01.01.2012 um 21:35 Uhr
Geschrieben von LuckyLuke111
Rückblick LA-WM Daegu
Was soll das überhaupt? Wer interessiert sich schon für Leichtathletik in diesem fussballdominierten Land? Irgendwie keiner so richtig wenn es nicht ein internationales Großereignis gibt. Wer kennt schon die deutschen Meister in 110m Hürden der Männer oder im 400m-Lauf der Frauen? Eigentlich interessante Disziplinen, aber auch nur eigentlich. Nachdem den Deutschen die internationalen Topstars fehlen, geht auch das nationale Interesse stark zurück. Aber es gab ja ein Topereignis in 2011, also mal zurückblicken, was sich da so getan hat.
Es nahmen rund 2000 Sportler aus 198 Nationen teil. Damit war die WM in Daegu der internationalste Sportwettkampf im Jahr 2011. Aber irgendwie haben doch immer dieselben gewonnen, von all diesen Teilnehmern kamen Medaillengewinner aus insgesamt 41 Nationen. Jedoch haben nur 16 Länder zwei oder mehr Medaillen gewonnen. Deutschland gehörte mit den sieben gewonnenen Medaillen zu diesem elitären Kreis im Gegensatz zu Olympia 2008, als nur eine einzige Bronzemedaille in den Leichtathletikdisziplinen errungen wurde.
Tops
Da waren natürlich unsere drei Goldjungs, die Werfer der Nation, Matthias de Zordo (Speer), Robert Harting (Diskus) und David Storl (Kugel). Der Sieg Storls war vielleicht der überraschendste der gesamten WM. Er hatte erst im Juni 2011 zum ersten Mal überhaupt die 21m-Marke geknackt, lag in der Weltjahresbestenliste jedoch hinter allen anderen Finalteilnehmern. Er steigerte seine persönliche Bestweite im Verlauf der Wettkämpfe um 73cm und wurde erst durch seine 21,78m im letzten Versuch Weltmeister – ein Herzschlagfinale mit deutschem Happy End. De Zordo machte bereits mit seinem ersten Versuch alles klar und Harting hätte mit vier seiner weitesten Würfe vor dem Zweitplazierten gelegen. Eine unglaubliche Konstanz zeichnete ihn aus!

Da ziegt David Storl stolz seine Medaille!
Insgesamt waren die Deutschen Werfer mal wieder bärenstark! Zu den drei Goldjungs kamen noch Nadine Müller (Diskus) und Betty Heidler (Hammer) mit ihren beiden Silbermedaillen. Also fünf Werfermedaillen und zwei weitere durch Martina Strutz im Stabhochsprung und Jennifer Oeser im Siebenkampf. Drei Goldmedaillen hatte der DLV seit 2001 in Edmonton nicht mehr erreicht. Das lässt also hoffen, dass die Ausbeute in London in diesem Jahr besser wird als in Peking!
Ebenso ein Hingucker waren Oscar Pistorius und Jason Smyth, die ersten Behindertensportler, die bei den „normalen" für Furore sorgten. Pistorius als beinamputierter und Smyth als sehbehinderter Sprinter über 400m bzw. 100m. Keiner von ihnen konnte ins Finale einziehen, jedoch gewann Pistorius mit der 4x400m-Staffel die Silbermedaille, da er im Halbfinale lief und einen neuen Landesrekord mit seinem Team aufstellte. Im Finale wurde er jedoch nicht eingesetzt. Beiden Sportlern gebührt mein allergrößter Respekt, die sich trotz ihrer Behinderung unglaublich viel abverlangen!
Die erfolgreichste Person war Allyson Felix aus den USA mit zwei Goldmedaillen in Staffelwettbewerben (4x100m und 4x400m) sowie Silber über 400m und Bronze über 200m. Die einzige Person jedoch, die zwei Goldmedaillen in Einzeldisziplinen (5.000m und 10.000m) gewinnen konnte, war die kenianische Langstreckenläuferin Vivian Jepkemoi Cheruiyot.
