verdient. Konnten Sie das damals glauben, was gerade passiert?

Kayode: Ich war schon sehr überrascht, als ich den Anruf aus England bekam. Ich hatte Probleme mit der Austria, wollte nicht mehr spielen und unbedingt weg. Ich habe Leistung gebracht und wurde aber nicht gut behandelt. Ich war nicht mehr glücklich. Als ich den Anruf bekam, war ich einfach froh, bei so einem großen Klubs zu unterschreiben. Und ich denke die Austria war dann über die Ablöse auch glücklich.

Inwiefern wurden Sie schlecht behandelt?

Kayode: Es ist kompliziert, ich will nicht zu sehr ins Detail gehen. Ich habe einfach viele Nachrichten bekommen und ich war nicht mehr glücklich, zum Training zu gehen.

Ex-Austria-Stürmer: "Vielleicht braucht Austria mehr Kayodes, Gorgons und Grünwalds"

Wussten Sie, dass Manchester City Sie direkt nach Girona verleihen wird?

Kayode: Ja, das wusste ich. Auch zu welchem Klub, das wurde mir alles erzählt. Ich hatte meinen Medizintest in London, danach habe ich Einzeltraining absolviert und am nächsten Tag bin ich nach Spanien geflogen. Zuvor wurde ich auch nach Manchester geflogen, um mir alles anzusehen und mit Pep Guardiola zu sprechen. Er hat mir erklärt wie das Leihgeschäft mit Girona laufen wird und dann habe ich zugestimmt.

Seit Ihrer Zeit bei Austria Wien ist es für den Verein immer schlechter gelaufen. Woher kommt das?

Kayode: Ich liebe Austria Wien, ich war lange sehr glücklich dort. Ich denke wir haben auch Geschichte geschrieben, Gogo (Alexander Gorgon, Anm.), Alexander (Grünwald, Anm.), Tarkan Serbest und ich. Ich weiß nicht, was danach mit ihnen passiert ist. Vielleicht brauchen sie mehr Kayodes, Gogos und Alex'. (lacht) Ich hatte zwei Spielzeiten in der Bundesliga und auch in der Europa League. Ich denke, das war eine der besten Zeiten in meiner Karriere, immerhin war ich Torschützenkönig. Ich weiß nicht was jetzt los ist, Austria ist ein großer Klub und sollte nicht so untergehen wie derzeit. Sie sollten den richtigen Spielern eine Chance geben zu spielen, zum Beispiel Bright Edomwonyi. Er ist ein guter Freund von mir und sollte mehr spielen.

Christoph Monschein hat aber wie am Fließband getroffen.

Kayode: Monschein ist auch ein sehr guter Spieler. Zu meiner Zeit haben wir öfter mit zwei Stürmern gespielt, vielleicht sollten sie das öfter probieren. Mein Gott, jetzt sind sie im unteren Playoff, das ist wirklich schlecht. Ich wünsche ihnen viel Glück!

Larry Kayode: Qualität für LaLiga? "Hundertprozentig"

Sie waren in den letzten neun Jahren in neun verschiedenen Ländern aktiv. Welches ist Ihnen am ehesten in Erinnerung geblieben?

Kayode: Ich liebe Israel, ich liebe Österreich und auch Spanien. Am ehesten wahrscheinlich Spanien, dort habe ich zwar nicht viel gespielt aber das Leben ist sehr einfach, meine Familie war dort sehr glücklich.

Warum hat es bei Girona trotzdem nicht funktioniert?

Kayode: Wenn die Familie bei mir ist, dann ist es nicht so wichtig, wenn ich nicht gut spiele. In Spanien war es daher fantastisch für mich. Gutes Wetter, gutes Leben. Ich habe Spanien sehr genossen.

Denken Sie ihre Qualität reicht aus, um in LaLiga zu spielen?

Kayode: Ja, hundertprozentig.

Im Februar 2018 hätten Sie von Manchester City leihweise zu Amiens nach Frankreich wechseln sollen, aber im letzten Moment zerplatze der Deal.

Kayode: Beim Transfer gab es Probleme, ja. Und auch Probleme mit den Beratern. Sie haben den Deal so lange verzögert, bis er geplatzt ist. Das ist die Vergangenheit, ich blicke in die Zukunft.

Im Internet kursiert das Gerücht, Sie hätten sieben Agenten.

Kayode: Nein, das ist eine Lüge. Es gibt immer einige Personen, die sich als dein Berater ausgeben. Da trifft man jemanden im Supermarkt, redet mit ihm und schon behauptet er, du seist sein Spieler. Ich habe derzeit gar keinen Berater, denn ich will keine Probleme mit denen. Meine Familie ist mein Berater, vor allem meine Frau. Sie macht es am besten, sie weiß viel über Fußball und es geht alles ganz geschmeidig.

Kayode: Austria Wien? "Vielleicht komme ich zurück"

Was würden Sie sagen war der bislang beste Moment Ihrer Karriere?

Kayode: Auf jeden Fall als ich Torschützenkönig in Österreich wurde. Und auch mein Tor gegen AS Rom in der Europa League (3:3-Ausgleich in Rom in der 85. Minute, Anm.). Diese beiden sind die großartigsten Momente meiner Karriere.

Sie haben gemeint, es hat Ihnen in Österreich gefallen. Ist eine Rückkehr zu Austria Wien oder in die Bundesliga generell eine Option?

Kayode: (lacht) Ich kenne die Zukunft nicht, aber ich muss immer nach vorne schauen und mich weiterentwickeln. Vielleicht komme ich irgendwann einmal zurück, aber ich brauche Herausforderungen.

Und welche Herausforderung und Ziele wollen Sie noch erreichen?

Kayode: Ich möchte auf jeden Fall in der Champions League treffen, das ist mein Ziel.

Larry Kayode: Leistungsdaten nach Verein

SpieleToreVorlagen
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