1. FC Nürnberg | Clubfans@Spox


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05.10.2010 um 14:10 Uhr
Geschrieben von Zielpublikum
Mintal - Phantom Im Schatten
In Nürnberg sieht man derzeit vor allem zuversichtliche Gesichter. Der zunächst mit Argwohn beäugte und mit der Heimniederlage gegen Freiburg fast verdorbene Saisonstart hat sich mit zwei erarbeiteten Erfolgen vor eigenem Publikum sowie einer immer ordentlichen Leistung auswärts mit drei verdienten Unentschieden ins Positive korrigiert. Nun steht die alte Regel von Trainer-Legende Hans Meyer: "Gewinne deine Heimspiele, dann hast du ein ruhiges Leben" (und ergänzt: '... und wenn nicht, hol dir das verlorene auswärts zurück') - der FCN hat 9 Punkte, die verlorenen drei gegen Freiburg also kompensiert: Alles im Lot.

Vor allem aber stimmt optimistisch auf die erhoffte "langweilige" Saison die Art und Weise. Da sind keine Höhenfluge, keine Sonntagsschüsse, keine Sensations-Torquoten oder sonstige Wunderdinge, an denen die Liga 2010/2011 offenbar ja sonst so großen Gefallen gefunden hat, und sogar die "Wahre Tabelle" ist relativ ausgeglichen beim Club, Fehlentscheidungen halten sich also die Waage. Ja im Gegenteil: Der Club ist König der Alu-Treffer bisher diese Saison. Man könnte also ein Quäntchen mehr Glück durchaus vertragen.

Der FCN erarbeitet sich Punkte durch harte Defensivarbeit und konsequente Umsetzung der taktischen Vorgaben, was gerade bei so einem jungen Team ein Kompliment an Trainerteam und Mannschaft ist. Auch finden offenbar die als Stützen geplanten Routiniers wie Wolf, Nilsson und Simons zu alter Stärke zurück, die man wegen Verletzungen, fehlender Spielpraxis oder dem Alter gar nicht mehr zutrauen wollte. Nur einer scheint im Schatten der positiven Entwicklung und vor allem seiner Selbst zu bleiben: Marek Mintal.

Bereits vor einem guten halben Jahr stellte sich die Frage: Ist Mintal das vergessene Phantom?

Ein Abschied vom FCN kam für den für Clubfans "unantastbaren" Slowaken, der 2009 von der Nationalmannschaft zurücktrat (u.a. weil er sich auf den Verein konzentrieren wollte), nicht ernsthaft in Betracht. Vielleicht auch weil die großen Angebote fehlten, vor allem aber weil Nürnberg für ihn Heimat und Herzensangelegenheit geworden ist. Aber als Ergänzungsspieler konnte sich der 33-jährige seine Zukunft dann doch (noch) nicht vorstellen - er wollte angreifen und zu alter Stärke zurückfinden. Entsprechend engagiert ging er in die Vorbereitung zur Saison.

Mintal wähnte sich auf gutem Weg zurück in die Stammformation, doch spätestens im letzten Testspiel gegen Duisburg und dann im ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal wurde er gegen einen jungen Leihspieler aus München namens Ekici ausgewechselt. Mintal dürfte gespürt haben, dass sich hier ein ganzer Generationenwechsel anbahnte. Sein Frust kam bei einer Trainingseinheit endgültig mit einem beherzten Tritt gegen eine Wasserflasche (Klick) zum Ausdruck - man trainierte Formationen, die auf einen Mintal verzichteten.

Mintal hat es auch in dieser Saison (bisher) wieder nicht zurück geschafft - das kann man nach nun 7 Spieltagen sagen, in denen er nur zweimal in den Schlussminuten eingewechselt wurde, als man zurücklag und das Motto galt "Der Trainer probierte nun alles und brachte auch noch...". Die Ursachen sind sicher nicht der fehlende Wille oder Einsatz, es ist eher so, dass das Phantom (ein Spitzname, den Mintal wohl gar nicht mehr hören kann) das Problem eben in seinem Alter Ego finden kann: "Das Phantom". Er war nie ein im Spiel auffälliger Akteur und taktisch, als Spieler irgendwo zwischen Mittelfeld und Angriff, nie einfach zu integrieren - aber er traf. Trifft er nicht, bleibt für die Mannschaft nicht mehr viel übrig - ein Schicksal, das im Übrigen auch die klassischen Stürmer früherer Prägung wie ein Luca Toni oder ein Roy Makaay teilen, deren Jobbeschreibung mit wenigen Worten schnell formuliert war: "vorne rumstehen und abwarten, dann die Bude machen" .

