01.02.2010 um 15:25 Uhr
Geschrieben von ScoobaHH
EFFZEH-Legende #07
"Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheissen ja nur die Tauben."

Toni Polster spielte zwischen den Jahren 1993 und 1998 genau fünf Spielzeiten für die Geißböcke. Er wechselte 1993 vom spanischen Erstligisten Rayo Vallecano an den Rhein und bereits bei seiner Ankunft am Kölner Flughafen konnte man ahnen, dass dem FC kuriose Zeiten bevorstehen würden. Hawaihemd, Goldkettchen und Dauerwellenvokuhila waren selbst für die Neunziger -sagen wir mal- ungewöhnlich und der allgemeinen Vorstellung von einem Fußballprofi eher diametral gegenüber gestellt. Und man sollte Recht behalten.
Bereits in seiner ersten Saison für den EFFZEH erzielte Toni in 25 Partien 17 Tore und landete damit am Saisonende hinter Stefan Kuntz und Anthony Yeboah (je 18) auf dem dritten Platz der Torjägerliste. Aus dieser ersten Spielzeit entwuchs auch relativ schnell der Mythos des Toni Doppelpack, erzielte er doch in seinen 25 Spielen genau sieben Doppelpacks.
Dabei war Toni nie der Inbegriff der Lauffreude oder gar der taktischen Disziplin. Ein Instinktfußballer, der das Laufen lieber den anderen überließ.
Das erfolgreichste Jahr des Torjägers Toni Polster war die Spielzeit 1996/1997. In 32 Partien gelangen dem österreicher 21 Tore. Genau ein Tor weniger als Ulf Kirsten in Diensten von Bayer 04 bedeuteten den zweiten Platz im Torjägerranking. Wie wichtig ein Toni Polster für die Geißbockelf war, lässt sich schnell anhand eines Blicks auf seine Sturmpartner erahnen. Die hießen seinerzeit nämlich schon Ion Vladoiu, Stefan Kohn und Holger Gaißmayer. Wenig wohlklingend und noch weniger effektiv.
Und so kam es am Ende der Saison 97/98 zum sportlichen Supergau beim EFFZEH, von dem sich der Verein bis heute nicht wirklich nachhaltig erholen konnte. Polster spielte für seine Verhältnisse eine nur durchwachsene Saison und erzielte lediglich 13 Treffer für die Geißböcke. Eine Bilanz von 36 Punkten bei 49:64 Toren bedeutete den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte.
Unvergessen bleibt aus dieser Saison das Interview von Polster im Anschluss an die Partie gegen Schalke, durch die ein gewisser Oliver Held zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Held wehrte einen Ball der Kölner vor dem Tor mit der Hand ab. Auf Nachfrage des Schiedsrichters "schwor" Held, den Ball mit dem Kopf gespielt zu haben. Polster nach dem Spiel: ".... dafür soll er in seinem ganzen Leben kein Glück mehr haben!"
Nach dem Abstieg entschloss sich Polster jedoch für einen Verbleib in der ersten Liga und wechselte zum Erzrivalen nach Mönchengladbach, das sich am letzten Spieltag der Saison noch von den Abstiegsrängen retten konnten.
Wer sich schon einmal ein wenig mit der kölschen Fußballkultur auseinandergesetzt hat weiß, dass es kaum einen größeren Frevel geben kann, als zur Borussia zu wechseln. Und so litt die Sympathie zum österreicher beim kölschen Anhang auch stark darunter.
Nennen wir es ausgleichende Gerechtigkeit: Die Gladbacher stiegen in der kommenden Saison ab. Und Polster mit ihnen. Bis zur Winterpause erzielte der kopfballstarke Mittelstürmer in neun Spielen noch 7 Tore, ehe er im Januar 2000 zur Austria nach Salzburg wechselte, um dort seine aktive Zeit als Profifußballer zu beenden.
Dass das Tischtuch zwischen EFFZEH und Polster zerschnitten war, sieht man auch an seinem weiteren Werdegang. Von 2001 bis 2004 arbeitete Polster in der Marketingabteilung der Fohlen. Es folgte die Position des General Manager bei Austria Wien, die 2005 nach Differenzen mit dem Präsidenten Frank Stronach mit der Entlassung endete. Seit Beginn des Jahres ist er nun als Berater des österreichischen Clubs LASK Linz tätig.
