Fussball

HNK-Rijeka-Kapitän Alexander Gorgon im SPOX-Interview: Rückkehr zu Austria Wien? „Denkbar ist alles“

Von Milos Prerad
Mit der Austria wurde Alexander Gorgon 2013 Meister, in der folgenden Saison qualifizierte er sich mit den Veilchen für die Champions-League-Gruppenphase.
© GEPA

Im Sommer 2016 wechselte Alexander Gorgon von Austria Wien zu HNK Rijeka und schrieb dort mit dem Double-Sieg 2017 Fußball-Geschichte. Im SPOX-Interview spricht der Ex-Austrianer über eine mögliche Rückkehr nach Österreich und erklärt, inwiefern er ein Tor für österreichische Kicker geöffnet hat.

Der Zug nach Kroatien sei das allerletzte Sprungbrett gewesen. Was jedoch aus der Not entstand, wagte nicht einmal er selbst sich zu erträumen. Mittlerweile trägt der 31-Jährige die Kapitänsschleife bei Rijeka, eine Aufgabe für die er sich nach eigenen Angaben "nie wirklich bemüht" hätte.

Herr Gorgon, wie geht es Ihnen?

Alexander Gorgon: Ich bin mit der Familie in Rijeka. Wenn ich mir ansehe, was derzeit in anderen Ländern abgeht, dann geht es uns verhältnismäßig sehr gut. Das Coronavirus ist hier nicht so stark verbreitet und hält sich in Grenzen. Kroatien hat schon sehr früh mit den Maßnahmen begonnen, die Beschränkungen wurden von Anfang an praktiziert. Die Menschen halten sich auch daran. Natürlich hat das Ganze aber auch mit der Bevölkerungsdichte zu tun. In einer Millionenstadt wie Wien sieht die Geschichte natürlich wieder ganz anders aus.

Wissen Sie, wann die Liga wieder startet?

Gorgon: Alles ist ungewiss. Wir wissen genauso wenig, wie die Top-Ligen. Es gibt Vermutungen, welche Szenarien eintreten könnten. Letztlich glaube ich, dass die Verantwortlichen selbst mit der Situation überfordert sind.

Wie halten Sie sich während der Pause fit?

Gorgon: Ein täglicher Rhythmus ist sehr wichtig. Sonst ist der Schock für Körper und Geist zu groß, wenn ich mich dann von 0 auf 100 in den Alltag stürze. Ich halte mich mit Trainingseinheiten, der richtigen Ernährung und genug Schlaf fit. Mit den Kids, die ebenfalls Entertainment brauchen, ist das alles eine Challenge. Wir Spieler bekommen alle einen Trainingsplan am Anfang der Woche, einmal wöchentlich gibt es ein gemeinsames Video-Training mit dem Athletiktrainer. Es ist wichtig, die Teamkollegen auch zu sehen.

Mit denen Sie sich schon auf Kroatisch unterhalten?

Gorgon: Im Großen und Ganzen kann ich sehr gut Kroatisch sprechen. Wenn es beispielsweise um Politik oder Installationen im Badezimmer geht, fehlt mir schon noch das Feingefühl. Im Deutschen gibt es vier Fälle, im Kroatischen acht. Das ist eine Herausforderung.

Sie sind mittlerweile Kapitän und Führungsspieler bei HNK Rijeka. Wussten Sie schon immer, dass Sie gewisse Führungsqualitäten besitzen?

Gorgon: Das ist eine gute Frage. Ob ich wirklich Führungsqualitäten habe, das müssen andere beurteilen. Eine schöne Auszeichnung ist es dennoch. Wahrscheinlich wurde ich als der wahrgenommen, der als Vorbild vorangeht und nach dem sich junge Spieler richten können. Ich war immer ein Mensch, der sich nichts zuschulden kommen lassen wollte, sowohl bei der Austria als auch in Rijeka. Ich bleibe sehr lange bei den Vereinen, für die ich spiele. Das sind alles Faktoren, die zeigen, dass ich Leistung gebracht habe und der Verein damit zufrieden war, beziehungsweise ist. Dadurch kommt es dann zum Entschluss, jemanden als Kapitän auszuwählen. Für dieses Amt habe ich mich nie wirklich bemüht, aber die zuständigen Leute sind immer wieder auf mich zugekommen.

