1. FC Nürnberg | Clubfans@Spox
23.02.2011 um 13:53 Uhr
Geschrieben von Zielpublikum
Ein Israeli in Nürnberg
Ausgerechnet ein Israeli in Nürnberg - Die Brisanz der Thematik liegt nahe, ist bekannt und auch gewollt - doch nicht um sie zu thematisieren, noch um sie zu schüren, sondern einfach um einmal zu unterstreichen, dass es keine sein sollte.
In Nürnberg werden in den Fan-Blocks erste Israel-Fahnen gesichtet (Quelle) - das ist bemerkenswert, obwohl es das gar nicht sein sollte. Die Rolle Nürnbergs im Dritten Reich hat tiefe Narben in der Geschichte hinterlassen, in der heutigen Zeit im internationalen Ansehen vielleicht noch immer präsenter als im "modernen" Deutschland, das seine Geschichte doch weitgehend offen und intensiv aufgearbeitet hat.
Der Name Nürnbergs aber bleibt - auch mangels anderer positiver historischer Ereignisse der jüngeren Geschichte - im Gedächtnis mit den Geschehnissen eben eng verbunden und das sorgt noch heute für Vorbehalte. So soll einst der Vater des ehemaligen St. Pauli-Spieler David Hoilett - so wird kolportiert - sich gegen einen Wechsel nach Nürnberg vor diesem Hintergrund ausgesprochen haben.
Als Almog Cohen zum ersten Isreali im Club-Trikot geworden war, hätte es wohl kaum vorurteilsbeladener laufen können. Als Cohen sich zum ersten Mal in der Stadt umsah, so wird berichtet, war die Stadt mit deutschen Nationalflaggen dekoriert. Kein guter Start, auch wenn ihm versichert wurde, dass dies nun wirklich nicht alltäglich sei, sondern der laufenden WM in Südafrika "geschuldet".
"Der Holocaust ist in Israel natürlich zuweilen immer noch ein großes Thema. Aber ich spiele hier Fußball, darauf bin ich fokussiert. Ich denke nicht oft daran, was hier mal geschehen ist, und ich will das auch nicht wieder hervor holen. Ich vergesse die Vergangenheit nicht, aber ich denke in erster Linie an die Zukunft." (Quelle)
Almog Cohen kam übrigens mit Empfehlung eines deutschen Nationalhelden ("Rekordnationalspieler und Leitwolf") zum FCN, der aber ausgerechnet in seiner fränkischen Heimat keiner ist: Lothar Matthäus. Und auch wenn der Franke aus Herzogenaurach bei den Fans einen schweren Stand hat, was auch mit seiner so zur Schau getragenen Liebe zu Bayern München zu erklären ist, und allein einst eine Trainerdiskussion "Matthäus zum FCN" fast zu Tumulten geführt hätte, so hat seine sportliche Einschätzung doch durchaus positiven Anklang gefunden. Denn Matthäus kannte Cohen in der Tat gut, war bei Maccabi Netanya sein Trainer und attestierte dem "Gattuso Israels" Bundesliga-Tauglichkeit. Dass er von Matthäus auch Englisch beigebracht bekommen habe, sei allerdings ein Gerücht, "dafür spricht es Cohen [...] viel zu gut".
Durch seine sympathische Art außerhalb des Platzes, bei gleichzeitiger Giftigkeit auf dem Platz, seinen Fleiß, sein Engagement und seinen Teamgeist, hat sich Cohen schon in so kurzer Zeit in die Herzen der Fans gespielt. Und genau deswegen wehen nun Fahnen Israels, wie auch einst Fahnen Argentiniens für Zarate und heute für Pinola immer wieder zu sehen sind.
Eine Sympathiebekundung für einen Spieler, nicht mehr, nicht weniger, eine moralische Unterstützung und ein Zeichen von Anerkennung. Wenn allerdings damit auch ein weiterer Schritt zur Normalisierung und auch zur Versöhnung gemacht wird, wäre mehr erreicht, als man neben dem sportlichen Erfolg erhoffen konnte. Dann wäre Cohen nicht nur ein Pionier, sondern auch ein sportlicher Botschafter. Und vielleicht kommt im Sommer gleich der nächste hinterher: Mit Gil Vermouth könnte - so Gündogan doch gehen sollte - schon bald der zweite Israeli das Nürnberger Trikot tragen.
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In Nürnberg werden in den Fan-Blocks erste Israel-Fahnen gesichtet (Quelle) - das ist bemerkenswert, obwohl es das gar nicht sein sollte. Die Rolle Nürnbergs im Dritten Reich hat tiefe Narben in der Geschichte hinterlassen, in der heutigen Zeit im internationalen Ansehen vielleicht noch immer präsenter als im "modernen" Deutschland, das seine Geschichte doch weitgehend offen und intensiv aufgearbeitet hat.
Der Name Nürnbergs aber bleibt - auch mangels anderer positiver historischer Ereignisse der jüngeren Geschichte - im Gedächtnis mit den Geschehnissen eben eng verbunden und das sorgt noch heute für Vorbehalte. So soll einst der Vater des ehemaligen St. Pauli-Spieler David Hoilett - so wird kolportiert - sich gegen einen Wechsel nach Nürnberg vor diesem Hintergrund ausgesprochen haben.
Als Almog Cohen zum ersten Isreali im Club-Trikot geworden war, hätte es wohl kaum vorurteilsbeladener laufen können. Als Cohen sich zum ersten Mal in der Stadt umsah, so wird berichtet, war die Stadt mit deutschen Nationalflaggen dekoriert. Kein guter Start, auch wenn ihm versichert wurde, dass dies nun wirklich nicht alltäglich sei, sondern der laufenden WM in Südafrika "geschuldet".
"Der Holocaust ist in Israel natürlich zuweilen immer noch ein großes Thema. Aber ich spiele hier Fußball, darauf bin ich fokussiert. Ich denke nicht oft daran, was hier mal geschehen ist, und ich will das auch nicht wieder hervor holen. Ich vergesse die Vergangenheit nicht, aber ich denke in erster Linie an die Zukunft." (Quelle)
Almog Cohen kam übrigens mit Empfehlung eines deutschen Nationalhelden ("Rekordnationalspieler und Leitwolf") zum FCN, der aber ausgerechnet in seiner fränkischen Heimat keiner ist: Lothar Matthäus. Und auch wenn der Franke aus Herzogenaurach bei den Fans einen schweren Stand hat, was auch mit seiner so zur Schau getragenen Liebe zu Bayern München zu erklären ist, und allein einst eine Trainerdiskussion "Matthäus zum FCN" fast zu Tumulten geführt hätte, so hat seine sportliche Einschätzung doch durchaus positiven Anklang gefunden. Denn Matthäus kannte Cohen in der Tat gut, war bei Maccabi Netanya sein Trainer und attestierte dem "Gattuso Israels" Bundesliga-Tauglichkeit. Dass er von Matthäus auch Englisch beigebracht bekommen habe, sei allerdings ein Gerücht, "dafür spricht es Cohen [...] viel zu gut".
Durch seine sympathische Art außerhalb des Platzes, bei gleichzeitiger Giftigkeit auf dem Platz, seinen Fleiß, sein Engagement und seinen Teamgeist, hat sich Cohen schon in so kurzer Zeit in die Herzen der Fans gespielt. Und genau deswegen wehen nun Fahnen Israels, wie auch einst Fahnen Argentiniens für Zarate und heute für Pinola immer wieder zu sehen sind.
Eine Sympathiebekundung für einen Spieler, nicht mehr, nicht weniger, eine moralische Unterstützung und ein Zeichen von Anerkennung. Wenn allerdings damit auch ein weiterer Schritt zur Normalisierung und auch zur Versöhnung gemacht wird, wäre mehr erreicht, als man neben dem sportlichen Erfolg erhoffen konnte. Dann wäre Cohen nicht nur ein Pionier, sondern auch ein sportlicher Botschafter. Und vielleicht kommt im Sommer gleich der nächste hinterher: Mit Gil Vermouth könnte - so Gündogan doch gehen sollte - schon bald der zweite Israeli das Nürnberger Trikot tragen.
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Aufrufe: 2270 | Kommentare: 9 | Bewertungen: 16 | Erstellt:23.02.2011
ø 9.7
KOMMENTARE
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24.02.2011 | 14:38 Uhr
+4
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Rocky86 :
Richtig interessanter und sehr gut geschriebener Blog! Gefällt mir echt gut...10P
24.02.2011 | 16:37 Uhr
0
0
sensemc :
Habe mich besonders für ihn gefreut als er das 3:0 gg Frankfurt gemacht hat. Klasse Kämpfer. A richtiger Wadenbeisser
24.02.2011 | 17:32 Uhr
+2
-1
24.02.2011 | 21:36 Uhr
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chrisi :
absolut sympatischer spieler und leistungsträger in nürnberg! :)
02.03.2011 | 17:01 Uhr
+3
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Zielpublikum : @DerScharfrichter
Ich finde deinen Kommentar absolut deplatziert - und dabei habe ich nicht mal "politische Inkorrektheit" im Sinn. Wenn man schon mal anfängt mit "Israel sollte ..." dann hake ich das genauso ab wie wenn ein Satz mit "Deutschland sollte ...". Diese Pauschalierungen bringen jenseits jeglicher politischen Überzeugung nicht weiter und passt auch insgesamt überhaupt nicht zum Artikel. Zudem: Es geht hier um einen Sportler, nicht um eine Israel-Debatte.
03.03.2011 | 15:05 Uhr
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Fiedman :
Also ich muss klar sagen, dass ich Cohen ganz stark finde und mich freue, ihn am Sa gegen Pauli wieder auf dem Platz zu sehen.
Die Meinung zu dem Thema Holocaust und der Nürnberger Geschichte teile ich nicht ganz. Sicherlich ist dies kein einfaches Thema, aber ich sehe da ehrlich gesagt rein gar nichts besonderes oder brisantes daran, dass ein Israeli in Nürnberg spielt. Dies macht für mich keine Unterschied, und sollte auch für Cohen keinen Unterschied machen. Der Holocaust war zwar ein von Deutschen initiiertes Verbrechen, aber definitiv kein rein deutsches oder gar "Nürnberger" Verbrechen.
Finde deine Blogs zwar immer sehr gut, aber hier finde ich den Aufhänger des Berichts einfach nicht gut, da das in Köpfen von Fans, Spieler und Medien keine Rolle spielt, so wie es eigentlich sein sollte :)
03.03.2011 | 15:47 Uhr
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Zielpublikum : @Fiedman
Ja, das ist eben eine heikle Sache: Macht man etwas zum "Aufhänger", gerade weil es keiner sein sollte, kann man das dann so oder so verstehen ... Ich sehe es ja wie du: Für mich spielt das überhaupt keine Rolle. Ob ein Fußballer aus Argentinien oder Israel oder dem Iran kommt, sollte beim Sport nicht von Belang sein. Aber ...
Ich versuche immer bei Artikeln Themen aufzugreifen, die in der Luft liegen, die man also nicht herkonstruiert, sondern die die Fans beschäftigen. Und die Israel-Flagge und das "ausgerechnet Nürnberg" hab ich mir nicht als Thema ersonnen, sondern wurde einschlägig diskutiert und fand nicht zuletzt auch von WELT bis Regionalpresse Beachtung. Insoweit ist das Thema also doch eines, wenn auch nicht für einen selbst.
Und wenn man - wie hier bei SPOX - öffentlich schreibt, dann tut man das ja doch mit umfassenderen Blick als die persönliche Meinung.
Wie gesagt und da verweise ich auf meinen letzten Absatz: Es ist ein nicht wegzudiskutierendes historisch belegtes Thema, aber man sollte es nicht zum Anlass nehmen, politische Schlüsse daraus zu ziehen. Leider hat man auch an Kommentaren wie "DerScharfrichter" (nomen est omen?!) gesehen, dass es genau dazu kommt.
11.03.2011 | 11:14 Uhr
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