Fussball

Champions League: GAK-Sensation beim FC Liverpool als Vorbild für Red Bull Salzburg

Mario Tokic jubelt über seinen Treffer gegen FC Liverpool
© getty

In der Saison 2004/05 sorgte der GAK für eine der größten Sternstunden in Österreichs Europapokal-Historie. Die Grazer besiegten den späteren Champions-League-Sieger FC Liverpool in der Qualifikation auswärts mit 1:0. SPOX hat vor dem Spiel des FC Salzburg an der Anfield Road (Mittwoch, 21 Uhr im LIVETICKER) mit dem damaligen Siegtorschützen, Mario Tokic, gesprochen.

Plötzlich war es still. 42.950 Zuschauer saßen im Stadion an der Anfield Road und benötigten einen Augenblick, um das Gesehene und Geschehene zu verarbeiten.

Und dann klatschten sie.

Ausgerechnet ein Innenverteidiger sorgte mit einem Fernschuss aus 25 Metern für die überraschende Führung der Gäste. Dabei hätte Mario Tokic gar nicht dort stehen sollen, von wo er das schönste Tor seiner Karriere erzielte. "Es gab einen Eckball. Normalerweise stand ich bei Standardsituationen immer ganz vorne. In dieser Situation war aber mein Kollege, der normalerweise für mich hinten absichert, selbst im Strafraum. Ich wartete darauf, dass er zurückkommt, um keinen Konter zu kassieren", erinnert sich Tokic. "Es muss Standfest oder Amerhauser gewesen sein."

Doch es kam keiner. Stürmer Roland Kollmann trat die Ecke, Liverpools Abwehrhüne Sami Hyypiä beförderte den Ball aus der vermeintlichen Gefahrenzone. Es war an der Zeit für den Geniestreich des Mario Tokic.

"Zwei Liverpool-Verteidiger stürmten auf mich zu. Mir war klar, wenn ich den Ball im Dribbling verliere, gibt das ein Konter-Tor", sieht er die Szene vor sich und sagt trocken: "Ich habe mein Bestes versucht. Die Annahme war gut, der Schuss noch besser."

Er feuerte einen Strahl ab, der Ball knallte an die Querlatte und von dort auf die Wiese hinter der Torlinie. Torhüter Jerzy Dudek war chancenlos.

Eine Traube an Rotjacken, die an diesem Abend ganz in Blau antraten, versammelte sich im Halbfeld und genoss den Moment.

Champions League: Steven Gerrard und der Liverpool-Schreck GAK

"Steven Gerrard soll in einem Interview davon erzählt haben, dass dieses Tor und die letzten 20 Minuten ein Trauma für ihn war. Liverpool wankte in der Schlussphase, fiel aber nicht. Wir haben ihm auf jeden Fall einen großen Schreck eingejagt", sagt Tokic, der in der Schlussphase beinahe zum unsterblichen Helden aufstieg.

"In der 82. Minute gab es einen weiteren Eckball von derselben Seite. Ich kam an den Ball, zirka 14 Meter vom Tor entfernt. Ich schoss mit dem linken Fuß, aber der Ball ging leider nicht rein. Wäre der Ball drin gewesen, wäre die Sensation vielleicht um einiges größer ausgefallen. Ich freute mich irrsinnig über dieses Tor, war aber gleichzeitig enttäuscht über das Aus im Playoff."

Nach einer 0:2-Niederlage in Graz stieg nämlich der FC Liverpool in die Gruppenphase der Champions League auf, für den GAK ging es um UEFA Cup weiter. Kapitän Gerrard sorgte schon im Hinspiel für die Entscheidung. "Zwei Mal hat er uns aus 20, 25 Metern eingeschenkt. Wir waren gleichauf mit Liverpool! Nur durch diese zwei Fernschüsse haben wir verloren", ärgert sich Tokic, der in der Pleite auch etwas Positives sah. "Das 0:2 war eine Ohrfeige für die Mannschaft. Wir haben uns gesagt, dass wir England zeigen wollen, dass das Hinspiel nur Pech war. Leider haben wir nur 1:0 gewonnen."

Zum Schlusspfiff kam es an der Anfield Road zur für Tokic "größte Überraschung" an dem Duell. "Eigentlich sollten sich die Fans ja über die Qualifikation freuen. Für Liverpool gab es aber nur Pfiffe. Wir verabschiedeten uns von unseren Fans, danach applaudierte uns das ganze Stadion für unsere Leistung. Ein absoluter Gänsehaut-Moment und eine überragende Geste der Liverpool-Fans."

Dabei habe sich die halbe GAK-Mannschaft bei der Auslosung der dritten und damals letzten Qualifikationsrunde einfach nur gefreut, die Anfield Road von innen zu sehen. Erst in der Vorbereitung witterten die Kicker von Trainer Walter Schachner eine Chance gegen die Reds.

Liverpools Jerzy Dudek: "Den Treffer hätte er mir nie zugetraut"

Gefeiert wurde der Achtungserfolg aufgrund der sportlichen Wertlosigkeit laut Tokic kaum. "Wir waren eher traurig über die verpasste Qualifikation", sagt er. Erst einen Tag später realisierte er bei der Heimreise nach Graz, "welch großartiges Ergebnis das für den österreichischen Fußball war. Ganz Österreich wollte, dass wir gewinnen. Ich bekam etliche SMS aus ganz Fußball-Österreich. Auch die Austria und Rapid meldeten sich", erzählt er.

Tokic, der seinen Treffer bis heute mehrere hunderte Male gesehen haben soll, erzählt bis zum heutigen Tag gerne von dem Spiel. Bei einem Benefiz-Match in Tokics derzeitiger Heimat Baku traf er auf Ex-Liverpool-Torhüter Dudek. "Ich sprach ihn darauf an, ob er sich an dieses Spiel gegen den österreichischen Verein erinnern könnte. Da soll ein ziemlich beeindruckendes Tor gefallen sein, sagte ich. Er war komplett begeistert, sagte mir, er hätte das Tor hunderte Male gesehen, ein wirklich unglaubliches Tor. Sein Gesicht, als ich ihm sagte, dass ich der Torschütze war, hätten Sie sehen sollen. Er wusste, wer ich bin, aber den Treffer hätte er mir nie zugetraut."

FC Liverpool: Der Weg zum Champions-League-Triumph 2005

RundeGegnerErgebnisse
3. Quali-RundeGAK2:0 (A), 0:1 (H)
GruppenphaseAS Monaco2:0 (H), 0:1 (A)
GruppenphaseDeportivo La Coruna0:0 (H), 1:0 (A)
GruppenphaseOlympiacos0:1 (A), 3:1 (H)
AchtelfinaleBayer Leverkusen3:1 (H), 3:1 (A)
ViertelfinaleJuventus2:1 (H), 0:0 (A)
HalbfinaleChelsea0:0 (A), 1:0 (H)
FinaleAC Milan3:3 n.V., 6:5 n.E.
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung