Fussball

Red Bull Salzburg nach Ausscheiden gegen FC Liverpool: Europa-League-Titel? Warum nicht!

Dominik Szoboszlai.

Der FC Salzburg muss sich nach einer 0:2-Heimniederlage gegen Titelverteidiger FC Liverpool aus der Champions League verabschieden. Die Europacup-Saison geht für die Bullen in "ihrem Bewerb", der Europa League, weiter. Mit neuen Qualitäten träumen sie dort gar vom Titel.

"Vor Salzburg hatte ich vor dem Spiel viel Respekt. Nach diesem Spiel könnte er nicht größer sein."

Zwar können sich die Salzburger davon nur wenig kaufen, aber die Aussage vom besten Trainer der Welt, Jürgen Klopp, ist ein weiterer Ritterschlag für den österreichischen Serienmeister. Über 55 Minuten forderten sie den FC Liverpool am Dienstagabend und erarbeiteten sich Chance um Chance zur ganz großen Sensation. "Wie sie sich präsentiert haben: so schlau. Wir hatten richtig gute Chancen und hätten höher gewinnen können. Das wäre der Leistung von Salzburg aber nicht gerecht geworden", sagte Klopp. "Der Fußball, der heute gespielt wurde, war richtig stark."

Der Welttrainer des Jahres spricht über den High-Speed-Fußball Salzburgs, durch den die 29.520 Zuseher in der ausverkauften Red Bull Arena schon nach zehn Minuten sechs Torschüsse zu sehen bekamen. Die taktische Ausrichtung war einmal mehr klar erkennbar: Der Ball sollte ultraschnell in die Spitze gespielt und damit die Innenverteidigung Liverpools getestet werden. "Das war ganz gut, oder?", reagierte Erling Haaland in der Mixed Zone nach dem Spiel angesprochen auf das hohe Tempo der Anfangsphase.

"Das war richtig stark von uns. Aber es geht um die Tore, und nicht darum, wie wir spielen", betrachtete Dominik Szoboszlai die Vorstellung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Wir haben in der ersten Halbzeit keinen Niveauunterschied zu Liverpool gemerkt."

Doch in der zweiten Hälfte schlugen die Reds mit einem Doppelschlags innerhalb von 100 Sekunden letztlich verdient zu. "Das haut dir natürlich alles zusammen", brachte es ein enttäuschter Maximilian Wöber auf den Punkt. "Wir probierten es noch einmal, aber es ist nichts mehr gegangen."

Salzburg kam zu Chancen, verpasste jedoch einen Torerfolg. Virgil Van Dijk setzte sich im Duell mit Hee-chan Hwang durch seine Physis durch, Dejan Lovren hielt Erling Haaland mit klugem Stellungsspiel in Schach. "Es war die Chance ihres Lebens", erklärte van Dijk. "Sie sind ein sehr gutes Team, das viel Druck ausübt. Salzburg wird in der Europa League noch viele überraschen."

Red Bull Salzburg in der Europa League: Business as usual

Dort setzt Salzburg die Europacup-Saison im Februar fort - wie in vier der vergangenen sechs Saisons. Während in der vergangenen Saison SSC Napoli im Achtelfinale eine Nummer zu groß war, setzte es vor zwei Jahren mit dem Halbfinal-Einzug das bislang größte Highlight. Erst in der Verlängerung des Rückspiels setzte sich Olympique Marseille durch. Aufgrund der Erfolge aus der jüngsten Vergangenheit nennen sie die zweithöchste Liga Europas in Salzburg schlichtweg nur noch "#UnserBewerb".

In dieser Saison folgte ein beeindruckendes und lang ersehntes Debüt in der Königsklasse. "Wir brachten Salzburg auf die Landkarte der Champions League", freute sich Rasmus Kristensen, dem in der Mixed Zone trotz merklicher Enttäuschung ein kleines Lächeln über die Lippen kam. "Wir spielten jenen den Fußball, den jeder sehen will. In ein, zwei Tagen werden wir darauf stolz sein."