Flops
Direkte Flops gab es zumindest aus deutscher Athletensicht wenige. Von Christina Obergföll (Speer) hätte man eine Medaille erwarten können, sie konnte im Finale ihre Leistungen aus der Quali und aus anderen Wettkämpfen in 2011 nicht bestätigen und blieb mehrere Meter hinter ihrer Saisonbestleistung und landete schließlich auf Platz 4. Raul Spank (Hochsprung) war selbst enttäuscht über seinen neunten Platz, eine Medaille wäre jedoch auch sehr optimistisch gewesen!
Usain Bolt als Flop zu bezeichnen wäre wohl ziemlich fehl am Platz! Mit der lockeren Titelverteidigung über 200m und dem Weltrekord und WM-Titel in der 4x100m Staffel war er durchaus erfolgreich. Wenn er jedoch vorgibt, zur Legende werden zu wollen und die These vertritt, dass ihn niemand schlagen könne, dann ist es schon bitter, in der wichtigsten seiner Disziplinen nicht ins Ziel gekommen zu sein. Der zur Zeit wohl berühmteste aktive Leichtathlet spielt mit dem Feuer, denn seine extravagante und offensive Art polarisiert. Sie schafft Aufmerksamkeit und generiert Werbeeinnahmen, jedoch kann es auch Schadenfreude und Genugtuung erzeugen, wenn der perfekte Bolt mal nicht gewinnt.

Usain Bolt zieht sich zu früh das Leibchen aus! Disqualifiziert über 100m.
Südkorea hat keine Medaille gewonnen bei der Heim-WM. An sich ist das nichts besonderes bei einem Sportereignis, siehe Deutschland 2011 oder Südafrika 2010, jedoch kann man bei einer Leichtathletik-WM schon eine Medaille erwarten. Erst zum dritten Mal nach Schweden (Göteborg, 1995) und Kanada (Edmonton, 2001) konnte das Gastgeberland keine einzige Medaille erringen. Die USA dagegen gewann nicht nur die meisten Goldmedaillen (12) sondern auch mit 25 die meisten Medaillen insgesamt vor Russland mit 19 und Kenia mit 17.
Achillesferse des DLV bleibt das Laufen. Die bis dato letzte Einzelmedaille im Sprint holte 400-m-Läufer Ingo Schultz, und das ist auch schon zehn Jahre her. "Das Laufen ist nun mal das Attraktivste, so wird es zumindest vom Zuschauer wahrgenommen. Deshalb ist es unsere Pflicht, alles zu tun, dass wir wieder Anschluss an die Weltspitze finden", sagte Helmut Digel, deutsches Council-Mitglied des Weltverbandes IAAF. In Daegu war 200-m-Mann Sebastian Ernst der einzige deutsche Sprinter im Feld der Weltelite - und lief abgeschlagen hinterher. Zu allem Überfluss kamen am Schlusstag beide Sprintstaffeln nach Wechselfehlern schon im Vorlauf nicht ins Ziel.
Und sonst so
Caster Semenya war ja in der Vergangenheit schon eine Story wert. Nachdem sowohl der südafrikanische als auch der Leichtathletikweltverband Tests zur Bestimmung ihres Geschlechts angeordnet hatten, unter anderem auf Grund ihrer starken Muskelbildung und der tiefen Stimme. Irgendwie auch kaum verwunderlich, wenn man sich das Bild ansieht. In Daegu holte sie Silber. Ein offizielles Ergebnis zur Bestimmung ihres Geschlechts ergab, dass sie eine Frau sei, jedoch wohl nicht zu 100%. (Online Bericht zum Ergebnis)

Semenya: Mann oder Frau? Irgendwie wohl auch beides...
Na dann,
auf ein paar schöne Weltkämpfe in London! Einige Medaillen sollten für das deutsche Leichtathletik-Team drin sein.
Es nahmen rund 2000 Sportler aus 198 Nationen teil. Damit war die WM in Daegu der internationalste Sportwettkampf im Jahr 2011. Aber irgendwie haben doch immer dieselben gewonnen, von all diesen Teilnehmern kamen Medaillengewinner aus insgesamt 41 Nationen. Jedoch haben nur 16 Länder zwei oder mehr Medaillen gewonnen. Deutschland gehörte mit den sieben gewonnenen Medaillen zu diesem elitären Kreis im Gegensatz zu Olympia 2008, als nur eine einzige Bronzemedaille in den Leichtathletikdisziplinen errungen wurde.
Tops
Da waren natürlich unsere drei Goldjungs, die Werfer der Nation, Matthias de Zordo (Speer), Robert Harting (Diskus) und David Storl (Kugel). Der Sieg Storls war vielleicht der überraschendste der gesamten WM. Er hatte erst im Juni 2011 zum ersten Mal überhaupt die 21m-Marke geknackt, lag in der Weltjahresbestenliste jedoch hinter allen anderen Finalteilnehmern. Er steigerte seine persönliche Bestweite im Verlauf der Wettkämpfe um 73cm und wurde erst durch seine 21,78m im letzten Versuch Weltmeister – ein Herzschlagfinale mit deutschem Happy End. De Zordo machte bereits mit seinem ersten Versuch alles klar und Harting hätte mit vier seiner weitesten Würfe vor dem Zweitplazierten gelegen. Eine unglaubliche Konstanz zeichnete ihn aus!

Da ziegt David Storl stolz seine Medaille!
Insgesamt waren die Deutschen Werfer mal wieder bärenstark! Zu den drei Goldjungs kamen noch Nadine Müller (Diskus) und Betty Heidler (Hammer) mit ihren beiden Silbermedaillen. Also fünf Werfermedaillen und zwei weitere durch Martina Strutz im Stabhochsprung und Jennifer Oeser im Siebenkampf. Drei Goldmedaillen hatte der DLV seit 2001 in Edmonton nicht mehr erreicht. Das lässt also hoffen, dass die Ausbeute in London in diesem Jahr besser wird als in Peking!
Ebenso ein Hingucker waren Oscar Pistorius und Jason Smyth, die ersten Behindertensportler, die bei den „normalen" für Furore sorgten. Pistorius als beinamputierter und Smyth als sehbehinderter Sprinter über 400m bzw. 100m. Keiner von ihnen konnte ins Finale einziehen, jedoch gewann Pistorius mit der 4x400m-Staffel die Silbermedaille, da er im Halbfinale lief und einen neuen Landesrekord mit seinem Team aufstellte. Im Finale wurde er jedoch nicht eingesetzt. Beiden Sportlern gebührt mein allergrößter Respekt, die sich trotz ihrer Behinderung unglaublich viel abverlangen!
Die erfolgreichste Person war Allyson Felix aus den USA mit zwei Goldmedaillen in Staffelwettbewerben (4x100m und 4x400m) sowie Silber über 400m und Bronze über 200m. Die einzige Person jedoch, die zwei Goldmedaillen in Einzeldisziplinen (5.000m und 10.000m) gewinnen konnte, war die kenianische Langstreckenläuferin Vivian Jepkemoi Cheruiyot.
Flops
Direkte Flops gab es zumindest aus deutscher Athletensicht wenige. Von Christina Obergföll (Speer) hätte man eine Medaille erwarten können, sie konnte im Finale ihre Leistungen aus der Quali und aus anderen Wettkämpfen in 2011 nicht bestätigen und blieb mehrere Meter hinter ihrer Saisonbestleistung und landete schließlich auf Platz 4. Raul Spank (Hochsprung) war selbst enttäuscht über seinen neunten Platz, eine Medaille wäre jedoch auch sehr optimistisch gewesen!