Alexander Gorgon: "Auf den letzten Zug aufgesprungen"

Gab es damals - neben dem von Rijeka - auch andere Angebote?

Gorgon: Es hat vereinzelte Anfragen gegeben, allerdings keine konkreten Angebote. Es war eine sehr komische Zeit. Damals war das Thema auch oft genug in den Medien und es war ein großes Missverständnis mit meinem ehemaligen Berater. Leider habe ich zu spät bemerkt, dass es nicht der richtige war. Zum Glück bin ich dann noch auf den letzten Zug aufgesprungen. Das war der, der nach Rijeka abgefahren ist. Es war aus der Not geboren. Was aber dann aus dieser Not entstanden ist, ist etwas, das ich nicht missen will und für das ich ewig dankbar sein werde.

Tabellenführer ist derzeit Dinamo Zagreb, 18 Punkte vor Verfolger Rijeka. Was ist das Erfolgsrezept von Dinamo?

Gorgon: Sie haben sich über Jahre hinweg etwas aufgebaut und besitzen eine unheimlich große Reputation in Kroatien. Wenn ein Scout von Dinamo Zagreb auf einen Jungen zugeht, egal wo im Balkan-Raum, dann wird sich dieser für Dinamo entscheiden. Diesen vielversprechenden Talenten wird auch Zeit gegeben sich zu entwickeln, die kroatische Liga ist dafür perfekt. Dazwischen gibt es dann internationale Auftritte, nach denen der Marktwert steigt. Dinamo hat in den letzten 10-15 Jahren Riesen-Transfers getätigt. Einnahmen wie Ticketverkäufe, Sponsorengeld oder TV-Gelder decken keine Spielergehälter. Das sind Lappalien für die Vereine, mit denen gerade mal Strom und Wasser am Spielwochenende bezahlt werden kann. Die Vereine hier leben hauptsächlich von Transfers. Rijeka hat in den letzten vier, fünf Jahren angefangen, Spieler für gutes Geld ziehen zu lassen. Natürlich nicht auf dem Niveau von Dinamo, das wird noch eine Zeit lang dauern. Hut ab vor dem, was sie sich in den letzten zehn Jahren aufgebaut haben. Wir sind aber auch auf einem guten Weg.

Der zweite Platz führt in die Champions-League-Qualifikation. Ist das, das große Ziel? Champions League zu spielen?

Gorgon: Unser ausgesprochenes Ziel war es unter die Top 3 zu kommen. Wir wissen was der zweite Platz bedeutet und was für große Kaliber da kommen würden. Natürlich sind wir da sehr realistisch. Für mich wäre das Nonplusultra, wenn wir es in die Gruppenphase der Europa League schaffen würden. Da geht es um eine immens wichtige Finanzspritze für den Verein. Wir sind letztens immer kurz davor gescheitert. Jetzt schauen wir mal wie es im Fußball weitergeht, ob es überhaupt Quali-Spiele geben wird.

Was machte HNK Rijeka so stark in den letzten Jahren? 2019 gewannen man den Cup, 2017 wurden Sie sogar Doublesieger.

Gorgon: 2017 war das Durchbruchsjahr, als sich zwölf, dreizehn Spieler gefunden haben, die über ihr mögliches Leistungsniveau gegangen sind und das konstant über eine ganze Saison hinweg. Deswegen war es möglich den Serienmeister zu schlagen, im Marathon (Liga) sowie im Sprint (Cup). Es kamen daraufhin viele Anfragen, Leistungsträger wurden verkauft. Das gab ein finanzielles Polster, mit dem die Spieler zwar nicht gleichwertig ersetzt werden konnten, aber doch qualitativ sehr hochwertige Neuzugänge gekommen sind. Dadurch war es möglich, immer wieder Zweiter zu werden und es in der Europa League zu versuchen. Danach gab es ein kurzes Tief, das gab es aber ausgeschlossen 2017 in jeder Saison, aus dem wir rausgekommen sind. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass wir große Qualität besitzen.

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