Zunächst wollte der Däne keine Einschätzung zu den Möglichkeiten in der Europa League abgeben. Zu schwierig sei es, so kurz nach dem Ausscheiden schon auf den neuen Wettbewerb zu blicken, sagte er in der englischen Fragerunde. Als er jedoch in seiner Muttersprache dazu befragt wurde, zeigte er sich schon deutlich selbstbewusster: "Es wäre verwerflich, ein anderes Ziel als den Titel zu haben, solange man im Wettbewerb vertreten ist", sagte er.

Noch deutlicher wurde Trainer Marsch. "Wenn wir so spielen wie heute, haben wir gegen jeden Gegner eine Chance", sagte der US-Amerikaner. "In diesem Moment ist es unser Ziel, die Europa League zu gewinnen. Warum nicht?"

Salzburg unter Jesse Marsch: Flexibel im System

Aus Marsch tönte aber nicht bloß das, was alle euphorischen Salzburg-Fans gerne zu hören bekommen, sondern konnte die Selbstsicherheit auch begründen. Im ersten Aufeinandertreffen mit Liverpool liefen die Salzburger mit ihrem aggressiven Pressing noch ins offene Messer. Erst durch eine taktische Umstellung konnten sie das Niveau der Reds mitgehen.

Marsch freute sich, dass seine Spieler am Dienstagabend den Matchplan detailliert befolgten. Dieser sah vor, in der Offensive in einem 4-2-2-2 zu agieren, in dem Szoboszlai und Minamino vorgezogen wurden.

Gegen den Ball baute Marsch auf ein 4-4-2 mit Raute: Junuzovic gab den Sechser, Mwepu und Szoboszlai bespielten die Außenbahnen und wechselten dabei wie schon einige Male zuvor in der aktuellen Saison die Seiten. Der laufstarke Minamino bildete die Speerspitze des Mittelfelds. "Das Pressing war super", freute sich Marsch. "Mit einer Raute funktioniert das ganz gut."

Doch damit nicht genug: In der Liga spielte Marsch mit einer Dreierkette in der Abwehr. Die Bullen lernten also, mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Systemen umzugehen. "Gegen solch große Gegner müssen wir die Fähigkeit besitzen, den ganzen Platz abzudecken, immer Druck auszuüben", ist sich Marsch sicher. Dies kann seine Mannschaft auf unterschiedliche Wege erreichen.

Nach dem Lob für sein Team setzte Marsch allerdings auch auf persönlicher Ebene zu einem Liebesbekenntnis an. "Ich möchte keinen einzigen Spieler tauschen. Sie geben alles füreinander", schwärmte er. "Das Gefühl im Team ist unglaublich. Ich liebe unsere Spieler. Und ich liebe diese Mannschaft."

Jesse Marsch: "Wir können die Europa League gewinnen"

Dieses Gefühl gilt es nun, bis in den Februar hinein zu konservieren, wenn das Sechzehntelfinale der Europa League ansteht. "Für uns ist alles okay. Wir sind trotzdem froh", war Zlatko Junuzovic nach dem CL-Aus von allen Salzburgern noch am euphorischsten. "Wir haben viele Punkte geholt, jetzt spielen wir in der Europa League weiter. Schämen müssen wir uns nicht."

Coach Marsch pflichtete ihm bei: "Ich bin froh, dass wir in der Europa League sind. Wir können dieses Turnier gewinnen. Mit dieser Mannschaft haben wir immer eine Chance gegen jeden Gegner."

Dann winkt vielleicht schon im Spätsommer das nächste Duell mit Liverpool, wie es sich die Bullen am Dienstagabend erträumten. Warum nicht!

Red Bull Salzburg: Abschneiden in der Europa League

SaisonErgebnis
2018/19Achtelfinale
2017/18Halbfinale
2016/17Gruppenphase
2014/15Sechzehntelfinale
2013/14Achtelfinale
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