Usain Bolt als Flop zu bezeichnen wäre wohl ziemlich fehl am Platz! Mit der lockeren Titelverteidigung über 200m und dem Weltrekord und WM-Titel in der 4x100m Staffel war er durchaus erfolgreich. Wenn er jedoch vorgibt, zur Legende werden zu wollen und die These vertritt, dass ihn niemand schlagen könne, dann ist es schon bitter, in der wichtigsten seiner Disziplinen nicht ins Ziel gekommen zu sein. Der zur Zeit wohl berühmteste aktive Leichtathlet spielt mit dem Feuer, denn seine extravagante und offensive Art polarisiert. Sie schafft Aufmerksamkeit und generiert Werbeeinnahmen, jedoch kann es auch Schadenfreude und Genugtuung erzeugen, wenn der perfekte Bolt mal nicht gewinnt.

Usain Bolt zieht sich zu früh das Leibchen aus! Disqualifiziert über 100m.
Südkorea hat keine Medaille gewonnen bei der Heim-WM. An sich ist das nichts besonderes bei einem Sportereignis, siehe Deutschland 2011 oder Südafrika 2010, jedoch kann man bei einer Leichtathletik-WM schon eine Medaille erwarten. Erst zum dritten Mal nach Schweden (Göteborg, 1995) und Kanada (Edmonton, 2001) konnte das Gastgeberland keine einzige Medaille erringen. Die USA dagegen gewann nicht nur die meisten Goldmedaillen (12) sondern auch mit 25 die meisten Medaillen insgesamt vor Russland mit 19 und Kenia mit 17.
Achillesferse des DLV bleibt das Laufen. Die bis dato letzte Einzelmedaille im Sprint holte 400-m-Läufer Ingo Schultz, und das ist auch schon zehn Jahre her. "Das Laufen ist nun mal das Attraktivste, so wird es zumindest vom Zuschauer wahrgenommen. Deshalb ist es unsere Pflicht, alles zu tun, dass wir wieder Anschluss an die Weltspitze finden", sagte Helmut Digel, deutsches Council-Mitglied des Weltverbandes IAAF. In Daegu war 200-m-Mann Sebastian Ernst der einzige deutsche Sprinter im Feld der Weltelite - und lief abgeschlagen hinterher. Zu allem Überfluss kamen am Schlusstag beide Sprintstaffeln nach Wechselfehlern schon im Vorlauf nicht ins Ziel.
Und sonst so
Caster Semenya war ja in der Vergangenheit schon eine Story wert. Nachdem sowohl der südafrikanische als auch der Leichtathletikweltverband Tests zur Bestimmung ihres Geschlechts angeordnet hatten, unter anderem auf Grund ihrer starken Muskelbildung und der tiefen Stimme. Irgendwie auch kaum verwunderlich, wenn man sich das Bild ansieht. In Daegu holte sie Silber. Ein offizielles Ergebnis zur Bestimmung ihres Geschlechts ergab, dass sie eine Frau sei, jedoch wohl nicht zu 100%. (Online Bericht zum Ergebnis)

Semenya: Mann oder Frau? Irgendwie wohl auch beides...
Na dann,
auf ein paar schöne Weltkämpfe in London! Einige Medaillen sollten für das deutsche Leichtathletik-Team drin sein.
Aufrufe: 693 | Kommentare: 5 | Bewertungen: 4 | Erstellt:01.01.2012
ø 10.0
KOMMENTARE
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02.01.2012 | 14:17 Uhr
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02.01.2012 | 20:24 Uhr
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Somit steht das 100m-Finale in London im Zeichen der "Rache des Usains Bolts" (ok ist ne Übertreibung, aber ich glaube den Titel willer jetzt umso mehr).
Außerdem kann es erst jetzt zu einem richtigem medialen Duell zwischen Blake und Bolt kommen. Wird aber so oder so wieder eine riesige Show bei Olympia. Mal gucken, ob man Bolt in der Hauptrolle findet.
02.01.2012 | 23:04 Uhr
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INTERESSANT!
ABWECHSLUNGSREICH (Nicht immer nur Fußball)!
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GEFÄLLT MIR!!!
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ich hätte passen müssen.
Wie so vieles ist die Leichtathletik an mir vorbeigerauscht.
Um so schöner, dass Du noch mal auf die Highlights zurückblickst.
Trotz kleiner Holperer (Kürzung?) schön zu lesen!