Fussball

LASK nach Niederlage gegen Manchester United: "Einfach grausam"

Von APA
Joao Klauss.

Die klare 0:5-Niederlage ist nach dem Geisterspiel des LASK im Achtelfinale der Europa League gegen Manchester United am Donnerstag angesichts der Umstände in einem etwas anderen Licht betrachtet worden. "Es war grausam", sagte LASK-Coach Valerien Ismael und meinte damit nicht das Resultat.

In die Fußballannalen geht das 0:5 als eine der vier höchsten Heimniederlagen österreichischer Clubs im Europacup ein. Nur der GAK wurde 1964 von NK Zagreb noch härter - mit 0:6 - bestraft. 1975 gab es ein 1:6 von SSW Innsbruck gegen Borussia Mönchengladbach, im März 2001 unterlag Sturm Graz in der 2. Champions-League-Gruppenphase dem FC Valencia ebenfalls 0:5.

Die Linzer Gugl, die aufgrund der Vorgaben in Sachen Coronavirus mit leeren Rängen bzw. etwa 500 Personen - Angehörige des Trainerstabs, Funktionäre und Journalisten inklusive - aufwartete, bot keine würdige Kulisse für ein "Jahrhundertspiel" - und genau das war es eigentlich für den LASK, der schon mit dem Achtelfinaleinzug eine historische Leistung erbracht hatte.

"Da muss man sich schon fragen, ob das der Sinn des Fußballs ist. Der Sport lebt von der Emotion. Das hat man heute deutlich gemerkt", befand Ismael nach der Partie.

Valerien Ismael: Ansprache zur Halbzeit half wenig

Gerade in einer Phase wie in der zweiten Hälfte, als sein Team nach zu verhaltenen ersten 45 Minuten, mehr Mut an den Tag legte, vermisste man die Unterstützung von den Rängen. "Da brauchst du das Publikum, das die Jungs noch einmal nach vorne peitscht. Da war der 12. Mann einfach nicht da", sagte Ismael, der seine Truppe in der Halbzeit versucht hatte aufzurütteln.

"Wir haben gesagt, lassen wir los, präsentieren wir uns so, wie wir sind. Und das haben wir richtig gut gemacht", erklärte der Franzose, dessen Truppe aber mit dem 2:0 durch Jungstürmer Daniel James quasi nach fast einer Stunde (58.) erledigt war.

Die für LASK-Verhältnisse gerade im Pressing verhaltene, etwas mutlose Vorstellung vor der Pause kam für Ismael nicht ganz überraschend. "Die Spieler haben die extreme Qualität von Manchester United gesehen, und wir haben eine halbe Stunde gebraucht, um wirklich ins Spiel zu kommen. Aber das ist normal. Das war das erste Mal gegen so eine Weltmannschaft. Da waren wir etwas unsicher", meinte Ismael.

Manchester United: Fast in Bestbesetzung gegen LASK

Entgegen mancher Erwartungen hatte United-Coach Ole Gunnar Solskjaer eine durchaus herzeigbare Startelf aufgeboten, auch der neue "Liebling" Bruno Fernandes, der im Herbst schon mit Sporting Lissabon gegen den LASK gespielt hatte, stand am Feld - und zeigte in zahlreichen Situationen seine Klasse.

Ebenso wie Torschütze Juan Mata oder der aus China ausgeliehene nigerianische Stürmer Odion Ighalo, der auf sehenswerte Art und Weise den Trefferreigen in der 28. Minute eröffnete. "Wir haben eigentlich alles von den Burschen bekommen, das wir erwartet haben", freute sich Solskjaer.

LASK-Trainer Ismael: "Macht nicht so ein Herumgeeier"

LASK-Mittelfeldmotor Peter Michorl war hingegen "enttäuscht, 0:5 ist eine hohe Niederlage, das haben wir uns wahrscheinlich nicht erwartet", meinte er gegenüber Puls 4. Auch eine "ansehnliche" Leistung nach Seitenwechsel "reicht nicht auf diesem Niveau. Manchester ist dann vier Mal vor das Tor gekommen und hat vier Mal die Hütte gemacht. Das ist der Unterschied, deswegen spielen sie bei Manchester United und wir beim LASK", zog der 25-jährige ein trockenes Resümee.

Er und seine Kollegen können nun etwas ausspannen, aufgrund des Coronavirus steht die heimische Bundesliga vorerst ja still. Aufgrund der sich ständig verschärfenden epidemiologischen Lage erscheint auch fraglich, ob das für kommenden Donnerstag in Manchester geplante Rückspiel überhaupt stattfindet.

Zwar wird in Englands Premier League am Wochenende gespielt, das um Platz vier kämpfende United muss dann zu Tottenham. Allerdings kündigte die UEFA für Dienstag eine Krisensitzung an, bei der u.a. die komplette Aussetzung der Europacup-Wettbewerbe zur Diskussion steht. Ismael nützte die Gelegenheit zu einem Appell an die Verantwortlichen: "Die Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden. Aber bitte seid konsequent und macht nicht so ein Herumgeeier."

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