ÖFB-Elf jubelt: "Das ist ein bisschen wie ein Traum"

Von APA
Die ÖFB-Damen dürfen bei der Frauen-EM weiter jubeln
© GEPA

3:0-Gewinner gegen Island, Viertelfinalist, Gruppe-C-Sieger: Die Erfolgsgeschichte von Frauen-EM-Turnierdebütant Österreich ist seit dem souveränen Auftritt am Mittwoch in Rotterdam wieder um ein paar Kapitel reicher. Ein Ende des ÖFB-Märchens ist nicht unbedingt absehbar, durch Platz eins vor Frankreich verbesserte sich auch die Ausgangslage für die K.o.-Phase.

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"Es ist ein großartiger Tag für den Frauenfußball und den gesamten Fußball in Österreich", betonte ÖFB-Teamchef Dominik Thalhammer. Er sei sehr stolz auf das gesamte Team, den Sprung unter die besten acht Teams Europas geschafft zu haben. Gemeinsam habe man vor einigen Jahren begonnen. "Die Spielerinnen haben daran geglaubt, hierher zu kommen. Dass sie dann auch noch so spielen, ist einfach unglaublich", lobte der gebürtige Wiener seine Truppe.

Der 46-Jährige gilt als Vater des Erfolgs. In der Stunde des Triumphes wollte er sich aber nicht in den Mittelpunkt stellen. "Es braucht immer Leute, ein Team, das open-minded ist, bereit, Ideen und Visionen zu folgen. Das ist hier der Fall. Es ist eine tolle Sache", gab Thalhammer das Lob weiter. Sein eigener Anteil am Erfolg sei schwer zu beurteilen.

Mannschaftsbus wurde zum Partybus

Seine Spielerinnen feierten noch lange nach dem erlösenden Abpfiff im Sparta-Stadion mit den mitgereisten Fans. "Nina Burger Superstar", "I am from Austria" und Co. wurden mehrmals angestimmt, ehe der "Partybus" wieder ins Rollen kam. "Wir sind bekannt dafür, dass, wenn wir ein gutes Spiel abliefern, gerne einmal im Bus die Sau rauslassen", gab Stürmerin Nicole Billa Einblick.

Ungeschlagen mit sieben Punkten an der Tabellenspitze, den Weltranglistendritten Frankreich (5) distanziert. "Wenn mir das vorher jemand gesagt hätte, hätte ich ihm gesagt, er spinnt", gab Defensivspielerin Sarah Puntigam zu. Für sie und ihre Kolleginnen war der Erfolg schwer zu realisieren.

"Es ist noch ein bisschen wie ein Traum. Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können", gestand die von der UEFA zur Spielerin des Spiels gewählte Burger. Mit ihrem 48. Länderspieltor machte die ÖFB-Rekordtorschützin kurz vor der Pause mit dem 2:0 (44.) alles klar. Es ist ihr Turnier, hatte sie doch gegen die Schweiz das EM-Märchen bereits eingeleitet. Auch damals war sie Kapitänin.

Die 29-Jährige kam beim 2:0 nach Sarah Zadrazil noch leicht an den Ball, deshalb wurde ihr der Treffer gutgeschrieben. "Eineinhalb Tore beim Comeback ist schon super, aber es ist nebensächlich, Hauptsache wir haben gewonnen", gab die nach ihrer Verletzungspause stark zurückgekehrte Zadrazil preis. Die Potsdam-Legionärin traf in Minute 36, Stefanie Enzinger (90.) sorgte mit ihrem ersten ÖFB-Treffer für den Schlusspunkt.

Welcher Gegner wartet im Viertelfinale

Der ÖFB-Auftritt machte Lust auf mehr. Von Nervosität war von Beginn an keine Spur, Unbehagen gab es nur bei kleinen Unsicherheiten, die Isländerinnen kamen aber kaum gefährlich zum Abschluss. Nach der Pause konnte sich die ÖFB-Auswahl den Luxus leisten, einen Gang zurückzuschalten.

Für den weiteren Turnierverlauf könnte das nicht unrelevant sein. Die ÖFB-Truppe spielt am Sonntag gegen den Zweiten der Gruppe D, aller Voraussicht nach Spanien, das am Donnerstagabend noch gegen Schottland den Aufstieg fixieren musste und daher einen Tag weniger Pause hat.

Der EM-Traum des ÖFB-Teams könnte auch deshalb länger anhalten. "Wir haben bei dem Turnier gesehen, dass der Schmetterling fliegen kann und ich hoffe, er fliegt noch einige Tage länger", hat auch Thalhammer noch nicht genug. "Träumen dürfen wir", ergänzte Offensivspielerin Laura Feiersinger, die zugab: "Wir haben gewusst, dass wir stark sind und haben geliebäugelt mit dem Viertelfinale, aber es nach außen hin gut versteckt."

Positiv stimmt für den weiteren Turnierverlauf die personelle Situation. Erstmals dürfte es vor dem Viertelfinale keine Fragezeichen geben. Zadrazil und die in der Schlussphase eingewechselte Viktoria Schnaderbeck bestanden den Härtetest.

"Im Viertelfinale ist das Niveau schon so extrem hoch, dass es ganz egal ist, wer kommt. Es wird eine extrem schwere Aufgabe", ist sich Zadrazil bewusst. Die Erleichterung, dem prognostizierten Gruppe-D-Sieger England mit hoher Wahrscheinlichkeit vorerst entgangen zu sein, war den meisten aber anzumerken.

ÖFB-Team will am Boden bleiben

Läuft am Donnerstag alles nach Plan, könnte es gegen den Favoriten erst am 6. August im Finale in Enschede gehen. Davor würde am 3. August in Breda Titelverteidiger Deutschland oder Dänemark warten. "Was uns ausgezeichnet hat, ist Bodenständigkeit. Jetzt ans Finale zu denken, wäre unrealistisch", sagte Torfrau Manuela Zinsberger. Trotz der sensationellen Gruppenphase werde man "nicht übers Ziel hinausschießen".

Das hat das Team bisher auch ausgezeichnet. "Wir werden das jetzt auch wieder gut schaffen, weil wir es bis jetzt auch immer gut hinbekommen haben", glaubt Zadrazil nicht daran, dass jemand abhebt. Trotz eines ausgelösten "Megahypes" in der Heimat. Von dem bekommen Zadrazil und Co. in Wageningen wenig mit.

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