Spieler wie Ekici bringen dem FCN Spielfreude und seine Standards Gefahr für den Gegner. Ein Julian Schieber wirft seine körperlichen Vorteile in den Ring und läuft und läuft und auch ein Frantz rennt sich die Lunge aus dem Leib und beackert die Außenbahn solange die Füße tragen. Ein Gündogan kann ein Spiel lesen und initiieren und sogar ein Eigler hat gelernt sich taktisch als rechter Mittelfeldspieler einzubringen. Und alle Spieler haben das moderne Spielerprofil intus: Die Fähigkeit nach hinten zu arbeiten. Dabei können sie ihren jungen Körper schinden, der noch Dauerbelastungen wie Nichts wegstecken kann - sie laufen und machen Räume zu, spielen Pressing und versuchen auch nach 89 Minuten noch mit Speed den Konter zu gehen,

Marek Mintal wird in Nürnberg wohl bleiben bis zu seinem Karriereende und die Fans werden ihn lieben, egal was passiert. Zu viele Wege ist man zusammen gegangen, zu viel hat man zusammen weggesteckt, zu Großes hat man Marek zu verdanken: Aufstiege, Torschützenkönig in beiden Ligen, DFB-Pokalsieg und der Einzug in den Europapokal. Aber man muss realistisch sein - und das wird Marek auch sein: Ohne Tore wird er über die Rolle des Jokers nicht mehr hinauskommen - neue Tore wohlgemerkt, die alten sind nur was für die Vitrine und die Historie.

Seine wichtige Rolle für die Mannschaft und Fans bleibt davon unbenommen: Als Identifikationsfigur, durch seine Erfahrung und durch seine Art ist er ein wichtiger Baustein im Gesamten. Und abschreiben sollte man Marek auch als Spieler und Torjäger noch lange nicht. Auch in der Aufstiegssaison sahen ihn viele schon als ausgemustert, bis Mintal noch einmal durchstartete, in der Rückrunde sogar wieder Zweitligatorschützenkönig wurde und den fast schon unmöglich gehaltenen direkten Wiederaufstieg maßgeblich mit prägte.

Marek Mintal ist bereits jetzt eine Club-Legende und unabhängig vom sportlichen Verlauf seiner Saison tut man gut daran, ihn entsprechend mit Respekt zu behandeln. Die Verantwortlichen mühen sich entsprechend, dies verbal öffentlich immer wieder zu betonen. Doch leicht wird es nicht, das auch sportlich zu schaffen, gerade wenn in kniffligen Situationen die Trainer lieber einen Vidosic oder Boakye einwechseln als den verdienstvollen und erfahrenen Recken Mintal. Es bleibt zu hoffen, dass beide Seiten die richtigen Schlüsse daraus ziehen und den Karriereausklang gut hinbekommen, gerade wenn dieser sich noch 1 oder 2 Jahre hinziehen sollte. Und es ist zu hoffen, dass man dann auch wirklich eine Aufgabe für ihn im Verein findet, denn der Club gilt hier nicht unbedingt als ein Musterbeispiel im Umgang mit verdienten Ex-Spielern.

Der stets bescheidene und vorbildliche Mintal hätte es im Besonderen verdient - noch mehr aber einen zweiten Frühling vor dem Tor, am besten noch diese Saison. Es gibt wohl nur wenige, die ihm das nicht gönnen würden.
Aufrufe: 4439 | Kommentare: 4 | Bewertungen: 10 | Erstellt:05.10.2010
ø 9.9
KOMMENTARE
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kimosch
05.10.2010 | 14:22 Uhr
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kimosch : 
05.10.2010 | 14:22 Uhr
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kimosch : 
schön, wieder mal.
Genscher
05.10.2010 | 15:14 Uhr
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Genscher : nicht mehr unantastbar
05.10.2010 | 15:14 Uhr
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Genscher : nicht mehr unantastbar
gefällt mir, der text. wird leider viel zu ruhig um mintal. gönnen würde ich ihm mehr einsätze auch aber man muss leider sagen, dass es sportlich nicht mehr reicht.
KopfEB
06.10.2010 | 07:47 Uhr
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KopfEB : 
06.10.2010 | 07:47 Uhr
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KopfEB : 
Sehr gut geschrieben! Obwohl mich das Thema persönlich nicht interessiert, habe ich den Text gerne bis zum Schluss durchgelesen.
sensemc
06.10.2010 | 08:01 Uhr
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sensemc : 
06.10.2010 | 08:01 Uhr
+2
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sensemc : 
Schönes Ding.
Schade für Marek, aber glaube nicht, dass er noch einmal kommt.
Wie aber bereits oben geschrieben, er ist bereits eine Legende und ich denke alle Clubfans können sagen: Danke Marek!
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