Was jedoch den Polster Toni ebenso zur Legende macht, ist sein Verhalten Abseits des Platzes. Er war stets ein Lebemann, zelebrierte den Wiener Schmäh. Er zog die Medien an, wie das Licht die Motten. Er verkörperte perfekt den zum Frohsinn neigenden Rheinländer. Dabei war Polster stets authentisch und verstellte sich nie.
Bei der Fülle an außerberuflichen Aktivitäten fällt es schwer, eine adäquate Auswahl zu treffen. Ein großes Anliegen waren dem aus sehr einfachen Verhältnissen stammenden Polster aber stets gemeinnützige Aktionen, wie das Kicken auf Benefizveranstaltungen oder die übernahme des Präsidentenamtes beim Kölner Kreisligisten SV Weiden.
Im Zentrum seiner berufsbegleitenden Aktivitäten stand auch immer wieder die Musik. Nicht irgendeine Musik. Epochale Meisterwerke wie "Toni lass es Polstern", das er zusammen mit den "Fabulösen Thekenschlampen" aufnahm und unter anderem nach einer Niederlage des EFFZEH auf dem Kölner Ringfest performte. Aus Gründen der Pietät verzichte an dieser Stelle auf einen Link! Oder aber der Auftritt mit den Altvorderen des Kölschrock BAP in der ausverkauften Kölner Sporthalle (Vorläufer der Kölnarena) als der frischgebackene Gitarrenschüler zusammen mit Wolfgang Niedeggen "Nix wie bessher" zum Besten gab.
Bis heute ist er seiner Leidenschaft treu geblieben und veröffentlichte zusammen mit der Band Achtung Liebe zwei Alben. Das zweite ("12 Meistertitel") bescherten dem Toni Gold, Doppelgold und Platin. über Geschmack lässt sich bekanntlich -auch jenseits der Alpen- ja nicht streiten.
Seine Popularität nutzte Polster auch als Werbeträger für die verschiedensten Unternehmen. Unter anderem auch für die Limited Edition des Toilettenpapiers Lovely, mit den besten Sprüchen des Tonis auf Papier. Ein Schelm wer böses dabei denkt!

Auch als Literat versuchte sich der Toni. Seine Autobiographie erschien bereits 1998 unter dem vielversprechenden Namen Doppelpack – Fußball mit Herz und Schmäh
Auch im Fernsehen, vornehmlich südlich der Alpen, ist Toni Polster zur festen Größe avanciert. Auftritten in TV-Shows wie Dancing Stars,Entern oder Kentern, oder das Perfekte Promi Dinner, folgten auch seriöse Engagements für Premiere Austria oder SRG als Kommentator.
Eine Bilderbuchkarriere eines stets sympathischen, individuellen und talentierten Fußballers. Ein Spieler, den ich noch heute gerne im Trikot des EFFZEH sehen würde.
Ein echter Typ eben!

Toni Polster spielte zwischen den Jahren 1993 und 1998 genau fünf Spielzeiten für die Geißböcke. Er wechselte 1993 vom spanischen Erstligisten Rayo Vallecano an den Rhein und bereits bei seiner Ankunft am Kölner Flughafen konnte man ahnen, dass dem FC kuriose Zeiten bevorstehen würden. Hawaihemd, Goldkettchen und Dauerwellenvokuhila waren selbst für die Neunziger -sagen wir mal- ungewöhnlich und der allgemeinen Vorstellung von einem Fußballprofi eher diametral gegenüber gestellt. Und man sollte Recht behalten.
Bereits in seiner ersten Saison für den EFFZEH erzielte Toni in 25 Partien 17 Tore und landete damit am Saisonende hinter Stefan Kuntz und Anthony Yeboah (je 18) auf dem dritten Platz der Torjägerliste. Aus dieser ersten Spielzeit entwuchs auch relativ schnell der Mythos des Toni Doppelpack, erzielte er doch in seinen 25 Spielen genau sieben Doppelpacks.
Dabei war Toni nie der Inbegriff der Lauffreude oder gar der taktischen Disziplin. Ein Instinktfußballer, der das Laufen lieber den anderen überließ.
Das erfolgreichste Jahr des Torjägers Toni Polster war die Spielzeit 1996/1997. In 32 Partien gelangen dem österreicher 21 Tore. Genau ein Tor weniger als Ulf Kirsten in Diensten von Bayer 04 bedeuteten den zweiten Platz im Torjägerranking. Wie wichtig ein Toni Polster für die Geißbockelf war, lässt sich schnell anhand eines Blicks auf seine Sturmpartner erahnen. Die hießen seinerzeit nämlich schon Ion Vladoiu, Stefan Kohn und Holger Gaißmayer. Wenig wohlklingend und noch weniger effektiv.
Und so kam es am Ende der Saison 97/98 zum sportlichen Supergau beim EFFZEH, von dem sich der Verein bis heute nicht wirklich nachhaltig erholen konnte. Polster spielte für seine Verhältnisse eine nur durchwachsene Saison und erzielte lediglich 13 Treffer für die Geißböcke. Eine Bilanz von 36 Punkten bei 49:64 Toren bedeutete den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte.
Unvergessen bleibt aus dieser Saison das Interview von Polster im Anschluss an die Partie gegen Schalke, durch die ein gewisser Oliver Held zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Held wehrte einen Ball der Kölner vor dem Tor mit der Hand ab. Auf Nachfrage des Schiedsrichters "schwor" Held, den Ball mit dem Kopf gespielt zu haben. Polster nach dem Spiel: ".... dafür soll er in seinem ganzen Leben kein Glück mehr haben!"
Nach dem Abstieg entschloss sich Polster jedoch für einen Verbleib in der ersten Liga und wechselte zum Erzrivalen nach Mönchengladbach, das sich am letzten Spieltag der Saison noch von den Abstiegsrängen retten konnten.
Wer sich schon einmal ein wenig mit der kölschen Fußballkultur auseinandergesetzt hat weiß, dass es kaum einen größeren Frevel geben kann, als zur Borussia zu wechseln. Und so litt die Sympathie zum österreicher beim kölschen Anhang auch stark darunter.
Nennen wir es ausgleichende Gerechtigkeit: Die Gladbacher stiegen in der kommenden Saison ab. Und Polster mit ihnen. Bis zur Winterpause erzielte der kopfballstarke Mittelstürmer in neun Spielen noch 7 Tore, ehe er im Januar 2000 zur Austria nach Salzburg wechselte, um dort seine aktive Zeit als Profifußballer zu beenden.
Dass das Tischtuch zwischen EFFZEH und Polster zerschnitten war, sieht man auch an seinem weiteren Werdegang. Von 2001 bis 2004 arbeitete Polster in der Marketingabteilung der Fohlen. Es folgte die Position des General Manager bei Austria Wien, die 2005 nach Differenzen mit dem Präsidenten Frank Stronach mit der Entlassung endete. Seit Beginn des Jahres ist er nun als Berater des österreichischen Clubs LASK Linz tätig.
Was jedoch den Polster Toni ebenso zur Legende macht, ist sein Verhalten Abseits des Platzes. Er war stets ein Lebemann, zelebrierte den Wiener Schmäh. Er zog die Medien an, wie das Licht die Motten. Er verkörperte perfekt den zum Frohsinn neigenden Rheinländer. Dabei war Polster stets authentisch und verstellte sich nie.
Bei der Fülle an außerberuflichen Aktivitäten fällt es schwer, eine adäquate Auswahl zu treffen. Ein großes Anliegen waren dem aus sehr einfachen Verhältnissen stammenden Polster aber stets gemeinnützige Aktionen, wie das Kicken auf Benefizveranstaltungen oder die übernahme des Präsidentenamtes beim Kölner Kreisligisten SV Weiden.
Im Zentrum seiner berufsbegleitenden Aktivitäten stand auch immer wieder die Musik. Nicht irgendeine Musik. Epochale Meisterwerke wie "Toni lass es Polstern", das er zusammen mit den "Fabulösen Thekenschlampen" aufnahm und unter anderem nach einer Niederlage des EFFZEH auf dem Kölner Ringfest performte. Aus Gründen der Pietät verzichte an dieser Stelle auf einen Link! Oder aber der Auftritt mit den Altvorderen des Kölschrock BAP in der ausverkauften Kölner Sporthalle (Vorläufer der Kölnarena) als der frischgebackene Gitarrenschüler zusammen mit Wolfgang Niedeggen "Nix wie bessher" zum Besten gab.
Bis heute ist er seiner Leidenschaft treu geblieben und veröffentlichte zusammen mit der Band Achtung Liebe zwei Alben. Das zweite ("12 Meistertitel") bescherten dem Toni Gold, Doppelgold und Platin. über Geschmack lässt sich bekanntlich -auch jenseits der Alpen- ja nicht streiten.
Seine Popularität nutzte Polster auch als Werbeträger für die verschiedensten Unternehmen. Unter anderem auch für die Limited Edition des Toilettenpapiers Lovely, mit den besten Sprüchen des Tonis auf Papier. Ein Schelm wer böses dabei denkt!

Auch als Literat versuchte sich der Toni. Seine Autobiographie erschien bereits 1998 unter dem vielversprechenden Namen Doppelpack – Fußball mit Herz und Schmäh
Auch im Fernsehen, vornehmlich südlich der Alpen, ist Toni Polster zur festen Größe avanciert. Auftritten in TV-Shows wie Dancing Stars,Entern oder Kentern, oder das Perfekte Promi Dinner, folgten auch seriöse Engagements für Premiere Austria oder SRG als Kommentator.
Eine Bilderbuchkarriere eines stets sympathischen, individuellen und talentierten Fußballers. Ein Spieler, den ich noch heute gerne im Trikot des EFFZEH sehen würde.
Ein echter Typ eben!
Aufrufe: 361 | Kommentare: 14 | Bewertungen: 6 | Erstellt:01.02.2010
ø 10.0
KOMMENTARE
Um bewerten und sortieren zu können, loggen Sie sich bitte ein.
01.02.2010 | 15:27 Uhr
0
0
ScoobaHH :
Ich werde NIE WIEDER Blogs mit Bildern verfassen!
01.02.2010 | 15:33 Uhr
+2
-1
donluka :
Also, Scooba: Wieder einmal herausragend geschrieben! Klare 10 Punkte! Auch wenn Du Schleichwerbung machst...Der Toni hatte eigentlich auch in meinem Herzen einen Platz sicher. Allerdings hätte er sich den Wechsel zu MG wirklich sparen können. Du hättest vielleicht neben den Graupen, mit denen es der Polster zu tun hatte, auch auf seinen Sturmpartner Labbadia hinweisen können. Schließlich hatten wir später nie wieder ein derart gut harmonierendes Sturmpaar.
Super-Blog!
01.02.2010 | 15:41 Uhr
0
0
ScoobaHH :
Das Laba Dia hat ich sogar drin.Zum Schluss herrschte aber akuter Platzmangel.
Und da stand ich dann vor der Wahl:
Labadia oder Toilettenpapier!
Die Antwort war einfach!
01.02.2010 | 16:33 Uhr
0
0
Dr_D :
Super Blog und mit Bildern
Geht doch.Das mit dem Polsterschem Fluch hat auch ganz gut hingehauen. Oliver Wer?
Und ich muß feststellen, daß mit Perlen der TV Unterhaltung wohl entgangen sind. Entern oder Kentern
01.02.2010 | 16:51 Uhr
0
0
Voegi :
tolles portrait. sehr treffend und super geschrieben.hab den toni eigentlich in guter erinnerung. in der zeit von 93 bis 98 habe ich viele spiele des fc und damit auch viele polster-tore live im stadion gesehen. da wuchs doch ein heldenstatus ran. schade, dass er heute nicht mehr so gut gelitten ist. aber daran hat er ja auch seine mitschuld.
01.02.2010 | 17:45 Uhr
0
0
ScoobaHH :
@ Dr_DBei meinen Recherchen musste ich Ahnungsloser feststellen, dass ein gewisser Oli zum Abschluss seiner "Karriere" noch ein paar Jährchen für Pauli gekickt hat. Meine Sympathie für die Paulianer ist seitdem auch ein wenig in Mitleidenschaft gezogen. Unfassbar! Der Kerl!
@Voegi
Irgendwie kann ich dem Toni nicht bös´sein. Wie gesagt, geht ja eigentlich gar nicht. Aber er hat dem EFFZEH so viel gutes gebracht. Da sei ihm ein Ausrutscher erlaubt. Wäre schön gewesen, noch ein zwei mehr von seiner Sorte im Team gehabt zu haben.
COMMUNITY LOGIN

SPOX - Twitter
Statistik





